06.11.2019

Die Rolle starker Gewerkschaften in einer sich wandelnden Arbeitswelt

Es braucht Mitglieder, um gewerkschaftliche Macht zu stärken. DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann besucht die Global Labour University, Südafrika.

Bild: Hochrangiges Panel: Ruth Ntlokotse (NUMSA), Reiner Hoffmann (DGB) und Zingiswa Losi (COSATU) von FES TUCC / Michael M Phasha (Micgnificent Photography)

Bild: GLU Präsentation von FES TUCC / Michael M Phasha (Micgnificent Photography)

Bild: H.E. Thulas Nxesi, südafrikanischer Arbeitsminister von FES TUCC / Michael M Phasha (Micgnificent Photography)

Bild: Teilnehmerin im Publikum von FES TUCC / Michael M Phasha (Micgnificent Photography)

Bild: Gruppenbild von FES TUCC / Michael M Phasha (Micgnificent Photography)

Das Afrika Alumni Meeting der Global Labour University (GLU) Südafrika startet mit einem prominenten Auftakt. Mehr als 100 Gäste finden sich dazu an der Wits-University in Johannesburg ein. Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann, der südafrikanische Arbeitsminister, H.E. Thulas Nxesi, die Präsidentin der Confederation of South African Trade Unions (COSATU), Zingiswa Losi und die stellvertretende Präsidentin der National Union of Metalworkers of South Africa (NUMSA), Ruth Ntlokotse eröffnen gemeinsam und auf Einladungdes FES Trade Union Competence Centre for Sub-Saharan Africa (TUCC) die zweitägige Veranstaltung.

Die Zukunft der Arbeit oder die Arbeit der Zukunft?

Bastian Schulz, Direktor des TUCC, moderiert das hochrangige internationale Panel mit dem komplexen Titel „Zukunft der Arbeit und die Rolle von Gewerkschaften, Sozialem Dialog, industriellen Beziehungen und Mitbestimmung“. Obwohl die Kontexte in Deutschland und Südafrika nicht verschiedener können – einer Arbeitslosenquote von ca. 5% in Deutschland steht eine offizielle Arbeitslosenquote von 29% (tatsächlich fast 40%) gegenüber – kann vor allem der DGB-Vorsitzende Mut und Optimismus verbreiten. Dennoch benennt er deutlich die konkreten Hausaufgaben für Gewerkschaften weltweit: Mitglieder zu gewinnen, um aus einer Position der Stärke heraus zu agieren. Eine Einheit zu bilden, da dem globalen Kapital nichts mehr in die Hände spiele als eine fragmentierte Gewerkschaftsbewegung. Reiner Hoffmann regt an weitsichtig und mutig zu sein, nicht zuletzt mit Blick auf die Folgen des Klimawandels.

Sind Volkswirtschaften bereit für Digitalisierung?

Die grundsätzliche Frage ist, darin sind sich die Panelisten einig, ob die Volkswirtschaften bereit sind, den Auswirkungen der sogenannten „Zukunft der Arbeit“, verbunden mit Automatisierung, Digitalisierung und technologischem Fortschritt adäquat zu begegnen.

Die Würde der Arbeiter und Arbeiterinnen zu erhalten und zu schützen ist aus Sicht der Gewerkschaften der zentrale Punkt. Die Gewerkschaften, so Ruth Ntlokotse sind sich der sozialen Konsequenzen der vierten industriellen Revolution sehr bewusst. Sie bezweifelt allerdings, ob dies auch für die Regierung gilt.

H.E. Thulas Nxesi, reagiert indem er einerseits die Gewerkschaftsbewegung Südafrikas auffordert sich aktiv in den relevanten Strukturen am tripartiten Dialog zu beteiligen. Andererseits weist er auf die gute Beziehung zwischen seinem Land und Deutschland hin und fordert DGB und FES auf, seine Regierung bei der Lösung der Probleme in Südafrika zu unterstützen.

Gewerkschaften müssen Treiber von Wandel sein

Reiner Hoffmann betont, dass der Wandel von Arbeitsbeziehungen eine große Herausforderung in der Arbeitswelt ist, auch in Deutschland. Immer häufiger bleibe unklar, wer Arbeitgeber, wer Arbeitnehmer, was und wo der Arbeitsplatz ist. Und wie können Gewerkschaften weiterhin effektiv die Interessen der immer häufiger „selbstständig“ arbeitenden Menschen vertreten.

Global agierende Plattform-Unternehmen wie Uber, deliveroo und ähnliche Apps stellen Gewerkschaften im Norden wie im Globalen Süden vor gewaltige Herausforderungen. 

Die Gewerkschaften brauchen innovative Ansätze, die durch einen Schulterschluss zwischen den Mitgliedsgewerkschaften des DGB, COSATU und weiteren Dachverbänden noch gestärkt werden können, sagte Zingiswa Losi.

Wissen ist Macht!

Die Debatte um die „Arbeit von Morgen“ darf nicht allein den multinationale Unternehmen und Regierungen überlassen werden, sondern muss von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern gleichermaßen beeinflusst sein. Es sind sich alle darin einig, dass Organisationen wie die Global Labour University dabei eine zentrale Rolle spielt: GLU stellt Lehre, Forschung und Wissen bereit, schafft und unterstützt globale Netzwerke, denn nur eine global agierende Gewerkschaftsbewegung wird stark genug sein, um die Interessen von Arbeiterinnen und Arbeitern effektiv zu vertreten.

An der GLU Südafrika, eine von insgesamt fünf GLU Campus (Deutschland, Südafrika, Brasilien, Indien und USA), zeigt sich einmal mehr, dass mit über 650 Alumni-Mitgliedern (davon fast 50% weiblich) bereits vieles erreicht werden konnte. Die Tatsache, dass 49% vom afrikanischen Kontinent stammen und insgesamt 80% der Alumni aus dem Globalen Süden kommen, beeindruckt vor allem den DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann, der erstmals in Südafrika zu Gast ist.

Solidarität, Kooperation und die Stärkung von Gewerkschaftsstrukturen in Afrika

Der DGB, der auch in Afrika durch die FES vertreten wird, wird weiterhin Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in Südafrika und auf dem gesamten Kontinent unterstützen. Sie darin bestärken aktiv die gewaltigen Transformationen zu gestalten, denen sich immer mehr Länder konfrontiert sehen: Digitalisierung, Urbanisierung, Globalisierung, demographischer sowie technologischer Wandel oder die Folgen des Klimawandels. Dieses Engagement würdigt der Arbeitsminister Thulas Nxesi.  Die internationale Runde schließt mit Reiner Hoffmanns motivierendem Appell und entlässt die Gäste in den zweitägigen Workshop: „Die Zukunft braucht starke Gewerkschaften – starke Gewerkschaften brauchen vor allem eins: MITGLIEDER!“

Bastian Schulz leitet das Trade Union Competence Centre for Sub-Saharan Africa (TUCC) mit Sitz in Johannesburg, Südafrika

Länder / Regionen: Weltweit | Afrika | Südafrika

Arbeitseinheit: Referat Afrika


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