Die Welt gerecht gestalten

10.12.2019

FES@COP25: Der Ruf nach 100% Erneuerbare Energie

Erneuerbare Energie als große Chance für den Globalen Süden: Fair, günstig, sozial- und klimagerecht.

Wie sieht ein gerechter Übergang aus?

Bild: FES@COP25 100&Renewable through Just Transition Panel am 05.12.2019 von Allan Jay Quesada

Bild: FES@COP25 100&Renewable through Just Transition mit Jahangir Massum, CDP am 05.12.2019 von Allan Jay Quesada

Bild: FES@COP25 100&Renewable through Just Transition mit Joachim Fünfgelt, BfdW am 05.12.2019 von Allan Jay Quesada

Bild: FES@COP25 100&Renewable through Just Transition Panel am 05.12.2019 von Allan Jay Quesada

Der parallel zur COP25 stattfindende Alternativgipfel, die Aktivitäten und Veranstaltungen der Klimaverhandlungen und der Climate March am Freitag haben alle etwas gemeinsam: Die Menschenrechte müssen unbedingt ins Zentrum der Umweltdebatten gerückt werden. Die aktuellsten Berichte des Weltklimarates (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) und der Weltorganisation für Meteorologie (World Meteorological Organization, WMO) zeigen sehr deutlich, dass die mittlere Temperatur auf der Erde um 3 Grad steigen wird, außer die Länder, allen voran jene, die am stärksten zur Verschmutzung beitragen, reduzieren ihre Emissionen drastisch. Wenn wir weiterhin in einer Welt leben wollen, die ähnlich der jetzigen ist, bedeutet das für uns, dass sich viele Arbeitsplätze wandeln werden, Tausende werden verloren gehen und Millionen Menschen weltweit werden die Auswirkungen spüren.

Die Internationale Arbeitsorganisation (International Labour Organization, ILO) hat eine weltweite Studie durchgeführt, um das Potenzial für neue Arbeitsplätze im Bereich der Green Economy auszuloten. Die Frage war: Was würde mit der Arbeit passieren, wenn jeder Staat seine national festgelegten Beiträge (Nationally Determined Contributions, NDCs) einhalten würde? Dabei kam heraus, dass 24 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden würden und 6 Millionen wegfielen, die meisten davon in Bereichen wie Erdölgas und Kohle. Für Entwicklungsländer stellt die Umstellung ihrer Wirtschaft auf erneuerbare Energien eine große Herausforderung dar, aber dies böte zugleich die Möglichkeit, Ausgaben zu senken. Ist es für Entwicklungsländer und gefährdete Länder überhaupt möglich, zu 100 % erneuerbare Energien zu nutzen?

Rentabel und nachhaltig in Erneuerbare Energie zu investieren

Eine von Brot für die Welt durchgeführte Studie belegt, dass dies nicht nur möglich ist, sondern sogar rentabel und nachhaltig. Laut dieser Studie könnte Bangladesch 2050 100 % erneuerbare Energien nutzen. Die Regierungen der 48 Länder des Climate Vulnerable Forum unterzeichneten auf der COP22 in Marokko eine Erklärung, dass sie ihre Länder bis 2050 zu 100 % auf erneuerbare Energie umstellen wollen. Das bedeutet für viele von ihnen eine Herausforderung, wie beispielsweise für Bangladesch, wo der Anteil erneuerbarer Energien 2017 nur bei 10 % lag. Würden sie es schaffen und andere gefährdete Staaten inspirieren? Laut Joachim Fünfgelt, dem Referenten für Klima- und Energiepolitik von Brot für die Welt, glauben Regierungen für gewöhnlich, dass es ökonomisch nicht rentabel ist, in erneuerbare Energien zu investieren, oder dass es in ihren Ländern technisch nicht umzusetzen ist.

„Wir versuchen ihnen anhand von Daten und Berichten zu zeigen, dass es nicht nur nicht teuer ist, erneuerbare Energien auszubauen, sondern dass es sogar die Ausgaben reduzieren kann, und auch dass es möglich ist, da die Technologie schon da ist und dazu sozial verträglich“, fügt Joachim Fünfgelt hinzu. Die Studie deckt zugleich auf, dass für eine Umsetzung eine langfristige Strategie der Regierungen notwendig ist. So etwas wie ein Staatsvertrag, der sich nicht alle vier Jahre ändert. In der Umsetzungsphase dieser Energietransformation werden sich laut Fünfgelt tausende von Arbeitsplätzen verändern, und die Menschen müssen ausgebildet werden, so dass sie den Anforderungen für diese neuen Arbeitsplätze auch gerecht werden können.

Unabhängig vom Globalen Norden

Außer der Fortbildung wäre noch einer der wichtigsten Punkte, dass die Umsetzung auf eine gerechte Art und Weise -einer Just Transition- geschieht. Der Direktor der costa-ricanischen NGO La Ruta por el Clima, Adrián Martínez, stellt dies besonders heraus: „Übergangsprozesse müssen fair und demokratisch gestaltet werden. Wir müssen alle Bereiche einbeziehen, besonders die stark gefährdeten, das ist Teil von Klimagerechtigkeit und sozialer Gerechtigkeit.“

Laut Jahangir Massum von der Coastal Development Partnership (CDP) in Bangladesch, ist ein wichtiger Teil des gerechten Übergangs, dass dieser als Dialog zwischen allen Akteuren umgesetzt wird: Regierungen, Unternehmen und Gemeinden.

Eine der größten Herausforderungen wird die Technologie sein. Entwickelte Länder sollten, so Massum, den Entwicklungsländern die Technologie zur Verfügung stellen, denn sie sind diejenigen, die für die Klimakrise verantwortlich sind. Für ihn sind die erneuerbaren Energien eine herausragende Chance, und er fügt hinzu: „Dies könnte das Zeitalter sein, in dem die Entwicklungsländer nicht mehr vom Globalen Norden abhängig sind.“

Dieser Artikel wurde von Andrea A. Gálvez geschrieben.

Aus dem Englischen übersetzt von Meiken Endruweit.

Um den Klima-Journalismus weltweit zu stärken, kooperiert die FES Media Fellowship mit Climate Tracker und unterstützt vier junge Journalistinnen und Journalisten, Andrea A. Gálvezaus Spanien, Kartik Chandramouli aus Indien, Petr Vodsedalekaus der Tschechischen Republik und Leopold Obi aus Kenia, die an diesem Programm teilnehmen. Sie nehmen an einem Medientraining zum Thema Klima teil, berichten vom COP 25 und sind auch an anderen FES Veranstaltungen beteiligt.

 

Mehr über FES@COP25: www.fes.de/cop25

Arbeitseinheit: Internationale Entwicklungszusammenarbeit | Globale Politik und Entwicklung


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