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Polizeihaushalte im Vergleich

Marius Müller-Hennig
Illustration einer Polizistin, die auf einem Taschenrechner durch eine deutsche Polizeidienststelle surft
Urheber: Till Lukat
Polizeihaushalte in Deutschland

Polizeihaushalte in Deutschland

Entwicklung und Struktur in Bund, Ländern und Europa

Günther, Aaron ; Schmid, Ramona | Berlin : Friedrich-Ebert-Stiftung, Oktober 2026

Entwicklung und Struktur in Bund, Ländern und Europa

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Entwicklung der Polizeihaushalte in Bund und Ländern von 2000-2024 und im Europäischen Vergleich.

In ihrem Koalitionsvertrag hat die neue Bundesregierung 2025 eine Zeitenwende in der inneren Sicherheit angekündigt. Doch während die Nachrichtendienste in die neue Bereichsausnahme von der Schuldenbremse aufgenommen wurden, blieben die Polizeibehörden hier außen vor. Sie wurden allerdings explizit von den ebenfalls im Koalitionsvertrag vorgesehenen pauschalen Reduktionen der sächlichen Verwaltungsausgaben  und dem zugehörigen Stellenabbau ausgenommen, dem die anderen Ressorts unterworfen wurden.

Doch wie sind die Polizeibehörden in Bund und Ländern überhaupt finanziell und personell ausgestattet, welche Priorität haben Sie in den entsprechenden Haushalten und wie haben sie sich in den vergangenen Jahren entwickelt? Diese Fragen hat das ifo Institut in einer explorativ-deskriptiven Studie für die Friedrich-Ebert-Stiftung untersucht.

Diese FES Analyse untersucht die Entwicklung der Polizeiausgaben und der Personalstellen bei den deutschen Polizeibehörden im Zeitraum von 2000 bis 2024 basierend auf Daten des Statistischen Bundesamts und der jährlichen Haushaltspläne des Bundes und der Länder. Sie ordnet die Deutschen Entwicklungen zudem auch anhand der Daten die nach dem COFOG-System („Classification of the Functions of Government“) erhoben wurden in einen europäischen Vergleich ein. 

Wichtiger Hinweis: Die Ausgaben der für die verschiedenen Polizeibehörden wurden aus den Haushaltsplänen des jeweiligen Jahres von Bund und Bundesländern gewonnen. In einzelnen Bundesländern können jedoch auch in anderen Ministerien oder innerhalb des Landesinnenministeriums Ausgaben anfallen, die der Polizei zugutekommen, aber anderen Unterkapiteln zugeordnet sind. Diese Ausgaben sind in der vorliegenen Studie entsprechend nicht erfasst. Zusätzlich können unterschiedliche Verbuchungen beispielsweise von Versorgungsbezügen oder Gebäude-/Liegenschaftskosten in den Haushaltsplänen zu Abweichungen zwischen den Ländern führen. Entsprechend erhebt die Studie keinen Anspruch auf vollständige Vergleichbarkeit zwischen einzelnen Bundesländern im Sinne eines Rankings. Der Fokus liegt auf der zeitlichen Entwicklung der jeweiligen Ausgaben. 

Der Stand der Datenerhebung ist für die Bundesländer der Februar 2025 und für die Bundesebene der Dezember 2025.

Im internationalen Vergleich lagen Deutschlands Polizeiausgaben zwischen 2000 und 2023 sowohl gemessen an den Gesamtausgaben als auch am BIP unter dem EU-Durchschnitt. Sie bewegten sich auf einem relativ konstanten Niveau.

Im Vergleich zu den seit 2014 sehr deutlich gestiegenen Verteidigungsausgaben, zeigt sich im Bereich der inneren Sicherheit (der neben den Ausgaben für die Polizei auch solche für Feuerwehr, Justiz und Ordnungsdienste umfasst) eine stabilere Priorisierung mit weniger Fluktuation. Sowohl für die innere Sicherheit als auch für die äußere Sicherheit verliefen die Ausgaben Deutschlands gemessen am BIP im gesamten Zeitverlauf von 2000-2024 deutlich unterhalb des EU-Durchschnitts. Insbesondere im Beeich der Verteidigung näherte sich Deutschland dem EU-Durchschnitt aber zuletzt sehr stark an.  

Methodischer Hinweis: Die hier gezeigten Daten für die Verteidigungsausgaben als Anteil am BIP folgen einer anderen Systematik (COFOG-Klassifizierung) als die Statistiken der NATO, die als Maßstab für das vieldiskutierte 2-Prozent- bzw. des 3,5-Prozent-Ziels (seit 2025) dienen.

Die Ausgaben für die Polizeibehörden stiegen im Untersuchungszeitraum sowohl im Bund als auch in den Ländern. Dabei zeigt die Betrachtung der indexierten Enwicklung der Polizeiausgaben, dass der Anstieg auf Bundesebene in den Jahren 2009 bis 2019 deutlich stärker ausgeprägt war als auf Ebene der Bundesländer.

Von 2012 bis 2025 stiegen die nominellen Ausgaben für die Bundespolizei (+105 Prozent), für den Zoll (+104 Prozent) und für das BKA (+164 Prozent) sehr stark an. 

Aber auch die inflationsbereinigten Ausgaben (siehe Abbildung) zeigen, dass die Ausgaben für alle drei Behörden insbesondere im Zeitraum 2015 bis 2019 stark anstiegen. Ebenso zeigt sich aber in den inflationsbereinigten Zahlen, dass die Inflation in den Jahren 2022 und 2023 den vorangegangenen Zuwachs der Ausgaben für Polizei und Zoll überkompensiert hat. Die realen Ausgaben gingen deutlich zurück. Beim BKA waren deutlich geringere inflationsbedingte Rückgänge bei den preisbereinigten Ausgaben zu verzeichnen. In 2025 lagen die inflationsbereinigten Ausgaben bei allen drei Behörden wieder auf bzw. geringfügig über dem Niveau von 2020.

Die Struktur der Polizeiausgaben zeigt, dass diese im Schnitt der Bundesländer zu über 75 Prozent Personalkosten umfassen. Damit liegt der Anteil der Perosnalkosten in den Polizeihaushalten sogar über dem Anteil der Personalkosten in den Justizhaushalten, die unsere Studie Justizhaushalte im Vergleich 2025 untersucht hat.

Im Bund steigt die Zahl der Personalstellen im Bereich Polizei im Zeitraum 2015-2020 besonders deutlich an. In diesen Zeitraum fällt auch der 2019 beschlossene Pakt für den Rechtstaat in dem zusätzliche Personalstellen für die Polizei in Bund und Länder verabredet wurden. Der Stellenzuwachs umfasste auf Bundesebene vor allem Beamt:innen (siehe Grafik).

Die Personalausstattung der Bundesländer hat ebenso wie diejenige des Bundes im Zeitraum seit 2016 merkliche Zuwächse zu verzeichnen. Die Betrachtung von Ländergruppen zeigt hier jedoch ein spezifisches Muster: Bei den Westdeutschen Bundesländern nimmt die Stellenausstattung (in der Grafik dargestellt als Stellen pro 100.000 Einwohner:innen) leicht aber dafür beinahe durchgängig zwischen 2000 und 2024 zu. In den Ostdeutschen Ländern und bei den Stadtstaaten hingegen gehen die Werte zu Beginn des Untersuchungszeitraums zunächst deutlich zurück, bevor Sie nach einer Trendwende in 2016 wieder deutlich ansteigen um 2024 wieder fast das Niveau aus dem Jahr 2000 zu erreichen.

Dr. Ramona Schmid ist ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am ifo Zentrum für Finanzwissenschaft

Aaron Günther ist Doktorand am ifo Zentrum für öffentliche Finanzen und politische Ökonomie und Promotionsstudent an der Ludwig-Maximilians-Universität München.


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