Die FES würdigt den verstorbenen Martin Gutzeit (1952-2026) 18.09.2026 Am 15. September verstarb Martin Gutzeit mit 74 Jahren in Berlin. Martin Gutzeit gehörte zu den Gründern der Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP) und hatte erheblichen Anteil an der Friedlichen Revolution von 1989. Martin Gutzeit absolvierte eine Ausbildung zum Elektromonteur – das Abitur konnte er aufgrund der oppositionellen Haltung seines Elternhauses nur über den Weg der Abendschule nachholen. Schon früh forderte er auch selbst die Staatsgewalt heraus. So verweigerte er als Totalverweigerer den Dienst an der Waffe und arbeitete stattdessen als Diakoniehelfer. Die erwartete Haftstrafe blieb unerwartet aus. Nach dem Theologiestudium trat Martin Gutzeit dann 1982 in Mecklenburg seine erste Pfarrstelle an. Abgebildete Personen: Gutzeit, Martin; Meckel, Markus SPD-Parteitag Ost in Leipzig Datum: 22.02.1990 Bild: Urheber: J.H. Darchinger / Friedrich-Ebert-Stiftung Abgebildete Personen: Höppner, Reinhard; Kschenka, Susanne; Gutzeit, Martin; Fischer, Ilse Veranstaltung: "Von der frei gewählten Volkskammer zum vereinten Deutschland" in Berlin Datum: 23.09.2010 Bild: Urheber: AdsD / FES Ein Leben für Demokratie und Aufarbeitung Seit Mitte der 1970er-Jahre stand Martin Gutzeit mit anderen Oppositionellen in Kontakt, unter anderem mit Markus Meckel, einem weiteren Mitbegründer der SDP. Gemeinsam leisteten beide die Vorarbeiten zur Gründung einer sozialdemokratischen Partei in der DDR. Bereits im April 1989 verfassten sie einen Gründungsaufruf, den sie im August in der Berliner Golgathagemeinde vorstellten. Martin Schulz würdigt Martin Gutzeit und die anderen beteiligten Frauen und Männer der SDP: „Es gehörte ungeheurer Mut dazu, das Parteimonopol der SED infrage zu stellen, noch dazu mit einer sozialdemokratischen Partei.“ Die öffentliche Diskussion des Gründungsaufrufs im Sommer 1989 stellte das Signal für die Gründung der meisten anderen Oppositionsgruppen dar. Die SDP wurde schließlich am 7. Oktober 1989 in Schwante bei Berlin gegründet – eine weitere Herausforderung der kommunistischen Herrschaft, handelte es sich doch um den Jahrestag der DDR-Gründung. Martin Gutzeit gehörte während der Revolutionszeit dem Runden Tisch der DDR sowie der im März 1990 frei gewählten Volkskammer an. Von 1993 bis 2017 war Martin Gutzeit Berliner Landesbeauftragter für die Unterlagen des Ministeriums der Staatssicherheit der DDR (MfS) und leistete wichtige Arbeit bei der Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die Friedrich-Ebert-Stiftung ist in Gedanken bei der Familie Martin Gutzeits und wünscht den Angehörigen viel Kraft in dieser schweren Zeit.