Medien und Netzpolitik 5 einfache Tricks fürs Gendern 19.02.2026 von Lotte Laloire Wer guten Journalismus machen will, sollte geschlechtssensibel formulieren. Warum allein unser journalistischer Anspruch das gebietet, wie es geht und was es dabei zu beachten gilt, lest Ihr hier. Bild: Urheber: picture alliance/dpa | Sven Hoppe 1. Es geht nicht um Feminismus. Ideologie ist hier nicht das Thema. Journalismus allein erfordert Geschlechtssensibilität! Denn es ist die Aufgabe der Presse, umfassend und genau zu informieren. Und dazu gehört das Geschlecht: War der Tatverdächtige ein Mann? Benachteiligt ein Gesetzentwurf queere Menschen? Der Streik wurde hauptsächlich von Frauen organisiert? So etwas will unser Publikum wissen. Was es dafür schon bei der Recherche zu beachten gilt, erfahrt Ihr im Seminar! 2. Spezifisch oder neutral? Kläre bei jeder einzelnen Personenbezeichnung, was Dein Ziel ist. Möchtest Du die Person(en) genau beschreiben? Dann erfrage und benenne ihr Geschlecht. Möchtest Du alle möglichen Geschlechter einschließen? Dann formuliere geschlechtsneutral, mit Gender-Zeichen wie Sternchen. Eine lange Liste hilfreicher Begriffe von A wie „Angestellte“ über L wie „Leitung“ bis Z wie „Zuständige“ gibt’s im Seminar! 3. Welches Gender-Zeichen soll ich bloß nutzen? Sternchen, Binnen-I, Doppelpunkt oder lieber Oberbegriffe? Die vielen möglichen Gender-Zeichen können überfordern. Klar, Ihr könnt Euch einfach eines aussuchen und immer benutzen. Profimäßig seid Ihr, wenn Ihr beachtet, wann welche Form passt. Was ist das Problem an Doppelpunkten? Wann lieber keine Sternchen? Was ist die Gefahr bei Partizipien? Und worauf gilt es bei Oberbegriffen zu achten? Die Vor- und Nachteile der bekanntesten Formen besprechen wir im Seminar. 4. Was ist an „starken Frauen“ auszusetzen? Selbst Beiträge mit korrekten Gender-Zeichen können Klischees reproduzieren. Was ist an „starken Frauen“ blöd? Warum sind Pronomen wichtig? Der Bericht über den Klimagipfel in Brasilien wird mit indigenen Frauen aus dem Amazonas bebildert – aber werden sie auch zitiert? Wen fragen wir als Fachleute an – und wie kommen wir weg von den immer gleichen drei Politikprofessoren? Im Seminar besprechen wir, warum es sich lohnt, auf die Darstellung von Menschen zu achten. Wieso nicht mal über eine Kneipenschlägerei von Frauen schreiben? Allein unser veränderter Blick kann Nachrichtenwert erzeugen – und den wollen wir als Journalist:innen schließlich. 5. Warum Gendern nicht reicht „Ich hab’ doch Sternchen gemacht, was denn jetzt noch?“ Geschlechtssensible Sprache nützt nichts, wenn auf dem Foto daneben antisemitische, rassistische, ageistische, ableistische oder andere Klischees bedient werden. Deshalb musst Du auch einen Blick auf andere Diskriminierungen werfen, die Medienschaffende nicht unbewusst reproduzieren sollten. Die Autorin: Lotte Laloire arbeitet unter anderem als Chefin vom Dienst im Online-Ressort der Tageszeitung taz in Berlin. Sie hat das feministische Journalismus-Netz-werk „ttt – Titten Thesen Temperamente“ gegründet und gibt ihr Wissen regelmäßig in Workshops weiter.