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Internationaler Frauentag 2017: Der Wert von Care-Arbeit

FES-Themenschwerpunkt zum Internationalen Frauentag

Dienstag, 07.03.17 - Yaoundé

Dringend gebraucht - und doch nichts wert? Hausangestellte in Kamerun


Terminexport im ICS-Format

Trotz der Wichtigkeit ihrer Arbeit fehlt es für private Hausangestellte in Kamerun an Wertschätzung und fairen Arbeitsbedingungen. Ihre Initiativen brauchen Unterstützung. Darüber diskutierte die FES Kamerun am 7. März in Yaoundé mit Betroffenen und Entscheidungsträger_innen.

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Bild: Mutter von egfriday lizenziert unter CC0 1.0

 

Dringend gebraucht und dennoch nichts wert? Hausangestellten in Kamerun

Eine Konferenz der FES-Kamerun am 07. März 2017

 

Die Arbeit  von privaten Hausangestellten spielt sowohl gesellschaftlich als auch ökonomisch eine wichtige Rolle für Kamerun. Dennoch erhält sie zu wenig Wertschätzung und wird unter schlechten Bedingungen verrichtet. Aus diesem  Grund organisierte die FES Kamerun am 07. März 2017 eine Konferenz mit nationalen und internationalen Entscheidern, um über die Arbeitsbedingungen von privaten Hausangestellten in Kamerun zu sprechen und mögliche Reformen zu diskutieren.

In diesem Rahmen berichteten die weiblichen Hausangestellten und Assoziationen bzw. NGOs, von massiven Verstößen der Arbeitgeber gegen Kameruner Arbeitsgesetze: Unterschreitung des Mindestlohns, Nichtbeachtung der maximalen Arbeitszeit, Nichtausbezahlung von Gehältern, physische und psychische Strafen und Misshandlungen inklusive sexueller Übergriffe, Demütigungen und Kinderarbeit waren nur einige der genannten Verstöße. Eine Umfrage der NGO „Horizons Femmes“ aus dem Jahr 2012 zeigt, dass drei Viertel der Hausangestellten keinen Arbeitsvertrag haben und weniger als den Mindestlohn in Höhe von 36.270 CFA Franc (ca. 50 Euro) verdienen. In der Folge können sich nur wenige von ihnen  eine soziale Absicherung leisten, viele müssen Monate ohne Einkommen überbrücken.

Verschärft wird die ihre Situation durch das fehlende Engagement bei der Durchsetzung des  Arbeitsgesetzes und des  ILO Übereinkommens 189. Zwar wurde das  „Übereinkommen über menschenwürdige Arbeit für Hausangestellte“ im Jahr 2013 durch die Regierung Kameruns unterschrieben, allerdings bislang noch nicht ratifiziert – trotz des Drucks durch nationale NGOs und einige zaghafte Vorstöße der Regierung. 

Viele Hausangestellte sind zudem wenig über ihre Rechte informiert: Die meisten erwachsenen Hausangestellten haben die Schule abgebrochen, sechs Prozent der Hausangestellten sind minderjährig. Sie wissen nicht, dass sie normale Arbeitnehmer_innen sind und bereits unter das Kameruner Arbeitsrecht fallen“, bestätigte auch die stellvertretende Direktorin für soziale Sicherheit im Kameruner Arbeitsministerium.

Initiativen und Netzwerke brauchen Unterstützung

"Wir wollen, dass die Regierung  Gesetze verabschiedet, die unsere Rechte schützen. Von der Gesellschaft und ihren Mitgliedern wünschen wir uns Respekt für das, was wir für sie tun. Wir kümmern uns um ihre Kinder. Wir sorgen für Sauberkeit. Wir füttern ihre Kinder und erhalten zu wenig zurück.” So fasst es eine der wenigen Hausangestellten zusammen, die ihre Anliegen offen artikulieren. Umso wichtiger ist es, dass ihre Initiativen Unterstützung erfahren.

Bislang gibt es nur wenige Zusammenschlüsse von privaten Hausangestellten in Kamerun. Dabei können die wenigen Ausnahmen erstaunliche Erfolge vorweisen: sie investieren in Schulung und Auftreten der Hausangestellten und bieten dem Arbeitgeber Serviceleistungen an wie z.B. die Regelung der Bezahlung der Sozialversicherungsbeiträge. Ein Arbeitgeber bestätigte in der Veranstaltung, dass ihn die Qualität der Arbeit und das vorbildliche Auftreten seiner neuen Hausangestellten überzeugt habe, den von der Assoziation ASDAM (Association pour le Développement des Assistantes de Maison) geforderten Lohn zu zahlen: fast das Doppelte des Mindestlohns.

Die Regierung muss in die Pflicht genommen werden

In der Veranstaltung wurde darüber hinaus deutlich, dass Allianzen vor allem mit gewerkschaftlichen Partnern den Vereinigungen der Hausangestellten, die zum informellen Sektor gehören, sehr helfen können. Ihre Forderungen erhalten durch den sozialen Dialog zwischen Gewerkschaften, Arbeitgebern und Regierung mehr Gewicht. Diesen Punkt betonte auch Deborah Freeman von der ghanaischen Gewerkschaft UNIWA (Union of Informal Workers Association), die von positiven Erfahrungen in Ghana berichtete. Die Kameruner Dachgewerkschaft aus dem öffentlichen Sektor (la Centrale Syndicale du Secteur Publique - CSP) zeigte sich sehr offen für eine solche Allianz, zumal sich laut ihrem Präsidenten Jean-Marc Bikoko auch die Durchschlagskraft der Gewerkschaft durch höhere Mitgliederzahlen gestärkt würde und sich eine Win-Win-Situation ergäbe. CSP und einige Assoziationen der privaten Hausangestellten planen bereits konkrete Aktionen, dabei wollen sie sich zuerst vor allem auf die Verbreitung von Informationen konzentrieren.

Ein weiterer Schritt der neuen Verbündeten wird die aktive Lobbyarbeit für die Ratifikation der ILO-Konvention 189 für private Hausangestellte sein, um die Kameruner Regierung noch stärker in die Kontrollpflicht mit Blick auf die Arbeitsbedingungen privater Hausangestellter zu nehmen.

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