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Internationaler Frauentag 2017: Der Wert von Care-Arbeit

FES-Themenschwerpunkt zum Internationalen Frauentag

08.03.2017

Bosnien und Herzegowina: Zeit für Reformen

Pflegearbeit ist in Bosnien und Herzegowina nicht nur ein „privates Problem“. Stattdessen stellt es eine gesamtstaatliche und gesellschaftliche Herausforderung dar. Dringend nötig sind Investitionen in die Pflegewirtschaft und eine Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur.

Anlässlich des Internationalen Frauentages fand am 08. März 2017 in Sarajevo eine Konferenz zum Thema „Care-Economy“ statt. Vertreter_innen von Frauenorganisationen, politische Entscheidungsträger_innen der progressiven Parteien und Gewerkschaftsvertreterinnen diskutierten über Reformen für mehr Care-Gerechtigkeit.

Der inhaltliche Fokus der Konferenz lag auf den aktuellen Reformen im Sozial- und Gesundheitswesen in Bosnien und Herzegowina (BuH) unter besonderer Berücksichtigung der Genderperspektive sowie der unsichtbaren und unbezahlten Arbeit in der Pflegewirtschaft. Der Bereich der Pflegewirtschaft findet im Land bisher kaum Beachtung, weder bei den politischen Entscheidungsträgern noch im öffentlichen Diskurs. Die wenigen Diskussionen zum Thema behandeln Pflegearbeit vielfach primär als ein privates „Problem“ bzw. „Frauenproblem“. Zwar ist es auch in Bosnien und Herzegowina in der Tat so, dass Frauen viel stärker in der Pflegewirtschaft (privat und institutionell) vertreten sind als Männer, doch wurde im Rahmen der Konferenz deutlich, dass Pflegewirtschaft eine gesamtstaatliche und gesellschaftliche Herausforderung darstellt.

Noch fehlt es an Bewusstsein

Mit Blick auf die derzeitigen Reformprozesse wurde problematisiert, dass die „Reform Agenda für BiH“, welche von den einheimischen politischen Akteuren und der Internationalen Gemeinschaft 2015 verabschiedet wurde, zwar allgemein Reformen im Sozial- und Gesundheitswesen vorsieht, ohne dabei aber die Pflegearbeit als wichtiges Element zu benennen. Daher, so ein Argument aus der Diskussion, kommt neben diesem kurzfristigen Reformkanon, den langfristigen Entwicklungszielen in Form der Nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, kurz SDGs) besondere Bedeutung zu: Mit einem Zeithorizont bis 2030 und von allen Staaten weltweit verabschiedet, wird hier auch für BuH die Notwendigkeit festgehalten (SDG 5.4), die oftmals unbezahlte Pflegearbeit endlich angemessen zu würdigen und die Voraussetzungen und die entsprechende öffentliche Infrastruktur zu stärken.

Wachstum durch Investitionen in den Care-Sektor 

Aufgrund dessen gibt es in diesem Politikbereich trotz der schwierigen aktuellen Situation durchaus Chancen für signifikante Fortschritte. In Zusammenarbeit mit unserer Partnerorganisation der NGO CURE ist die Care-Economy-Konferenz ein erster Schritt einen Beitrag zu leisten, das wichtige Thema der Pflegewirtschaft auf der politischen Agenda zu verankern. Es bleibt zu hoffen, dass die politischen Führungskräfte der Notwendigkeit von Investitionen in die Pflegewirtschaft bald Rechnung tragen. Dadurch, so ein Argument aus der Diskussion, könnten sowohl wirtschaftliches Wachstum und die Wohlfahrt der Bevölkerung gesteigert werden.


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