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Archiv der sozialen Demokratie

 

01.02.2021

Klassische Sympathie – Vinyl im AdsD

Wo Vogel mitsummt... Bei Musikschallplatten von bzw. mit Politiker_innen denken viele an die Interpretation von „Hoch auf den gelben Wagen“ durch den damaligen Bundespräsidenten Walter Scheel. In dieser Tradition steht auch der Tonträger Hans-Jochen Vogels, wenngleich sich sein Agieren auf die Auswahl der Musikstücke beschränkt.

Auf einem Schallplatten-Cover erscheint Hans-Jochen Vogel mittig vor einem undefinierten, weißen Hintergrund. Ihm ist ein gezeichneter Kopfhörer mit entsprechender Verkabelung aufgesetzt und eine ebenfalls gezeichnete Fanfare beigegeben worden. Die Figur ist in Schwarz-Weiß gestaltet, sein Hemd und die gezeichneten Beigaben sind in Popart-Manier eingefärbt.
In lässiger Pose lächelt uns der Protagonist an. Der Kopfhörer und die beigegebene Fanfare verdeutlichen, dass er gerade die Musikstücke hört, deren Titel neben ihm erscheinen.

Es handelt sich um eine Auswahl musikalischer Interpretationen aus der Welt der Klassischen Musik, die von Hans-Jochen Vogel zusammengestellt wurde.

Bei Musikschallplatten von bzw. mit Politiker_innen denken die Älteren unter uns schnell an die Interpretation von „Hoch auf den gelben Wagen“ durch den damaligen Bundespräsidenten Walter Scheel oder an die musikalisch begleiteten Sprechgesänge des Bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß oder von Bundeskanzler Helmut Schmidt aus den 1970er Jahren. In dieser Tradition steht auch der Tonträger Hans-Jochen Vogels, auch wenn sich sein Agieren nur auf die Auswahl der Musikstücke zu reduzieren scheint.
Durch den Titel „Wo Hans-Jochen Vogel mitsummt“ mag uns das Werk heute etwas seltsam, bisweilen gar unfreiwillig komisch erscheinen, zumal die Schallplatte als Teil der Wahlwerbung für Hans-Jochen Vogel, Bundeskanzlerkandidat der SPD, anlässlich der Bundestagswahl 1983 erschienen ist.

Wenn wir das Cover öffnen, erkennen wir Hans-Jochen Vogel, der den Arm um seine Gattin Liselotte legt. Beide sind umgeben durch Abbildungen von Personen in Rednerpose, von startenden Kampfraketen, einem Kampfjet in Aktion sowie dem Titelblatt von „Der Spiegel“. Weiter sehen wir eine Zahnbürste, eine Wecker, einen Rasenmäher sowie ein Passagierflugzeug. Wir erkennen Bilder von Essen und Trinken, die Einnahme einer Brausetablette sowie einen Fisch und mehrere Schafe. Alles ist in besagter Manier eingefärbt und eine Überschrift erläutert uns, dass Hans-Jochen Vogel gemeinsam mit seiner Frau dies alles vergesse, wenn er die ausgewählte Musik höre. Der tiefere Sinn ergibt sich, wenn wir die Abbildungen näher betrachten:


Die Kampfraketen und der Kampfjet weisen auf die seinerzeit ständige Gefahr hin, der „Kalte Krieg“ zwischen USA und UdSSR könne sich in einen „Heißen Krieg“ wandeln. Die abgebildeten Personen, Franz-Josef Strauß (CSU), Heiner Geißler, Alfred Dregger, Walter Leisler Kiep und Helmut Kohl (alle CDU), stellen die herausragenden politischen Gegner Vogels dar.
Das Titelblatt von „Der Spiegel“ (Ausgabe 50/1982) deutet auf die anstehende, vorgezogene Bundestagswahl hin, welche nach der Ernennung Helmut Kohls zum Bundeskanzler infolge des Misstrauensvotums gegen Helmut Schmidt (SPD) am 01.10.1982 auf den 06.03.1983 terminiert wurde. Essen und Trinken sowie das Passagierflugzeug müssen im dienstlichen Zusammenhang betrachtet werden. Bei dem Einnehmen der Brausetablette begegnet uns der Mensch Hans-Jochen Vogel: Diese abgebildete Geste darf als Mittel gegen beruflichen Ärger und Stress angesehen werden. Die Zahnbürste und der Wecker sowie der Rasenmäher verweisen auf die lästigen Pflichten, welche uns alle betreffen: das frühe, arbeitsbedingte Aufstehen und die Pflichten im Haushalt. Hans-Jochen Vogel, von Zeitgenossen oftmals als Pedant und Oberlehrer bezeichnet, wird hiermit als nahbar dargestellt, als einer von uns, der wie wir seine Nöte und Plichten hat, der Ruhe (verdeutlicht durch die Schafe) und Unbeschwertheit (fliegenden Fisch) durch das Anhören von klassischer Musik sucht.

Wir sehen: so unfreiwillig komisch ist das gar nicht, sondern eher eine „klassische“ Sympathiewerbung mit bewusstem Augenzwinkern.


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