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Netzwerk Demokratie/Geschichte 2018/19

Kurzinfo

2018 jährt sich die November­revolution zum 100. Mal. Sie bedeutete nicht nur das Ende des Ersten Weltkriegs, sondern auch den Beginn der ersten Demokratie in Deutschland. Dieser Blog begleitet Jubilä­umsvorbereitungen mit dem Aufbau eines Netzwerks De­mokratie/Geschichte 2018/19.


28.09.2017

„Die Philosophie der Russischen Revolution. Ein Rückblick nach hundert Jahren“

Tagung Seminar für Slavistik/Lotman-Institut für Russische Kultur; Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte; Forschungsstelle für Russische Philosophie und Ideengeschichte (Ruhr-Universität Bochum); Forschungsnetzwerk "Russische Philosophie", 28.09.2017 - 30.09.2017 Ruhr-Universität Bochum

 

 

 

Die Russische Revolution von 1917 markiert den Beginn des ‚kurzen‘ zwanzigsten Jahrhunderts und ist als dessen zentrales Ereignis vielfach gefeiert und verdammt worden. Sie wurde nicht nur als ein Ereignis der Weltgeschichte, sondern auch als Idee begriffen, die den intellektuellen Kosmos der Moderne neu strukturiert. Eine ‚Philosophie der Revolution‘ ist entstanden, die den ‚Sinn‘ dieses Ereignisses zu bestimmen suchte, sei es als „Sprung ins Reich der Freiheit“ oder als „Weg in die Knechtschaft“.

Das hundertste Jubiläum gibt Anlass, das Verhältnis von Russischer Revolution und Philosophie einer komplexen Analyse zu unterziehen. Die Tagung an der Ruhr-Universität Bochum, gemeinsam organisiert vom Seminar für Slavistik/Lotman-Institut für russische Kultur, der Forschungsstelle „Russische Philosophie und Ideengeschichte“ sowie dem Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte, will dazu Gelegenheit bieten. Als Schwerpunkte werden vorgeschlagen:

1. ‚Revolutionäre Philosophie‘ (Vordenker, Konzepte): Für weite Kreise der oppositionellen russischen Intelligencija bildete die Idee der Revolution den Fluchtpunkt utopischer Hoffnungen („Reich der Freiheit“) und apokalyptischer Erwartungen („Reich Gottes auf Erden“). Im Rahmen dieses Schwerpunktes sollen die philosophischen Voraussetzungen der Revolution behandelt werden: Grundbegriffe wie ‚Freiheit‘, ‚Gerechtigkeit‘ und ‚Anarchie‘, die Kontroversen um Evolution vs. Revolution und Gewalt vs. Gewaltlosigkeit sowie insbesondere die utopischen, messianischen und apokalyptischen Konzeptionen des vorrevolutionären Denkens.

2. ‚Revolution in der Philosophie‘ (Orte, Institutionen, Richtungen): Die revolutionäre Umwälzung zerstörte die alten akademischen Strukturen und schuf neue Orte des Philosophierens. Zudem stieß sie eine intensive, wenn auch nur kurzzeitige intellektuelle Bewegung an, die sich in zahlreichen philosophischen Zirkeln, Diskussionskreisen und neuen philosophischen Richtungen manifestierte. Im Rahmen dieses Schwerpunktes soll die Entwicklung der Philosophie im Epizentrum der Revolution behandelt werden.

3. ‚Philosophie der Revolution‘ (Reaktionen, Deutungen): Die nachrevolutionäre Zeit hat ein breites Spektrum von Deutungen der Russischen Revolution hervorgebracht, die Ursachen, Folgen und ‚Sinn‘ dieses Ereignisses zu bestimmen suchten. Dies gilt insbesondere für die philosophischen Bemühungen der russischen Emigranten. Im Rahmen dieses Schwerpunktes sollen die verschiedenen Konzeptualisierungen der Revolution und ihre Rezeption in der westeuropäischen Philosophie behandelt werden.

4. ‚Das philosophische Erbe der Revolution‘ (Nachwirken, Aktualität): Schließlich wird es um die Frage gehen, wie das intellektuelle Erbe der Revolution heute zu verstehen ist und was davon für die philosophische Reflexion der Gegenwart noch Bestand haben könnte. Spätestens seit den demokratischen Revolutionen von 1989, die den Zusammenbruch der kommunistischen Regime in Europa herbeigeführt haben und die als das „Ende der Geschichte“ apostrophiert wurden, hat die Revolution von 1917 ihren Charakter als eine intellektuelle Herausforderung verloren. Insbesondere das postkommunistische Russland versucht dezidiert, an die Zeit vor diesem Nullpunkt wieder anzuknüpfen. Ob die Ideen der Revolution überholt sind oder heute noch fortwirken, soll im Rahmen dieses Schwerpunktes untersucht werden.

 

Kontakt Michael Hagemeister, Nikolaj Plotnikov, Ruhr-Universität Bochum

gerechtigkeit@rub.de

 

The Russian Revolution of 1917 marks the start of the ‘short’ twentieth century. As the defining moment of this time, it has been widely celebrated and condemned. It was understood not only as a world historical event, but as an idea which would restructure the intellectual cosmos of modernity. It gave rise to a ‘philosophy of revolution’ which attempted to deduct the ‘meaning’ of this momentous event, be it as “Leap into the realm of freedom” or as “The road to serfdom”.

The hundredth anniversary gives occasion for a complex analysis of the relationship between philosophy and the Russian Revolution. This is the purpose of the conference at Ruhr-University Bochum, co-hosted by the Slavic Department/Lotman Institute for Russian Culture, the Research Center “Russian Philosophy and Intellectual History” and the Department of East European History. Suggested topics are:

1. ‘Revolutionary Philosophy’ (thinkers, concepts): For many members of the Russian Intelligentsia, the revolution was a focal point of utopian hopes (“Realm of freedom”) and apocalyptic expectations (“God’s kingdom on Earth”). This topic is concerned with the philosophical prerequisites for the revolution: Central terms such as ‘freedom’, ‘justice’ and ‘anarchy’, the controversies around evolution vs. revolution and violence vs. nonviolence as well as in particular the utopian, messianic and apocalyptic conceptions of pre-revolutionary thought.

2. ‘Revolution in Philosophy’ (places, institutions, movements): The revolutionary upheaval destroyed the old academic structures and created new places for philosophizing. Moreover, it sparked intense, albeit short-lived, intellectual dynamic which manifested in a variety of circles, discussion groups and new philosophical movements. Contributions to this topic chart the development of philosophy in the epicenter of the Revolution.

3. ‘Philosophy of the Revolution’ (reactions, interpretations): The time following the Revolution has generated a breadth of interpretations attempting to pinpoint the causes, consequences and ‘meaning’ of the event. This is especially the case with regard to the philosophical efforts of Russian emigrants. Contributions to this topic focus on the different conceptualizations of the Revolution and their reception in Western European philosophy.

4. ‘The Philosophical Legacy of the Revolution’ (aftereffects, current relevance): Finally, there is the question how the intellectual legacy of the Revolution is to be understood today and what parts of it still hold relevance for philosophical reflection in the present. With the democratic revolutions in 1989 which heralded the collapse of communist regimes across Europe, soon seen as markers of the “End of history”, the revolution of 1917 lost the last of its appeal as an intellectual challenge. Especially post-communist Russia is dedicated to erase the time since this historic incision. This topic tackles the question of whether the ideas of the Revolution have become obsolete or continue to exert influence.

 

 

Contact Michael Hagemeister, Nikolaj Plotnikov, Ruhr-Universität Bochum

gerechtigkeit@rub.de


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Referat Public History, Netzwerk Demokratie/Geschichte 2018/19

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