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Der Preis „Der politische Film“ der Friedrich-Ebert-Stiftung geht 2026 an Laïla Marrakchi für Strawberries (Marokko/Frankreich/Spanien/Belgien 2026). Vergeben wurde er im Rahmen der feierlichen Preisverleihung des 34. Filmfest Hamburg am Samstag, den 3. Oktober.
Laïla Marrakchi sagt über ihre Auszeichnung: "[Der Preis] bedeutet mir sehr viel. Er ist wichtig für den Film, aber auch dafür, die Geschichte dieser Frauen sichtbar zu machen. […] Es war eine lange Reise, diesen Film zu machen."
Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird für die beste Regieleistung verliehen. Die Jury bewertet sowohl den politischen Gehalt des Films als auch die künstlerisch-filmische Umsetzung.
Stine Klapper, Leiterin des Regionalbüros Nord der Friedrich-Ebert-Stiftung sagte zum diesjährigen Preis: "Die FES freut sich, diesen überzeugenden Film auszuzeichnen. Strawberries erfüllt das, was einen wirklich guten politischen Film ausmacht: Er zeigt Missstände, ohne sie zu vereinfachen, und lässt uns mit dem Wunsch nach Debatte und Veränderung das Kino verlassen. Er verdeutlicht uns, dass unser europäischer Wohlstand und unsere Konsumgewohnheiten auch auf dem Rücken von Arbeitskräften aus Ländern basieren, zu denen wir gleichzeitig die Grenzen hochziehen. Gerade in unseren polarisierten Zeiten sind wir dankbar für diesen wertvollen Beitrag.“
Der Spielfilm Strawberries führt uns in den Alltag marokkanischer Saisonarbeiterinnen bei der spanischen Erdbeerernte. Ihre Hoffnung, sich und ihren Familien durch den Lohn eine bessere Zukunft zu ermöglichen, trifft schnell auf entwürdigende Arbeitsbedingungen bis hin zu Missbrauch. In Solidarität untereinander widersetzen sie sich der Ausbeutung und suchen nach Gerechtigkeit.
Die Regisseurin Laïla Marrakchi zeigt ihre Protagonist*innen in all ihrer individuellen Ambivalenz und verdeutlicht gleichzeitig die Strukturen der Ausbeutung, in denen Menschen wie die Hauptfigur Hasna und zahllose ihrer realen Kolleg*innen auf Plantagen europaweit arbeiten.
Der Film ist ein Aufruf zur politischen Veränderung und macht auf Missstände aufmerksam, für die wir in Europa alle Mitverantwortung tragen – doch die wir allzu häufig ausblenden.
Laïla Marrakchi ist Regisseurin und Drehbuchautorin. Von ihr sind u.a. die Arbeiten Marock (2005), Rock the Casbah (2013) und Deux cents dirhams (2002). Für Strawberries hat sie sechs Jahre lang recherchiert.
Rechtsanwältin und Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft
Kurator, Sänger, Schauspieler und Autor
Autorin und Dramaturgin
Wir danken der unabhängigen Jury bestehend aus der Anwältin und Abgeordneten der Hamburgischen Bürgerschaft Mehria Ashuftah, dem Kurator, Sänger, Schauspieler und Autor Dan Thy Nguyen und der Autorin und Dramaturgin Merle Kröger für ihre Arbeit.
Einen Preis für den besten politischen Film zu vergeben, ist eine besondere Ehre. Denn gerade in dieser Sektion zeigt sich, wie eng politische Aussage und künstlerische Form miteinander verwoben sein können und wie ein Film gerade durch seine künstlerische Kraft Menschen auch politisch berühren kann.
Für die Jury waren von Beginn an die Sorgfalt der Recherche, die Präzision der Regie, das herausragende Handwerk und die schauspielerische Kraft des Ensembles spürbar. Hinzu kommt ein Skript, das ambivalente und starke Figuren zeichnet, ohne das Publikum aus der politischen Verantwortung für die Bedingungen ihres Lebens zu entlassen. Die Jury hat einen Film gesehen, der die Arbeitsbedingungen von Saisonarbeiterinnen in Europa sichtbar macht: ökonomische Abhängigkeiten, Ausbeutung und Gewalt, ohne seine Figuren auf eine Opferrolle zu reduzieren oder ihre Widersprüche auszublenden. Darin liegt seine politische und humanistische Kraft.
Der Film zeigt Solidarität nicht als selbstverständliche oder widerspruchsfreie Haltung. Er macht sichtbar, wie sie sich im Handeln seiner Protagonistinnen immer wieder neu herstellen muss: unter Bedingungen von Hierarchien, Sprachbarrieren, Angst sowie patriarchaler und sexueller Gewalt. Solidarität erscheint nicht als moralische Geste, sondern als Praxis, die immer wieder neu ausgehandelt werden muss.
Denn am Ende erzählt der Film nicht nur von Frauen, die unter prekären Bedingungen Erdbeeren ernten. Im Raum steht die Frage, wie eng diese Form der Ausbeutung mit unserem Alltag verbunden ist. Eine Schale Erdbeeren sieht nach diesem Film deshalb nicht mehr ganz so selbstverständlich aus.
In diesem Film sah die Jury eine besondere Qualität des politischen Kinos: dieser Film stellt Zusammenhänge her, ohne sie zu vereinfachen. Er führt uns Verantwortung vor Augen, ohne sie didaktisch zu behaupten. Und er schafft einen Raum, in dem politische Realität und menschliche Erfahrung nicht gegeneinander ausgespielt werden. Für diese Verbindung von politischer Relevanz, künstlerischer Präzision und herausragender schauspielerischer Arbeit vergibt die Jury den Preis „Der politische Film“ der Friedrich-Ebert-Stiftung beim Filmfest Hamburg an Laïla Marrakchi für Strawberries.
Pressefotos der Regisseurin stehen hier zum Download bereit:
Foto 1 - Portrait 1 von Laïla Marrakchi
Foto 2 - Portrait 2 von Laïla Marrakchi
Foto 3 - Gruppenfoto 1 von Laïla Marrakchi, Malika Rabahallah und Stine Klapper
Foto 4 - Gruppenfoto 2 von Laïla Marrakchi, Malika Rabahallah und Stine Klapper
Stine Klapper