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Grüne Jobs, gleiche Chancen

Petra Keller
Illustration Projekt feminsitische Energiewende
Urheber: Till Lukat

Die Energiewende und sozialer Klimaschutz verschärfen den Bedarf an qualifizierten Fachkräften in nahezu allen Bereichen der Energiewirtschaft. Gleichzeitig bleibt ein großes Potenzial weitgehend ungenutzt: Frauen sind in der Energiewirtschaft deutlich unterrepräsentiert. In Deutschland stellen sie 24 Prozent der Beschäftigten und 25 Prozent der Führungskräfte. Damit liegt Deutschland beim Frauenanteil in der Belegschaft im internationalen Durchschnitt, beim Anteil im Management jedoch darunter. Das international formulierte Ziel, bis 2050 Geschlechterparität im Energiesektor zu erreichen, ist unter diesen Bedingungen nicht gesichert. Aktuelle Trends deuten eher auf Stagnation oder Rückgang hin.

Der Vierte Gleichstellungsbericht der Bundesregierung betont die unzureichende Datenlage zu Gleichstellungsaspekten im Energiesektor. Die FES‑Analyse „Grüne Jobs, gleiche Chancen“ setzt hier an und untersucht, wie Frauen in verschiedenen Teilbranchen der Energiewirtschaft vertreten sind und unter welchen strukturellen Bedingungen Maßnahmen zur Förderung von Frauen wirken. Ausgangspunkt der Untersuchung sind Daten von rund 2.500 Energieunternehmen weltweit aus dem CINEA-HR-Datensatz. 

Grüne Jobs, gleiche Chancen

Striebing, Clemens ; Arlitt, Luise | Bonn : Friedrich-Ebert-Stiftung e.V., September 2026

Wege zu einer geschlechtergerechten Energiewirtschaft

Frauen sind in der deutschen Energiewirtschaft mit 24 Prozent der Beschäftigten klar unterrepräsentiert. International liegt der Durchschnitt ebenfalls bei 24 Prozent. Dabei zeigen sich jedoch große Unterschiede zwischen den Teilbranchen. 

Die höchsten Frauenanteile finden sich in der Windenergie und Bioenergie, mittlere Werte in konventionellen Energien, Abfallenergie, Solarenergie und dem Bereich der Wärmepumpen. Sehr niedrige Anteile weisen Meeresenergie, Wasserkraft und Geothermie auf. Diese Ergebnisse sind aufgrund geringer Fallzahlen jedoch vorsichtig zu interpretieren.

Im Vergleich der beiden großen Bereiche liegen erneuerbare Energien (21 Prozent) und konventionelle Energien (20 Prozent) nahezu gleichauf.

Auch auf Führungsebene ist eine Parität nicht entfernt. International liegt der Frauenanteil im Management bei 28 Prozent, in Deutschland bei 25 Prozent. Dabei zeigen sich zwischen den beiden großen Bereichen der Energiewirtschaft auch auf der Führungsebene nur geringe Unterschiede: In Deutschland beträgt der Frauenanteil im Management konventioneller Energieunternehmen rund 20 Prozent, in Unternehmen der erneuerbaren Energien rund 17 Prozent. 

In einigen Teilbranchen entspricht der Frauenanteil im Management dem Anteil in der Belegschaft oder liegt sogar darüber – etwa in der Abfallenergie. Insgesamt wird sichtbar: Die größte Hürde liegt häufig bereits im Zugang von Frauen zur Branche selbst.

Ein deutlich anderes Muster zeigt sich deskriptiv in der deutschen Windenergie. Während Frauen dort rund 31 Prozent der Beschäftigten stellen, beträgt ihr Anteil im Management lediglich zwölf Prozent. Diese Differenz deutet auf zusätzliche Hürden beim Übergang in Führungspositionen hin, ist aufgrund der geringen Zahl deutscher Unternehmen in dieser Teilstichprobe jedoch vorsichtig zu interpretieren.

Diese Studie zeigt, dass diese Unterrepräsentanz aus dem Zusammenwirken verschiedener Faktoren entsteht: früh verankerte Bildungs- und Berufsentscheidungen, männlich dominierte Rekrutierungs- und Beförderungspraktiken sowie Arbeitsorganisationen mit hohen Verfügbarkeits- und Präsenznormen. Kontextfaktoren wie regionale Lage, Sektorzugehörigkeit oder ein hoher staatlicher Eigentumsanteil erklären einen größeren Teil der Varianz im Frauenanteil als viele gleichstellungspolitische Maßnahmen. 

Nur wenige Instrumente zeigen einen nachweislich positiven Zusammenhang mit höheren Frauenanteilen: Jobsharing in Führungspositionen, freiwillige Zielquoten und umfassende Gleichstellungsstrategien. Damit der Frauenanteil steigt, müssen Politik und Unternehmen Maßnahmen strategisch kombinieren – solche, die strukturelle Ausschlüsse abbauen, und solche, die den Zugang von Frauen zu technischen und energiewirtschaftlichen Berufsfeldern erweitern. In Branchen mit zusätzlichen Aufstiegsbarrieren sollten Karriere- und Führungswege durchlässiger gestaltet werden. Das stärkt die Gleichstellung und verbessert zugleich die Vereinbarkeit von Beruf und Sorgearbeit für alle Beschäftigten mit Sorgeverantwortung. 

Nur so kann die Energiewende sozial gerecht gestaltet und die notwendige Fachkräftebasis gesichert werden.

Clemens Striebing ist Principal Scientist mit dem Schwerpunkt Organisationsforschung am Fraunhofer IAO. Er studierte Politikwissenschaft und Öffentliches Recht an der Freien Universität Berlin und promovierte in Organisationssoziologie an der Universität Heidelberg. Am Fraunhofer CeRRI beschäftigt sich Clemens Striebing mit Problemen der Gleichstellung im Innovationssystem, Organisationskulturen und dem Transfer und der Verwertung von Forschung.

Luise Arlitt ist wissenschaftliche Hilfskraft am Fraunhofer IAO. Sie studierte Politik- und Verwaltungswissenschaft an der Universität Konstanz und studiert derzeit Soziologie an der Universität Mannheim.


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