Preis “Der politische Film“der Friedrich-Ebert-Stiftung geht an Laïla Marrakchi
für "Strawberries"

 
 
 
 
 
Einzelfoto Laïla Marrakchi, Preisträgerin
von Martin Kunze
 

 

Der Regiepreis „Der politische Film“ der Friedrich-Ebert-Stiftung geht 2026 an Laïla Marrakchi für den Spielfilm Strawberries (Marokko/Frankreich/Spanien/ Belgien 2026). Verkündet wurde die Gewinnerin im Rahmen der feierlichen Preisverleihung des 34. Filmfests Hamburg am Samstag, den 3. Oktober. Die Regisseurin, die über sechs Jahre an dem Film gearbeitet hatte, bedankte sich per Videobotschaft: "[Der Preis] bedeutet mir sehr viel. Er ist wichtig für den Film, aber auch dafür, die Geschichte dieser Frauen sichtbar zu machen. […] Es war eine lange Reise, diesen Film zu machen." 

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird seit 2013 für die beste Regieleistung verliehen. Die unabhängige Jury bewertet sowohl den politischen Gehalt und Anspruch des Films als auch die künstlerisch-filmische Umsetzung. 

Stine Klapper, Leiterin des Regionalbüros Nord der Friedrich-Ebert-Stiftung sagte zum diesjährigen Preis: "Die FES freut sich, diesen überzeugenden Film auszuzeichnen. Strawberries erfüllt das, was einen wirklich guten politischen Film ausmacht: Er zeigt Missstände, ohne sie zu vereinfachen, und lässt uns mit dem Wunsch nach Debatte und Veränderung das Kino verlassen. Er verdeutlicht uns, dass unser europäischer Wohlstand und unsere Konsumgewohnheiten auch auf dem Rücken von Arbeitskräften aus Ländern basieren, zu denen wir gleichzeitig die Grenzen hochziehen. Gerade in unseren polarisierten Zeiten sind wir dankbar für diesen wertvollen Beitrag.“ 

Stine Klapper, Leiterin des Regionalbüros Nord der Friedrich-Ebert-Stiftung, mit Moderatorin Julia Westlake bei der Verkündung der Preisträgerin
von Martin Kunze
 

 

Der Film

 Eine Gruppe von Frauen sitzt dicht beieinander in einem Kleinbus und unterhält sich fröhlich.
von Lumen – Atelier - Mont Fleuri Production - Fasten Films - Mirage - Praesens-Film Production AG - France 3 Cinéma - Impact Film

 

Strawberries (Original: „La Más Dulce“) 

Originalsprachen: Arabisch, Spanisch 

Regie: Laïla Marrakchi / Marokko/Frankreich/Spanien/Belgien 2026  

Dokumentarfilm // Länge: 101 Min.  

Der Spielfilm Strawberries führt uns in den Alltag marokkanischer Saisonarbeiterinnen bei der spanischen Erdbeerernte. Ihre Hoffnung, sich und ihren Familien durch den Lohn eine bessere Zukunft zu ermöglichen, trifft schnell auf entwürdigende Arbeitsbedingungen bis hin zu Missbrauch. In Solidarität untereinander widersetzen sie sich der Ausbeutung und suchen nach Gerechtigkeit. 

Die Regisseurin Laïla Marrakchi zeigt ihre Protagonist*innen in all ihrer individuellen Ambivalenz und verdeutlicht gleichzeitig die Strukturen der Ausbeutung, in denen Menschen wie die Hauptfigur Hasna und zahllose ihrer realen Kolleg*innen auf Plantagen europaweit arbeiten.  

Der Film ist ein Aufruf zur politischen Veränderung und macht auf Missstände aufmerksam, für die wir in Europa alle Mitverantwortung tragen – doch die wir allzu häufig ausblenden.  

 

 

Die Jury

Wir danken der unabhängigen Jury bestehend aus Mehria Ashuftah (Rechtsanwältin und Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft), Dan Thy Nguyen (Kurator, Sänger, Schauspieler und Autor) und Merle Kröger (Autorin und Dramaturgin) für ihr Engagement.   

Die Jury begründete die Wahl in ihrer Laudatio: „ […] Denn am Ende erzählt der Film nicht nur von Frauen, die unter prekären Bedingungen Erdbeeren ernten. Im Raum steht die Frage, wie eng diese Form der Ausbeutung mit unserem Alltag verbunden ist. Eine Schale Erdbeeren sieht nach diesem Film deshalb nicht mehr ganz so selbstverständlich aus. 

In diesem Film sah die Jury eine besondere Qualität des politischen Kinos: dieser Film stellt Zusammenhänge her, ohne sie zu vereinfachen. Er führt uns Verantwortung vor Augen, ohne sie didaktisch zu behaupten. Und er schafft einen Raum, in dem politische Realität und menschliche Erfahrung nicht gegeneinander ausgespielt werden.“  

Zur Laudatio in voller Länge geht es hier

 

 

Die Nominierten

Ausrufezeichen - Symbol für die Sektion VETO! der politische Film beim Filmfest Hamburg
von ZOFF Berlin

 

Nominiert waren in diesem Jahr alle acht Filme, die in der Sektion „Veto!“ des Filmfests Hamburg gezeigt wurden. Alle sind „Filme mit Ausrufezeichen“ und konnten in anschließenden Filmgesprächen der FES mit den Filmemacher*innen, Expert*innen und dem Publikum diskutiert werden.  

 

 

Der Podcast zum Filmfest

Eingerolltes Papier in Glasflasche neben Icon eines Kopfhörers
von Iconscreen / FES

 

Hörtipp: In Folge 98 von Friedrichs Flaschenpost sprechen wir mit dem Hamburger Senator für Kultur und Medien Carsten Brosda darüber, was das Filmfest für Hamburg und was Kunst und Kultur für unsere demokratische Gesellschaft bedeuten. Hier reinhören: „Was kann politisches Kino, Carsten Brosda?“ 

 

 

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