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15.07.1963: Wandel durch Annäherung

Egon Bahr,1933Am 15. Juli 1963 hielt Egon Bahr vor der Evangelischen Akademie in Tutzing einen Vortrag, der überschrieben war mit "Wandel durch Annäherung". Auch Willy Brandt vertrat bei dieser Veranstaltung die Grundlage der neuen Ost- und Deutschlandpolitik. Als Zielsetzung deutscher Außenpolitik forderte Bahr die Aufgabe der von der westlichen Welt postulierten "Politik der Stärke". Er vertrat die Ansicht, dass die Fortführung dieser Politik keinerlei Realitäts- und Aktualitätsbezug besitze. Veränderungen auf der "anderen" Seite könnten nur langfristig, durch eine große Anzahl kleiner Schritte erreicht werden. Und diese seien notwendig, um die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten zu erreichen. Der Kontakt zu den osteuropäischen Staaten müsse daher in einem Klima der Entspannung aufgenommen werden. In dieser Rede formulierte Egon Bahr:
"Heute ist klar, daß die Wiedervereinigung nicht ein einmaliger Akt ist, der durch einen historischen Beschluß an einem historischen Tag auf einer historischen Konferenz ins Werk gesetzt wird, sondern ein Prozeß mit vielen Schritten und vielen Stationen. Wenn es richtig ist, was Kennedy sagte, daß man auch die Interessen der anderen Seite anerkennen und berücksichtigen müsse, so ist es sicher für die Sowjetunion unmöglich, sich die Zone zum Zwecke einer Verstärkung des westlichen Potentials entreißen zu lassen. Die Zone muß mit Zustimmung der Sowjets transformiert werden. Wenn wir soweit wären, hätten wir einen großen Schritt zur Wiedervereinigung getan."
Egon Bahr hatte in der Folgezeit reichlich Gelegenheit die von ihm gewünschte Politik der Annährung selbst zu beeinflussen: 1967 wurde Bahr Botschafter im Auswärtigen Amt und im Oktober 1969 Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Seit Ende Januar 1970 verhandelte Egon Bahr in Moskau über einen Gewaltverzichtsvertrag mit der UdSSR. Verhandlungen mit der DDR über die Verbesserung der Beziehungen zwischen beiden deutschen Staaten schlossen sich an. Allerdings wurde erst 1989 deutlich, wie visionär seine Thesen von 1963 waren - der Fall der Mauer war die Krönung des langen Prozesses des Wandels durch Annährung zwischen Ost und West.

Siehe auch:
Tutzinger Rede (als pdf-Datei) hier