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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / Mai / Helmut Schmidt zum Bundeskanzler gewählt

16.05.1974: Helmut Schmidt zum Bundeskanzler gewählt

Helmut Schmidt, 1994Am 16. Mai 1974 wurde der damalige Bundesfinanzminister und stellvertretende Parteivorsitzende der SPD Helmut Schmidt vom Bundestag in Bonn mit 267 gegen 225 Stimmen (ohne Berliner Abgeordnete) erstmals zum Bundeskanzler gewählt. Vorangegangen waren am 6. Mai der Rücktritt seines Vorgängers Willy Brandt im Zuge der Affäre um einen DDR-Spion im Kanzleramt und am Vortag, dem 15. Mai, die Wahl von Walter Scheel von der FDP zum Bundespräsidenten mit den Stimmen von SPD und FDP. Auch hinter Schmidt stand, wie schon hinter Brandt, eine "sozialliberale" Koalition aus diesen beiden Parteien

Helmut Schmidt, 1918 geboren, war nach Kriegsdienst und Gefangenschaft 1946 in die SPD eingetreten und hatte über die Stationen Bundestagsabgeordneter, Innensenator von Hamburg, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, Bundesverteidigungsminister und Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen in der Bundespolitik eine Position erreicht, die ihn als den unbestrittenen Kandidaten für die Nachfolge Brandts erscheinen ließ. Schmidt hatte den fünf Jahre älteren Brandt als Kanzlerkandidat 1961 sowie bei der Wahl zum Parteivorsitzenden der SPD 1963 unterstützt. Im Wahlkampf 1965 gehörte er zu Brandts "Regierungsmannschaft". Als Verteidigungsminister ab 1969 half Schmidt die "neue Ostpolitik" von Brandt als Bundeskanzler und Scheel als Außenminister gegenüber dem anfänglich bei den westlichen Bündnispartnern vorhandenen Misstrauen abzusichern. Als Wirtschafts- und Finanzminister mit umfangreichen Kompetenzen ausgestattet, hatte Schmidt die westdeutsche Wirtschaft ab 1973 durch die durch die sprunghaft gesteigerten Rohölpreise verursachte Weltwirtschaftskrise zu steuern.

Seine Regierungserklärung am 17. Mai 1974 stellte Schmidt unter das Motto "Kontinuität und Konzentration". Er machte deutlich, dass er von der fortgeltenden Richtigkeit und Notwendigkeit sozialliberaler Politik überzeugt war und die Leitlinien der letzten Regierungserklärung Brandts vom 18. Januar 1973 weiterverfolgen wollte. Unter den geänderten weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen müsse man sich jetzt aber "in Realismus und Nüchternheit" auf das Wesentliche, auf das, was aktuell notwendig sei, konzentrieren und Anderes beiseite lassen. In diesem Sinne führte Helmut Schmidt die Politik der Bundesrepublik über zwei gewonnene Bundestagswahlen (1976 und 1980) hinweg bis zu seinem Sturz nach dem Auseinanderbrechen der Koalition Ende September 1982. In dieser Zeit war er maßgeblich daran beteiligt, die Weltwirtschaft zu stabilisieren, den deutschen Terrorismus zu besiegen und ein Gegengewicht gegen die nuklearen Mittelstreckenwaffen der Sowjetunion zu organisieren, die einen strategischen Keil zwischen Westeuropa und die USA zu treiben drohten. Bis heute gilt er, der immer noch publizistisch aktiv ist, für viele als der Idealtypus eines deutschen Bundeskanzlers.

Weitere Informationen zu Helmut Schmidt finden Sie direkt hier, unter Bestände / Nachlässe und Deposita.