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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / Juni / Ludwig Rosenberg geboren

29.06.1903: Ludwig Rosenberg geboren

Ludwig Rosenberg, 1954Ludwig Rosenberg, der Weltmann des DGB.

Am 29. Juni jährt sich zum 100. Mal der Geburtstag des fünften Vorsitzendes des DGB, Ludwig Rosenberg. Er war ein durchaus untypischer Gewerkschaftsführer: kein Mann der Masse, kein Funktionär des Apparats - in mancher Hinsicht ein Außenseiter, der die Lyrik liebte und sich in seinen Mußestunden mit Philosophie und alter Geschichte befasste.
1903 in Berlin geboren wuchs er in einer Kaufmannsfamilie auf. Er besuchte das Realgymnasium, arbeitete im väterlichen Geschäft und schloss sich mit 20 Jahren der SPD und dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold an. Zwei Jahre später wurde er mit Mitglied des liberalen Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaftsbundes der Angestellte (GdA) und 1928 hauptberuflicher Funktionär des Verbandes. Durch die Nationalsozialisten wurde er 1933 aus seinem Amt vertrieben und zur Emigration gezwungen.
In England arbeitete er als Lektor und Lehrer in der Arbeiterbildungsgesellschaft, sowie als freier Journalist. Zu Beginn des zweiten Weltkriegs wurde er wie manche Hitler-Gegner vom Gastland zeitweilig interniert, bis ihn das britische Arbeitsministerium zum Betreuer der deutschen und österreichischen Flüchtlinge in Großbritannien einsetzte. Er war auch einer der Mitbegründer der Landesgruppe Deutscher Gewerkschafter und veröffentlichte mit anderen deutschen Gewerkschaftern 1945 in England einen Programmentwurf für den Neuaufbau der Gewerkschaften im Nachkriegsdeutschland.
1946 kehrte er, auf Wunsch von Hans Böckler, nach Deutschland zurück. Er arbeitete im Gewerkschaftssekretariat der britischen Zone in Bielefeld und später im Gewerkschaftsrat der vereinten Zonen in Frankfurt/M. Er kämpfte gegen die Demontage Deutschlands und setzte sich als "Außenminister Hans Böcklers" für die Wiederaufnahme internationaler Beziehungen ein.
1949 wählten ihn die Delegierten des Gründungskongresses in den Geschäftsführenden Bundesvorstand. Dort übernahm er zunächst die Auslandsabteilung und ab 1954 die Hauptabteilung Wirtschaftspolitik. Während seiner Zeit als Vorstandsmitglied und später 1962 als DGB-Vorsitzender musste er häufig genug erfahren, dass der DGB zu der Zeit nicht nur 7 Millionen Mitglieder zählte, sondern nur 16, nämlich die Einzelgewerkschaften mit ihrem nur schwer unter einem Hut zu bringenden Interessen. "Es kommt gar nicht darauf an, dass ich eine glorreiche Figur mache, sondern dass das, was bei der Abstimmung herauskommt, den DGB zusammenhält". Diese Aussage in einem Interview 1968 charakterisiert sein ausgleichendes Wesen. Kennzeichnend auch für sein Feingefühl, war, dass er 1969 das Angebot seines Nachfolgers Heinz Oskar Vetter, im DGB-Haus ein Büro zu behalten, ablehnte. "Du wirst mich hier nicht als Nachtgespenst rumgeistern sehen", soll er nach seinem Abschied gesagt haben und zog stattdessen in ein Büro im Haus der Bank für Gemeinwirtschaft. Von dort aus war er bis zu seinem Tode publizistisch tätig, vermied es aber, trotz seines gesellschaftspolitischen Engagements, sich in die gewerkschaftliche Tätigkeit einzumischen.
Trotz seines ausgleichenden Wesens war er kein Freund von verwischten Fronten und ließ sich auch nicht vereinnahmen. Als der damalige CDU-Generalsekretär Kurt Biedenkopf im Ruhrgebiet 1976 mit seinem Verfilzungswahlkampf auf Stimmenfang gegangen war und mit seiner Taktik eine antigewerkschaftliche Stoßrichtung einnahm, lehnte es Rosenberg ab, eine Kommission zur Untersuchung der Verfilzung von SPD und Gewerkschaften zu bilden. Kühl gab er Biedenkopf zu verstehen, dass er volles Vertrauen in seine aktiven Kollegen habe, die alle wirklichen Verstöße gegen das Prinzip der Einheitsgewerkschaft schon zu ahnden wüssten.
In seiner Trauerrede stellte der damalige Bundesarbeitsminister Herbert Ehrenberg das ausgleichende Wesen, die Fairness und die Toleranz von Rosenberg heraus und nannte ihn einen Mann der ersten Stunde, der "unser Gemeinwesen aus Trümmern mit aufgebaut" habe (siehe auch Historisches Stichwort im Oktober).

Weitere Informationen zu Ludwig Rosenberg finden Sie direkt hier, unter Bestände / Nachlässe und Deposita.