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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / Juni / Ernst Reuter Oberbürgermeister von Berlin

24.06.1947: Ernst Reuter Oberbürgermeister von Berlin

Ernst Reuter nach der Wahl beim Verlassen des SitzungsraumesDie Gesamtberliner Stadtverordnetenversammlung wählte am 24. Juni 1947 einen neuen Oberbürgermeister - und löste damit einen neuen Konflikt in dem sich verschärfenden Gegensatz zwischen West und Ost in der Hauptstadt des besetzten Deutschland aus. Der bisherige Amtsinhaber Otto Ostrowski hatte sich zuvor im Dickicht der Berliner Innenpolitik und der gegensätzlichen Interessen der Besatzungsmächte verfangen und war vor allem auf Druck seiner eigenen Partei, der SPD, am 14. April 1947 von seinem Amt zurückgetreten. Die Wahl am 24. Juni fiel mit 89 gegen 17 Stimmen der SED bei zwei Enthaltungen auf den von der SPD vorgeschlagenen bisherigen Stadtrat für Verkehr und Betriebe, Ernst Reuter. In der von allen vier Besatzungsmächten getragene Alliierten Kommandantur legte aber die Sowjetunion ihr Veto gegen Reuter ein, so dass die Kommandantur ihm die nötige Bestätigung nicht erteilen und er sein Amt nicht ausüben konnte. An seiner Stelle nahmen die erste Stellvertretende Bürgermeisterin Louise Schroeder (SPD) und zeitweise auch der Stellvertretende Bürgermeister Ferdinand Friedensburg (CDU) das Amt des Oberbürgermeisters wahr.

Die Ablehnung Reuters durch die SED und die sowjetische Besatzungsmacht hatte ihre Vorgeschichte in seiner politischen Biographie. Als Kriegsgefangener des Ersten Weltkriegs in Russland begeisterte sich der 1889 geborene Reuter, der 1912 der SPD beigetreten war, für die Oktoberrevolution und brachte es als Anhänger der Bolschewiki bis zum Kommissar der autonomen Wolgadeutschen Republik. Ende 1918 kehrte Reuter nach Deutschland zurück und stieg in der neu gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands bis zum Generalsekretär auf. Nach seiner zunehmenden Kritik am Kurs des "Putschismus" und der Abhängigkeit der KPD von Moskau wurde er 1922 aus der KPD ausgeschlossen und wandte sich wieder der SPD zu. Als Redakteur des "Vorwärts" und Kommunalpolitiker profiliert, wurde er 1926 zum Berliner Stadtrat für Verkehr und 1931 zum Oberbürgermeister von Magdeburg gewählt. 1932-1933 gehörte Reuter dem Reichstag an. Nach Amtsenthebung durch die Nationalsozialisten, zweimaliger Verhaftung und zeitweiliger Einweisung ins KZ ging Reuter 1935 über London ins Exil nach Ankara. Als Berater des türkischen Wirtschafts- und Verkehrsministeriums sowie ab 1938 als Professor der Kommunalwissenschaften wurde er zu einem Importeur westlicher Ideen. Anlässlich Reuters Rückkehr nach Deutschland im November 1946 stellte ein SED-Blatt die polemischen Frage, ob ein Türke Berliner Oberbürgermeister werden solle.

Nach der Spaltung der Stadtverwaltung und Neuwahlen zur Stadtverordnetenversammlung in den Westsektoren wurde Reuter schließlich am 7. Dezember 1948 endgültig zum Oberbürgermeister wenigstens im Westteil der Stadt gewählt. Tatkräftig und beredt wurde er zu einem Symbol des Widerstandswillens gegen den Kommunismus und die Bedrückungen während der Blockade und entwickelte sich zum Anwalt Berlins gegenüber den westlichen Besatzungsmächten wie den Politikern Westdeutschlands. Reuter starb am 29. September 1953 in Berlin.