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26.07.1910: Kurt Partzsch geboren

Am 26. Juli 1910 kam in Dresden Kurt Partzsch zur Welt, mit dessen Namen sich der Begriff „Soziales Niedersachsen“ verbindet.

Nach dem Schulbesuch in Köslin/Pommern und Hannover absolvierte Partzsch eine Maurerlehre, danach die Höhere Technische Staatslehranstalt in Hildesheim und arbeitete ab 1934 in seinem Beruf als Hochbautechniker. Die NS-Zeit überlebte er als Baufachmann, zum Teil im Ausland. Ab 1945 arbeitete er wieder in Hannover als Bauingenieur in der Bauverwaltung der Stadt Hannover.

Als Sohn des Gewerkschaftssekretärs und SPD-Mitglieds der Weimarer Nationalversammlung Richard Partzsch war Kurt schon als Kind mit Politik in Berührung gekommen und 1925 der Sozialistischen Arbeiterjugend beigetreten. 1945 arbeitete er am Wiederaufbau der SPD mit, für die er später u.a. Mitglied im Bezirksvorstand Hannover wurde. Bei der Landtagswahl 1951 wurde Kurt Partzsch direkt in den niedersächsischen Landtag gewählt und gewann ein Mandat, das er 23 Jahre innehaben sollte. Nachdem er den Vorsitz des Sozialausschusses und des Ausschusses für Haushalt und Finanzen geführt hatte, berief ihn Ministerpräsident Georg Diederichs 1961 zu seinem Nachfolger im Amt des Landesministers für Soziales. Durch seine parlamentarische Arbeit war Partzsch die Verflechtung von Sozial-, Wirtschafts- und Finanzpolitik immer bewusst. 1970 übernahm er zusätzlich zum Amt des Sozialministers noch das des Stellvertreters des neuen Ministerpräsidenten Alfred Kubel.

In Niedersachsen vereinte das Sozialministerium die Bereiche Gesundheitswesen, Sozialwesen, Bauwesen und Arbeit. Entsprechend sah Partzsch soziale Sicherung umfassend und zählte Arbeitsrecht, Siedlungs- und Wohnungswesen, Gesundheitsdienst, die Sicherung bei Arbeitslosigkeit, Erkrankung, Invalidität und Alter, die Vollbeschäftigung, das Recht auf freie Berufswahl, das Recht auf Erziehung und Bildung, die Freizeitgestaltung und die Gleichstellung von ehelichen und nichtehelichen Kindern dazu. Seine besondere Aufmerksamkeit als Minister galt der Eingliederung körperlich und geistig Behinderter, der Hilfe für Alte, dem Ausbau des Gesundheitswesens und hier besonders dem Krankenhausbau. Für Partzsch bedeuteten Sozialleistungen nicht Wohlfahrt statt Freiheit, sondern Freiheit durch Wohlfahrt.

Neben der politischen und ministeriellen Ebene engagierte sich Partzsch auch im Ehrenamt. Seit 1958 Präsident im Bezirksverband Hannover und stellvertretender Bundesvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt (AWO), bekleidete Kurt Partzsch bald auch Spitzenämter, nämlich von 1962 bis 1975 das des Präsidenten des Arbeiter-Samariter-Bundes und von 1971 bis 1985 das des Präsidenten im AWO-Bundesverband. Diese Ämter, denen sich Partzsch in verdienstvoller Weise widmete, mögen auf der anderen Seite zu dem innerparteilichen Vorwurf beigetragen haben, dass er den Kontakt zur Parteibasis verloren habe. Jedenfalls unterlag Kurt Partzsch im Vorfeld der Landtagswahl 1974 bei der Aufstellung des Wahlkreiskandidaten der SPD und zog sich daraufhin nach der Wahl aus der aktiven Politik zurück.

Ohne ministerielle Pflichten konnte er sich umso besser seine Ehrenämter ausfüllen. Nachdem er aus Altersgründen sein Engagement schrittweise zurückfuhr, wurde seine bisherige Arbeit 1983 noch einmal durch die Wahl zum Ehrenvorsitzenden der AWO gewürdigt. Nach kurzer schwerer Krankheit starb Kurt Partzsch 1996 mit 86 Jahren in Hannover.