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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / September / Erich Ollenhauer zum SPD-Vorsitzenden gewählt

27.09.1952: Erich Ollenhauer zum SPD-Vorsitzenden gewählt

Erich Ollenhauer und Wilhelm Mellies auf dem SPD-Parteitag in Dortmund 1952Auf dem Parteitag in Dortmund vom 24. bis 28. September 1952 wählten die Delegierten am 27. September Erich Ollenhauer zum neuen Vorsitzenden der SPD. Diese Wahl war notwendig geworden durch den Tod des bisherigen Partei- und Fraktionsvorsitzenden Kurt Schumacher (vgl. "Das historische Stichwort", August). Ollenhauer erhielt mit 357 von 363 gültigen Stimmen eine überwältigende Mehrheit. Das Parteitagsprotokoll vermerkt nach Verkündung des Wahlergebnisses: "Langanhaltender, stürmischer Beifall. Die Anwesenden erheben sich und singen 'Wann wir schreiten Seit an Seit'."

Die Delegierten würdigten damit Ollenhauers Wirken in der SPD seit seinem Parteibeitritt 1918, insbesondere seinen Anteil am Wiederaufbau der Partei nach 1945, als deren organisatorischer Chef er seit 1946 gewirkt hatte. Schumachers Aufgaben in Partei und Fraktion hatte Ollenhauer als dessen Stellvertreter in loyaler Weise schon mehrfach in diesen Jahren übernommen, wenn Schumacher als Folge seiner schweren körperlichen Schäden aus dem Ersten Weltkrieg und der KZ-Haft über längere Zeit seine Ämter nicht wahrnehmen konnte.

Während Kurt Schumacher wie zahlreiche andere SPD-Mitglieder die NS-Herrschaft in Deutschland erlitt und dabei lange Jahre in KZ-Haft saß, verkörperte Erich Ollenhauer diejenigen in der Partei, die dieselbe Zeit in den Entbehrungen und Unsicherheiten der Emigration verbrachten. Als führender Jugendfunktionär der SPD noch im April 1933 in den Parteivorstand gewählt, war er mit Otto Wels und Hans Vogel im Mai 1933 vor dem Zugriff der Gestapo nach Prag emigriert. Nach der Verlegung des Sitzes der SOPADE-Führung nach Frankreich setzte Ollenhauer dort die Parteiarbeit, den Kontakt mit illegalen Gruppen und die Zusammenarbeit mit ausländischen Parteifreunden fort. Nach kurzzeitiger Internierung im Mai 1940 gelang Ollenhauer auf abenteuerlichen Wegen die Flucht vor den deutschen Truppen nach England. Nach seiner Ankunft in London im Januar 1941 forcierte er die Zusammenarbeit unter den verschiedenen sozialistischen Gruppen in der Emigration, die sich dann im gleichen Jahr zur Union deutscher sozialistischer Organisationen in Großbritannien zusammenschlossen.

Nach Kriegsende, im Oktober 1945, nahm Ollenhauer an der SPD-Konferenz in Wennigsen teil, wo er auch Kurt Schumacher persönlich kennenlernte. Erst im Frühjahr 1946 konnte er jedoch endgültig nach Deutschland zurückkehren. Im Mai 1946, auf dem ersten Nachkriegsparteitag der SPD in Hannover, erfolgte Ollenhauers Wahl in den Parteivorstand, im November des gleichen Jahres die Wahl zum Ersten stellvertretenden Vorsitzenden.

Das Amt des Parteivorsitzenden, zu dem sich am 7. Oktober 1952 auch das des Fraktionsvorsitzenden im Bundestag gesellte, übte Erich Ollenhauer in verdienstvoller Weise bis zu seinem Tode im Dezember 1963 aus. In seine Amtszeit fiel die organisatorische und programmatische Erneuerung der SPD Ende der 1950er Jahre.