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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / Oktober / Metallarbeiterstreik in Schleswig-Holstein

24.10.1956: Beginn des Streiks der Metallarbeiter in Schleswig-Holstein

StreikleitungMetallarbeiter versuchen die Forderungen des gewerkschaftlichen Aktionsprogramms durchzusetzen.
Der Kampf für Lohnausgleich im Krankheitsfall, für Urlaubsgeld und längeren Urlaub.

Es war schon immer ein Ziel der Gewerkschaften gewesen, die Unterschiede zwischen Arbeitern und Angestellten bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle zu beseitigen. Diese Forderung wurde auch in das DGB-Aktionsprogramm von 1955 aufgenommen. Für die Verwirklichung einer der Hauptforderungen des Aktionsprogramms wurde 16 Wochen im Tarifgebiet Schleswig-Holstein der Metallindustrie gekämpft. Der bis zum 8. Februar 1957 dauernde Streik stellte ein Novum in der Streikgeschichte der Bundesrepublik dar, weil es nicht um Lohn- und Gehalterhöhungen ging, sondern um die Verbesserung manteltariflicher Bestimmungen. Für die zeitgenössischen Kommentatoren war dieser Streik eine Meilenstein in dem Ringen um soziale Gerechtigkeit. Weder vorher noch nachher hat es einen Streik in solcher Einzigartigkeit in der Bundesrepublik gegeben. Ausgangspunkt des Streiks war die Kündigung des Rahmentarifvertrags in Schleswig-Holstein, der alle allgemeinen Arbeitsbedingungen regelt, zum 31.12.1955. In einer breiten Diskussion innerhalb der Gremien der IG Metall wurde ein neuer Entwurf erarbeitet und am 14.3.1956 von der großen Tarifkommission gebilligt. Die entscheidenden Forderungen waren:

- Verkürzung der Arbeitszeit mit vollen Ausgleich
- Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für gewerbliche Arbeiter
- Verbesserung des Urlaubs und Zahlung eines zusätzlichen Urlaubsgeldes
- Verbesserung des bisherigen Abschnittes Entlohnung

Dieser Entwurf wurde den Arbeitgeberverbänden in Lübeck und Kiel am 21.4. vorgelegt und die ersten Verhandlungen begannen am 28. Juli 1956. Durch das zwischenzeitlich durch den Gesamtverband der metallindustriellen Arbeitgeberverbände und der IG Metall ausgehandelte „Bremer Abkommen“ vom 13.6.1956, stand die Arbeitszeit nicht mehr zur Debatte. Die Arbeitgeberseite lehnte alle Verhandlungen über den Rahmentarifvertrag ab, mit dem Hinweis auf das „Bremer Abkommen“. Die Verhandlungen wurden am 27.9.1956 und 28.9.1956 fortgesetzt. Zwar wurde in einigen Punkten Einigkeit erzielt, aber die Forderungen nach verlängerten Urlaub, Urlaubsgeld und Lohnfortzahlung wurden von der Arbeitgeberseite abgelehnt. Nach dem Scheitern der Verhandlung beschloss der Vorstand eine Urabstimmung über

  • Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle, Erhöhung des Urlaubes,
  • Zahlung eines zusätzlichen Urlaubsgeldes

die am 11. und 12. Oktober stattfand. 77,5 Prozent der Abstimmungsberechtigten waren bereit für diese Forderungen in den Streik zu treten, woraufhin die Große Tarifkommission am 15. Oktober den Vorstand um Genehmigung zur Arbeitsniederlegung ersuchte. Eine Besprechung beim schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Kai-Uwe von Hassel mit den beiden Konfliktparteien scheiterte, worauf der Hauptvorstand der IG Metall am 22. Oktober 1956 den Antrag zur Durchführung des Streiks stattgab, falls die Arbeitgeberseite nicht die Schlichtungsstelle anrufen würde.

Da dies nicht geschah, begann am 24. Oktober 1956 ab 6 Uhr morgens vorerst auf allen Werften in Schleswig-Holstein, die dem Arbeitgeberverband angeschlossen waren, der Streik. Von den insgesamt 45.000 Arbeitern in der Metallindustrie legten rund 26.000 aus 15 Betrieben ihre Arbeit nieder. Die Tarifkommission hatte sich entschlossen nicht alle vom Tarifvertrag erfassten Betriebe gleichzeitig zu bestreiken. Mit dieser Taktik sollte, falls erforderlich, jederzeit die Streikfront vergrößert werden. Zur Information der Streikenden und der Öffentlichkeit erschienen täglich „Streiknachrichten“, Streikversammlungen und monatliche Kundgebungen wurden in größeren Städten abgehalten und in mehreren Kinos fanden Filmveranstaltungen statt. Streikunterstützung in finanzieller und materieller Form (Weihnachtspakete) kamen vom DGB und seinen Mitgliedsgewerkschaften. (siehe: IG Metall Geschäftsbericht 1956/57, S. 93ff und Meldungen des DGB-Nachrichten Dienstes)

Im Dezember 1956 machte Ministerpräsident Kai-Uwe von Hassel einen ersten Vermittlungsvorschlag, es folgte Ende Dezember ein Schlichtungsversuch unter Vorsitz von Professor Arthur Nikisch. Die Vorschläge wurden in der Urabstimmung am 7.1.1957 abgelehnt wurden. Eine weitere Schlichtung unter Vorsitz des früheren Arbeitsministers von Nordrhein-Westfalen Johann Ernst, die vom 22. bis 24. 1.1957 in Bonn stattfand, kam zwar zu einem Kompromiss, jedoch wurde dieser in der Urabstimmung am 30.1.1957 ebenfalls abgelehnt. Am 8.2.1957 trat zum zweiten Mal die
Schlichtungsstelle zusammen. Schlichtung vom 8.-10.2.1957 
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verbesserter Vermittlungsvorschlag wurde zwar mit knapp 58 Prozent von den Streikenden abgelehnt, aber die statuarische 2/3 Mehrheit zur Weiterführung des Streiks wurde nicht erreicht, somit war der Streik beendet und am 15. Februar 1957 wurde die Arbeit wieder aufgenommen. Am Ende des Arbeitskampfes standen schließlich ein Teilerfolg in der Lohnfortzahlungsfrage, der das Lohnfortzahlungsgesetz vom Juni 1957 beeinflusste, sowie Verbesserungen hinsichtlich der Urlaubsdauer. Ein Urlaubsgeld konnte nicht durchgesetzt werden. Das blieb späteren gewerkschaftlichen Tarifverhandlungen überlassen.