Das Layout dieser Seite wird mit CSS umgesetzt. Wenn Sie diesen Hinweis sehen, kann Ihr Browser CSS nicht darstellen.
Die Seite bleibt trotzdem voll funktionsfähig.
Hier finden Sie einen standard-konformen Browser: www.mozilla.org.
FES / AdsD / Das Historische Stichwort / Mai / Dresdner Maiaufstand 1849

03.05.1849 - 09.05.1849: Der Dresdner Maiaufstand 1849

Nationalversammlung, 1848

Die Februarrevolution von 1848 und die Ausrufung der Republik in Frankreich gaben das Signal zur revolutionären Erhebung im Gebiet des Deutschen Bundes und einer Reihe europäischer Staaten. In Deutschland standen Forderungen nach Aufhebung der Zensur, Presse- und Vereinsfreiheit, die Einberufung eines deutschen Parlaments und die Ausarbeitung einer Verfassung im Mittelpunkt, aber auch soziale Forderungen wurden erhoben; Arbeiter und Gesellen gründeten Vereine und erste Gewerkschaften. Im Mai 1848 trat in Frankfurt am Main eine Nationalversammlung zusammen und begann mit den Beratungen über eine demokratische Verfassung. Bereits im Sommer 1848 zeichnete sich unter Führung von Preußen und Österreich jedoch das Erstarken der Gegenrevolution ab. Als der preußische König im April 1849 die ihm angetragene Kaiserkrone und die Verfassung ablehnte, bedeutete dies das Scheitern der Revolution. Immer mehr Abgeordnete zogen sich von der Nationalversammlung zurück. In Stuttgart versammelte sich ein Rumpfparlament, um die Annahme der Verfassung zu erzwingen. Im Rahmen dieser „Reichsverfassungskampagne“ kam es im Mai 1849 vor allem in Südwestdeutschland, in der Pfalz und Baden, sowie in Sachsen zu Aufständen, die mit Hilfe preußischer Truppen blutig niedergeschlagen wurden.

In Sachsen forderte die gemäßigte Linke von der Staatsregierung die Anerkennung der Reichsverfassung ohne vorherige Verhandlungen mit den anderen Regierungen. Dabei ging es um das Grundprinzip, ob eine Reichsverfassung durch die gewählte Nationalversammlung oder „von oben“ durch die Verständigung der Regierungen in Kraft gesetzt werden sollte. Der Obmann der radikalen Demokraten in der Zweiten Kammer, Samuel Erdmann Tzschirner, sprach sich gegen die Reichsverfassung aus, da sie den Ausschluss Österreichs aus dem Deutschen Reich mit sich brachte und plädierte für eine allgemeine Volksbefragung über die Verfassung. Samuel Erdmann Tzschirner

Der Konflikt zwischen Kammern und Regierung wurde durch eine Ende April 1849 in Sachsen einsetzende „Adressbewegung“ der Bürger zugunsten der Reichsverfassung und die Auflösung der Kammern durch die Regierung angeheizt. König Friedrich August II., der zu den Gegnern der Reichsverfassung gehörte, wies die Petitionen ab und drohte mit Militäreinsatz, für den preußische und bayerische Truppen ihre Unterstützung zugesagt hätten.

Neben der Durchsetzung der Reichsverfassung gehörte die Abwehr der militärischen Intervention, die in der Bevölkerung für zusätzliche Erregung sorgte, mit zu den auslösenden Momenten des Aufstandes, der am 3. Mai 1849 in Dresden ausbrach.

 

Aufstand in Dresden, 1849

Eine empörte Menge versuchte das Zeughaus zu stürmen, um sich in den Besitz von Waffen zu setzen. Am 4. Mai flohen der König und die Regierungsmitglieder auf die Festung Königstein. Einige führende Demokraten, darunter der Landtagsabgeordnete Tzschirner, der Dresdner Stadtrat Otto Leonhard Heubner und der Jurist Karl Gotthelf Todt, etablierten eine provisorische Regierung. Der russische Revolutionär Michail Bakunin übernahm die Organisation der Verteidigung der Stadt gegen die sächsischen und preußischen Truppen. Diese rückten mit Kanonen vom Schlossplatz zum Neumarkt vor, wo die Aufständischen sich in den umliegenden Straßen verbarrikadiert hatten. Unter ihnen befanden sich auch der Dresdner Stadtbaurat Gottfried Semper, sein Freund Richard Wagner, damals Kapellmeister an der Dresdner Oper, sowie der Musikdirektor und überzeugte Republikaner August Röckel. Michael Bakunin, 1864

Der Aufstand wurde brutal niedergeschlagen. Unter den Aufständischen gab es mehr als 196 Tote, überwiegend junge Menschen, unter ihnen auch sieben Frauen. Der Befehlshaber der Regierungstruppen, General Friedrich Graf von Waldersee, gab später zu, dass noch etwa weitere 50 Personen in die Elbe geworfen worden seien, unter ihnen auch Verwundete und Gefangene, die man zunächst in der Frauenkirche zusammengetrieben und gefoltert hatte; die noch Lebenden ertranken oder wurden durch gezielte Gewehrsalven ermordet. Hunderte von Aufständischen bezahlten ihren Einsatz mit langjährigen Haftstrafen, die sie im Zuchthaus Waldheim und der Strafanstalt Zwickau verbringen mussten. Von den Anführern gelang Bakunin zunächst die Flucht, er wurde jedoch in Chemnitz verhaftet, zum Tode verurteilt, dann begnadigt und 1850 an Österreich ausgeliefert. Dort wurde er wegen seiner Beteiligung am Prager Pfingstaufstand 1848 erneut zum Tode verurteilt, 1851 jedoch an Russland ausgeliefert, nach jahrelanger Festungshaft nach Sibirien verbannt, wo ihm schließlich 1861 die Flucht ins Ausland gelang. Tzschirner flüchtete nach Karlsruhe, wo er sich weiter an der Reichsverfassungskampagne beteiligte und nach der Niederschlagung der Revolution in die Schweiz und dann ins Exil nach USA ging. Aufgrund einer Amnestie konnte er 1865 nach Deutschland zurückkehren. Karl Gottlieb Todt starb 1852 im Schweizer Exil. Auch Richard Wagner gelang die Flucht in die Schweiz. Gottfried Semper entkam zunächst nach Würzburg. Bis 1863 noch steckbrieflich gesucht, kehrte er nicht mehr nach Dresden zurück, sondern setzte seine berufliche Arbeit im Ausland fort. August Röckel wurde festgenommen und verbrachte, da er sich standhaft weigerte, ein Gnadengesuch einzureichen, eine dreizehnjährige Haftstrafe auf der Burg Königstein und im Zuchthaus Waldheim. August Röckel: Sachsens Erhebung und das Zuchthaus zu Waldheim, Frankfurt/M. 1865

Mit der Auflösung des Paulskirchenparlaments hatte sich der Kampf um die Verfassung regionalisiert, in der „Provinz“ fand die Revolution am Schluss ihren stärksten Rückhalt, es fehlten den revolutionären Aktionen jedoch ein Handlungszentrum und ein vom Volk gewähltes Parlament, dem sich auch die gemäßigteren politischen Kräfte verpflichtet fühlten. Dagegen arbeiteten die gegenrevolutionären Kräfte, Monarchen und Regierungen, über die Grenzen der Bundesstaaten (und über die Grenzen der europäischen Staaten) hinweg politisch und militärisch zusammen. Gegen ihre bewaffnete Übermacht hatte die demokratische Revolution von unten keine Chance.

Dennoch wirkte die Erinnerung an den Dresdner Maiaufstand im kollektiven Gedächtnis nach. Zu Beginn der 1860er Jahre, als sich erneut eine Generation junger Arbeiter und Gesellen in Arbeiter- und Bildungsvereinen zu organisieren begann, zählten einige der am Dresdner Maiaufstand beteiligten Demokraten zu ihren Mentoren. August Bebel, der Gründer der deutschen Sozialdemokratie, wies in seinen Lebenserinnerungen nicht ohne Stolz darauf hin, dass es ihm damals gelungen war, ein Buch August Röckels – „Sachsens Erhebung und das Zuchthaus zu Waldheim“1 – das dieser nach seiner Entlassung aus der Haft verfasst hatte, in über 300 Exemplaren zu verbreiten. August Röckel: Sachsens Erhebung und das Zuchthaus zu Waldheim, Frankfurt/M. 1865Durch die Schilderung der grausamen Niederschlagung des Aufstandes und der inhumanen Behandlung der Gefangenen rief es in der Öffentlichkeit „einen Schrei des Entsetzens“2 hervor. Zu den Zielen der sich neu formierenden Arbeiterbewegung gehörte nicht zuletzt die Verwirklichung der Forderungen der Revolution von 1848/49 und die Weiterführung ihres demokratischen und sozialen Gedankenguts.

Literatur:

Michael Bakunin, Gottfried Semper, Richard Wagner und der Dresdner Mai-Aufstand 1849 : Symposium des Forschungsinstituts der Friedrich-Ebert-Stiftung am 27. Oktober 1995 in Dresden, Bonn, 1995.

Martina Schattkowsky (Hrsg.): Dresdner Maiaufstand und Reichsverfassung 1849. Revolutionäres Nachbeben oder demokratische politische Kultur?, Leipzig 2000.

Wolfgang Eckhardt: Von der Dresdner Mairevolution zur Ersten Internationale. Untersuchungen zu Leben und Werk Michail Bakunins, Ulm 2005.

Links zum Thema:

http://de.wikipedia.org/wiki/Dresdner_Maiaufstand

http://www.neumarkt-dresden.de/revolution_neumarkt.html

Fussnoten:

1:August Röckel: Sachsens Erhebung und das Zuchthaus zu Waldheim, Frankfurt/M. 1865. Zurück

2:August Bebel: Aus meinem Leben. Ausgewählte Reden und Schriften, Bd. 6, Berlin 1983, S. 49.Zurück