Das Layout dieser Seite wird mit CSS umgesetzt. Wenn Sie diesen Hinweis sehen, kann Ihr Browser CSS nicht darstellen.
Die Seite bleibt trotzdem voll funktionsfähig.
Hier finden Sie einen standard-konformen Browser: www.mozilla.org.
FES / AdsD / Das Historische Stichwort / November / Julius Leber geboren

16.11.1891: Julius Leber geboren

Julius Leber, 1944Der SPD-Politiker und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialimus Julius Leber wurde am 16. November 1891 in Biesheim im damals zum deutschen Reich gehörenden Elsass geboren. Aus kleinbäuerlichen Verhältnissen kommend, machte er eine kaufmännische Lehre und 1912 das Abitur. In Straßburg und Freiburg studierte er anschließend Nationalökonomie. Im August 1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger. Nach dem Ersten Weltkrieg blieb er Soldat beim Grenzschutz im Osten Deutschlands. Während des Kapp-Lüttwitz-Putsches 1920 setzte er sich mit seiner Batterie für die legitime republikanisch-demokratische Reichsregierung ein.
Nach der Promotion zum Dr. rer. pol. und dem Beitritt zur SPD wurde Leber 1921 Chefredakteur der sozialdemokratischen Zeitung "Lübecker Volksbote" und in Lübeck Mitglied Bürgerschaft. 1924 wurde er für die SPD in den Reichstag gewählt, dem er bis 1933 angehörte.
Die von Leber als Journalist und Politiker entwickelte Idee von der "sozialen Republik", der "sozialen Demokratie" sollte die Tradition der bürgerlichen Befreiungsbewegungen des 18. und 19. Jahrhunderts in ihren demokratischen und nationalen Elementen mit sozialistischen Überzeugungen verbinden. Lebers Engagement für den Staat der Weimarer Republik schloss nicht aus, dass er das geltende Verhältniswahlrecht kritisierte, weil es das Aufkommen charismatischer Führungspersönlichkeiten behindere, die die Demokratie nach Lebers Ansicht brauchte.
Wegen seiner heftigen Auseinandersetzungen mit der politischen Rechten war Leber nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler gefährdet. Schon in der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar 1933 wurde er nach einer von der SA provozierten tätlichen Auseinandersetzung erstmals verhaftet sowie am 23.3.1933 in "Schutzhaft" genommen, um seine Teilnahme an der Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz zu verhindern. Am 27. Mai 1933 wurde Leber aufgrund des Zusammenstoßes mit der SA wegen Beteiligung an einem "Raufhandel" zu 20 Monaten Gefängnis verurteilt. Nach Verbüßung der Strafe hielt das Regime Leber bis Mai 1937 in verschiedenen Konzentrationslagern fest, teilweise in Dunkel- und Einzelhaft.
Nach seiner Entlassung nach Berlin knüpfte Leber Kontakte zu verschiedenen Widerstandskreisen. Nach einem Sturz des NS-Regimes war Leber von Carl Friedrich Goerdeler als Innenminister vorgesehen. Am 5. Juli 1944 wurde Leber, der unter polizeilicher Überwachung stand und mehrfach Verhöre und Hausdurchsuchungen über sich ergehen lassen musste, wieder verhaftet. Nach dem missglückten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 verurteilte der "Volksgerichtshof" ihn am 24. Oktober 1944 zum Tode. Am 5. Januar 1945 wurde Julius Leber im Zuchthaus Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Auf der Gedenkveranstaltung zum 100. Geburtstag von Julius Leber in der Gethsemanekirche in Berlin am 15. November 1991 sprachen die ehemaligen Bundeskanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt sowie der damalige SPD-Vorsitzende Björn Engholm. Sie würdigten Lebers sittliche Größe und seinen unbeugsamen Willen, mit Vernunft, Leidenschaft und Augenmaß für Demokratie, Freiheit und soziale Gerechtigkeit einzutreten.