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23.06.1895: Adolph Kummernuss geboren

Am 23. Juni 1895 wird der Gewerkschafter und Sozialdemokrat Adolph Ludwig Kummernuss in Hamburg geboren. Aus einer einfachen Handwerkerfamilie stammend, verdient er nach Besuch der Volksschule seinen Lebensunterhalt als Schauermann im Hamburger Hafen und erlebt hier die Mühsahl und Armut der Hafen- und Transportarbeiter. 1909 tritt er bereits Sozialistischen Arbeiterjungend bei, 1912 wird er Mitglied des „Deutschen Transportarbeiter-Verband“ (DTV) und der SPD. Im Ersten Weltkrieg erleidet der junge Kummernuss als Frontsoldat mehrmals schwere Verwundungen, traumatisiert kehrt er 1918 heim und wird zum überzeugten Pazifisten.
Die existentiellen Mangelerfahrungen aus seiner Kindheit und Jugend motivieren Kummernuss, sich in Arbeiterbibliotheken und an der Hamburger Volkshochschule in Gebieten des Rechts, der Politik und der Wirtschaft weiterzubilden und sich gewerkschaftlich zu engagieren. Im Frühjahr 1920 wird er zum Vertrauensmann und zum Betriebsrat im Hamburger Hafen gewählt. Innerverbandlich steigt Kummernuss vom gewählten „Türkontrolleur“ 1923 zum Mitglied des Hamburger Bezirksvorstandes auf, in dem er bis 1933 bleiben wird. In Vorbereitung einer hauptamtlichen Tätigkeit im Bundesvorstand wird dem talentierten Gewerkschafter seitens des DTV zwischen 1926 und 1927 ein Stipendium an der „Akademie der Arbeit“ in Frankfurt am Main gewährt. Nach seiner Rückkehr wird er „Agitationsleiter“ für den Hamburger Hafen und arbeitet gleichzeitig für das Hamburger Echo. Kurz vor der entgültigen Zerschlagung der Gewerkschaften am 2. Mai 1933 bekleidet er eine Position in der Hamburger „Rechtsauskunfststelle“ des Gesamtverbandes. Der überzeugte Demokrat Kummernuss, der bereits seit 1924 dem Reichsgbanner Schwarz-Rot-Gold angehörte, bekämpft das nationalsozialistischen Regime entschieden. Bereits im Mai 1933 schliesst er sich den illegal operierenden Widerstansgruppen um Edo Fimmen und die „Internationale Transportarbeiterföderation“ (ITF) an. 1935 erfolgt seine Verhaftung durch die Gestapo, Folter und mehrjährige Haft in verschiedenen Gefängnissen und dem KZ Fuhlsbüttel sind die Folge.
Nach Kriegsende beteiligt sich Kummernuss unmittelbar am Aufbau des „Gesamtverbandes der Verkehrs- und Gemeindearbeiter“ und übernimmt bereits 1945 hier eine hauptamtliche Tätigkeit. Von nun an ist Kummernuss fortlaufend in vielen wichtigen gewerkschaftlichen Funktionen tätig und beteiligt sich führend am Wiederaufbau der Gewerkaschaften in den Besatzungszonen. Er sorgt insbesondere auch für ihre internationale Anerkennung. Aufgrund seiner gewerkschaftlichen Kompetenzen und mutigen Rolle im Widerstand gegen Hitler erhält er den Respekt der internationalen Gewerkschaften. 1948 wird er selbst in die Generalräte sowohl der ITF als auch der „Internationalen Föderation der Gewerkschaften des Personals öffentlicher Dienste“ (IÖD) gewählt. Auf landespolitischer Ebene übernimmt Kummernuss für die SPD wichtige Ehrenämter, wie die Mitgliedschaft in der Hamburgischen Bürgerschaft.. Auf dem Vereinigungsverbandstag der Gewekschaften des öffentlichen Dienstes, Transport und Verkehr in Stuttgart (ÖTV), 1949 in Stuttgart, wird er zum Vorsitzenden der ÖTV gewählt. Auch beteiligt er sich aktiv an der Gründung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und übernimmt hier als Vorstandsmitglied wichtige Aufgaben. In der Öffentlichkeit der jungen Bundesrepublik setzt der ÖTV-Vorsitzende „dissonante“ Töne. Offen warnt er vor „antidemokratischen Erscheinungen“ in der Gesellschaft, wie dem Einfluss ehemaliger Nationalsozialisten auf das politische Leben. Die Wiederbewaffnung und Notstandsgesetze lehnt er kategorisch ab. Gewerkschaftspolitisch tritt er für radikale Mitbestimmungsrechte ein und begreift die Rolle der Gewerkschaften als demokratischen und sozialen Transmissionsriemen zwischen Gesellschaft und Staat auf der Ebene der ArbeitnehmerInnen. Adolph Kummernuss stirbt am 7. August 1979 in Travemünde.