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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / Januar / Todestag Marie Juchacz

28.1.1956 - Marie Juchacz gestorben

Marie Juchacz 1919

"Die Arbeiterwohlfahrt war ihr Werk"

Marie Juchacz geb. Gohlke wurde 1879 in Landsberg/Warthe geboren. Sie arbeitete nach Beendigung der Volksschule zunächst als Dienstmädchen, Fabrikarbeiterin und Krankenwärterin, erlernte anschließend das Schneiderhandwerk und arbeitete bis 1913 in diesem Beruf.

Bereits 1907 war sie als Vorsitzende eines Bildungsvereins in Schöneberg tätig, nachdem sie sich der sozialdemokratischen Frauenbewegung angeschlossen hatte. 1908 - nach der Aufhebung des Verbots politischer Betätigung für Frauen - trat sie in die SPD ein und war von 1913-1917 Frauensekretärin im SPD-Bezirk Obere Rheinprovinz in Köln. Von 1917-1933 war sie Mitglied des Parteivorstandes und Leiterin des Frauenbüros der Partei. 1917 übernahm sie die Redaktion der "Gleichheit ", die sie bis 1921 leitete. Marie Juchacz setzte sich aktiv für das Frauenwahlrecht ein. Eine Unterschriftsliste von Frauen aus verschiedenen politischen Richtungen wird von Marie Juchacz für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands angeführt.

Am 19.1.1919 wählten in Deutschland zur Verfassung gebenden deutschen Nationalversammlung erstmals auch die Frauen. Am 19.2.1919 sprach zum ersten Mal eine Frau vor dem deutschen Reichstag. Ihr Anrede "Meine Damen und Herren" löste damals noch Heiterkeit aus. "Es ist das erste Mal, dass in Deutschland die Frau als Freie und Gleiche im Parlament zum Volke sprechen darf (...) dass wir Frauen dieser Regierung nicht etwa (...) Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit; sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist." Marie Juchacz war eine von 37 neugewählten Frauen im Deutschen Reichstag, sie gehörte dem Reichstag bis 1933 an.

Marie Juchacz und weitere weibliche Reichstagsabgeordnete 1925

Neben ihrer aktiven politischen Arbeit, vor allem in der Berliner Sozialdemokratischen Frauenbewegung, beteiligte sie sich 1919 maßgeblich an der Gründung der Arbeiterwohlfahrt, deren Vorsitzende sie bis 1933 war.

1933 emigrierte sie vor den Nazis ins Saargebiet und eröffnete in Saarbrücken ein Speisehaus. Nach der Saarabstimmung 1935 ging sie über Frankreich 1941 in die USA, wo sie 1945 die "Arbeiterwohlfahrt - Opfer des Nationalsozialismus New York" aufbaute. 1949 kehrte Marie Juchacz nach Deutschland zurück und war als Ehrenvorsitzende der AWO bis zu ihrem Tod aktiv.

Ihr politisches Engagement galt den sozialen Fragen, wie Mutterschutz, Säuglings- und Kinderpflege, Volksgesundheit und Jugendpflege und der Arbeitslosenfürsorge. Heute erinnern nicht nur die Marie-Juchacz-Stiftung der Arbeiterwohlfahrt und eine Briefmarke aus der Reihe "Frauen der deutschen Geschichte" an die Parlamentarierin der ersten Stunde. Zahlreiche AWO-Häuser und auch der Vorstandssitzungssaal der SPD-Bundestagsfraktion im Reichstagsgebäude sind nach ihr benannt.

Weitere Informationen zu Marie Juchacz finden Sie hier:
http://www.asf.de/servlet/PB/menu/1375857/index.html
http://webarchiv.bundestag.de/archive/2008/0506/parlament/praesidium/reden/2004/010.html http://www.presseportal.de/story.htx?nr=537212&firmaid=15839
http://www.spd.de/de/partei/geschichte/chronologie/1914_1919/frauenwahlrecht/index.html

Mehr zum Bestand Marie Juchacz finden Sie hier unter Bestände / Nachlässe und Deposita.