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13.04.1881: Ernst Heilmann geboren

Ein Spieler war Ernst Heilmann, ein Frauenheld und Nationalist, darüber hinaus autoritär und polarisierend. Es gibt aber auch eine andere Seite an ihm: Sein unnachgiebiger Einsatz für die Republik, sein Widerstand gegen die Nationalsozialisten wie Kommunisten und sein Engagement für die gesellschaftliche Ausbreitung des sozialdemokratischen Gedankenguts.

Am 13.4.1881 wurde Ernst Heilmann in Berlin geboren. Er wuchs in einem kleinbürgerlichen Elternhaus mit jüdischem Glauben auf, der aber den Kindern weder vorgelebt noch vermittelt wurde. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er Rechts- und Staatswissenschaften in Berlin. Ihm blieb allerdings aufgrund seiner sozialdemokratischen Parteimitgliedschaft, die er schon mit 17 Jahren angenommen hatte, der Referendarsdienst und damit auch der Staatsdienst verwehrt. Diese Art der Diskriminierung gegenüber Sozialdemokraten war im Kaiserreich nicht ungewöhnlich, prägte Heilmann aber nachdrücklich. Nach diesem Rückschlag begann er für mehrere sozialdemokratische Zeitungen zu schreiben. 1909 wurde er Chefredakteur der Chemnitzer „Volksstimme“, die dem rechten Flügel der SPD zuzuordnen war.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges wurde Heilmann zum Kriegsbefürworter und vertrat neben der Burgfriedenspolitik, die von vielen Sozialdemokraten getragen wurde, auch sozialimperialistische Annexionsansprüche. Daher meldete er sich 1915 freiwillig zum Militär. Ein Jahr später kehrte er zurück – schwer verwundet und auf einem Auge blind. Im gleichen Jahr gründete er den „Reichsbund der Kriegsgeschädigten“.

1919 verschoben sich seine Prioritäten von der Publizistik zur parlamentarischen Arbeit. Er wurde Abgeordneter im Preußischen Landtag und blieb dies auch bis zum Ende der Weimarer Republik. Drei Jahre darauf wurde er zum Fraktionsvorsitzenden gewählt, ein Beruf, den er stets mit Herzblut und Engagement ausübte. Mehr als alles andere steht dieses Amt synonym für den Namen Heilmann. Zusammen mit dem Fraktionsvorsitzenden des Zentrums, Joseph Heß, wurde er durch Autorität, Machtwillen und Pragmatismus Garant der sog. Weimarer Koalition, einem Bündnis aus SPD, Zentrum und DDP, das bis 1932 erfolgreich zusammen regieren konnte. Sein Einfluss auf Regierung und Landtag brachte ihm schließlich den Spitznamen „ungekrönter König von Preußen“ ein. Ab 1928 wurde er darüber hinaus auch Reichstagsabgeordneter. Sein Haupteinsatzfeld blieb aber weiterhin das Land Preußen.

Heilmann erkannte früh die Möglichkeiten des Mediums Radio. Ihm gelang es, Einfluss auf wichtige Radiosender zu erlangen. Schließlich war er beteiligt an der Gründung der bedeutendsten Nachrichtenredaktion aller Rundfunk- und Sendeanstalten, der Dradag. Bis 1931 blieb er in deren Aufsichtsrat – und dies nicht nur aus rein strategischen Gründen. Stets war ihm die Bildung und Emanzipation der benachteiligten Gruppen ein festes Anliegen. Nicht Abseits sollten sie stehen, sondern in die Mitte von Gesellschaft und Staat hineinwirken. Dies verdeutlichte er mit dem Stichwort „Demokratisierung der Verwaltung“. Denn, so Heilmann: „Noch weht durch zahllose Amtsstuben die muffige Luft des alten bürokratischen Geistes aus dem Obrigkeitsstaat. Wir dürfen uns niemals dem Irrtum hingeben, daß wir mit dem Parlament allein dieser Rückständigkeit Herr werden könnten.“

Er wies immer wieder auf die Gefahren hin, die die Republik bedrohten. In der Zeitung „Das Freie Wort“ schrieb er 1932: Der „Hauptfeind und die schlimmste Reaktion bleibt der Faschismus, bleibt die Hitlerpartei... Der Faschismus und seine deutsche Abart, der Nationalsozialismus, sind gegenüber der Arbeiterklasse nichts als brutalste Gewalt, nichts als sofortige Vernichtung der Arbeiterrechte und ausnahmslos aller Arbeiterorganisation.“

Mit seinem unerschütterlichen Einsatz für die Republik, seinem intellektuellen und polemischen Habitus und nicht zuletzt seinem bohemienhaften Lebensstil ist es kaum verwunderlich, dass Heilmann zur Zielscheibe nationalsozialistischer Agitation wurde. So drohte der spätere Reichsinnenminister Wilhelm Frick (NSDAP) schon 1929: „Wir Nationalsozialisten werden Herrn Heilmann… im kommenden Dritten Reich… als ersten in völlig legaler Weise aufhängen lassen…“

Nach dem Wahlsieg der Nazis bedrängten ihn daher einige Freunde, ins Ausland zu emigrieren, was er entschieden ablehnte: „Unsere Mitglieder, die Arbeiter können auch nicht davonlaufen.“ Statt dessen sprach er sich dafür aus, dass die Sozialdemokratie den Kampf gegen die Republikgegner mit allen legalen Mitteln fortführen sollte. Doch kurz darauf wurde die SPD verboten. Heilmann, der sich weigerte, unterzutauchen, wurde am 26.6.1933 in seinem Lieblingslokal Café Josty von der Gestapo verhaftet.

Schon in den ersten Tagen seiner Gefangenschaft wurde er schwer misshandelt. Dann begann eine lange Odyssee durch unzählige Konzentrationslager, bis er schließlich 1938 nach Buchenwald transportiert wurde. Während dieser ganzen Jahre wurde er ständig verletzt und gedemütigt. Im Nachhinein sagte ein Bekannter: „Die Spuren des Leids und all der Qualen, die dieser Mann in den bis dahin fünfeinhalb Jahren Konzentrationslagerzeit durchzustehen hatte, waren tief in das zerfurchte Antlitz gegraben. Seine zerfetzte Kleidung war schmutzig und geflickt. Sein Gang war gebeugt und langsam, seine Hände rissig, spröde, zerarbeitet. Das war nicht mehr der Mensch Heilmann, das war nur noch ein erbarmungswürdiges menschliches Wrack.“

Heilmann war sich im Klaren darüber, dass er das Lager nicht lebend verlassen würde – und er sollte recht behalten: Am 3.4.1940 wurde er mit einer Giftspritze ermordet. Die Nazis behaupteten, er sei an Herzversagen oder Altersschwäche gestorben.

Weitere Informationen zu Ernst Heilmann finden Sie direkt hier, unter Bestände / Nachlässe und Deposita.