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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / Juli / Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands

01.07.1890: Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands gegründet

Vor 120 Jahren, am 1. Juli 1890, gründeten Arbeiter in Hannover den „Verband der Fabrik-, Land- und gewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands“. Mehrtägige Beratungen des „Kongress[es] aller nichtgewerblichen Arbeiter Deutschlands“ waren vorausgegangen.

Der Verband war darauf angelegt, eine Lücke schließen: Laut Satzung sollte der Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands nämlich all diejenigen Arbeiter aufnehmen, „welche kein bestimmtes Handwerk betreiben sowie alle gewerblichen Arbeiter, denen es durch die Lage der örtlichen Verhältnisse nicht möglich ist, sich ihren Berufsorganisationen anzuschließen“. Gemeint waren vor allem jene aufstrebenden Industriezweige, in denen sich vorwiegend Ungelernte verdingten: die chemische Industrie, papiererzeugende Industrie, Gummi-Industrie, Baustoffindustrie wie auch die aufblühende Industrie der Nahrungsmittelherstellung.

Ab 1892 konnten auch Frauen dem Verband beitreten. Heimarbeiter und ungelernte Landarbeiter (bis 1908) organisierten sich ebenfalls in den Reihen des Fabrikarbeiterverbandes. Der Verbandsorgan „Der Proletarier“ versuchte, die kaum vorhandene Solidarität unter den Ungelernten zu stärken, politisches Bewusstsein und rudimentäre Bildung zu vermitteln. Der junge Verband hatte im wilhelminischen Obrigkeitsstaat mit mancherlei Widerständen von Unternehmern, Polizei und Justiz zu kämpfen: Maßregelungen, „schwarzen Listen“ und die Konkurrenz der „Gelben“ Gewerkvereine hemmten die Gewerkschaftsarbeit.

Aber nach der Einführung eines umfangreichen verbandseigenen Unterstützungswesens stiegen die Mitgliederzahlen 1895 stetig an. Im Frühjahr 1896 stellten jedoch zeitgleiche Streiks in Maschinenfabriken, Ölmühlen, Margarinefabriken, Ziegeleien sowie Arbeitsniederlegungen der Hamburger Kaffee-Verleserinnen den Verband finanziell auf eine harte Probe.

Immer neue berufliche Anforderungen in der industriellen Fertigung entstanden im Zuge der steigenden Technologisierung. Der Verband entwickelte sich allmählich zum Industriearbeiterverband der chemischen Industrie, der Papier- und der Baustoffindustrie sowie der Nahrungsmittelbranche. In den 20er Jahren kommt die traditionsreiche Porzellan- und Glasindustrie hinzu. Das Jahr 1919 bringt die Mitwirkung in der Reichsarbeitsgemeinschaft Chemie unter dem Dach der Zentralarbeitsgemeinschaft von Unternehmern und Gewerkschaften (ZAG). Die Hyperinflation ließ drei Jahre später das Verbandsvermögen auf die Hälfte zusammenschmelzen.

Nach den wechselvollen Ereignissen in der jungen Weimarer Republik konnte der Verband sein 40jähriges Jubiläum 1930 mit der Einweihung eines eigenen Verbandshauses in Hannover begehen. Ein Jahr später, auf der Höhe der Wirtschaftskrise, scheidet der Vorsitzende August Brey nach 40 Jahren aus dem Amt. Seinem Nachfolger war nur kurze Zeit vergönnt. Am 1. April 1933 besetzen SA-Kräfte die Verbandszentrale in Hannover und verhafteten zahlreiche Gewerkschafter. Die völlige Zerschlagung und Zwangseingliederung in die „Deutsche Arbeitsfront DAF“ folgte wenig später.

Nach der Befreiung Nazi-Deutschlands durch die Alliierten Streitkräfte begannen ehemalige Gewerkschafter bereits im Frühsommer 1945 mit dem Wiederaufbau ihrer Organisation. Die Gründungen in der britischen und der amerikanischen Besatzungszone schlossen sich 1948 zusammen. Die erste Satzung der neuerstandenen IG Chemie-Papier-Keramik ist ab April 1949 für das Gebiet der Bundesrepublik gültig.

Heute, 20 Jahre nach der Deutschen Wiedervereinigung und nach der Fusion der IG Chemie-Papier-Keramik mit der IG Bergbau und Energie und Gewerkschaft Leder zur Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie im Oktober 1997 ist die so entstandene IG BCE die drittgrößte DGB-Gewerkschaft, die hochspezialisierte Arbeitnehmer/innen in ganz Deutschland vertritt.