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29.03.1982: Fritz Eberhard gestorben

Fritz Eberhard (1896-1982)

Mit dem Tode Fritz Eberhards endete ein bewegtes, von unermüdlichem Eintreten für die soziale Demokratie geprägtes Leben, das exemplarisch die vielfältigen und tiefgreifenden Wendungen demonstriert, denen sich ein politisch Engagierter im Deutschland des 20. Jahrhunderts gegenüber sehen konnte.

Unter dem Namen Adolf Arthur Egon Hellmuth Freiherr von Rauschenplat wurde Fritz Eberhard am 2.10.1896 in Dresden als Abkömmling einer Familie des Uradels geboren. Der Vater Adolf von Rauschenplat war Landwirt und "Rentier", die Mutter Alice geb. von Bose "Haustochter". Nach dem Abitur 1914 in Baden-Baden studierte Hellmuth von Rauschenplat, unterbrochen durch seine Teilnahme am Ersten Weltkrieg (1915-1918), erst Rechts-, dann Staatswissenschaften und Nationalökonomie. 1920 promovierte er bei Robert Wilbrandt in Tübingen zum Dr. rer.pol. Eine erste berufliche Stellung fand er 1920-1921 beim Wohnungsamt in Dresden. 1921 schloss Hellmuth von Rauschenplat seine erste Ehe (geschieden 1925) mit der Ärztin und Fabrikantentochter Dr. Marta Walter. In einer Firma seines Schwiegervaters in Schwäbisch Gmünd hatte Rauschenplat dann bis 1924 eine Position als kaufmännischer Leiter und Prokurist inne.

In einer Spannung zur adeligen Abkunft und den bürgerlichen Lebensverhältnissen stand Rauschenplats politischer Einsatz. Ab 1921 arbeitete er in dem von dem neukantianischen Philosophie-Professor Leonard Nelson gegründeten "Internationalen Jugendbund" (IJB) mit, der sich als auf ethische Ideale gegründete Erziehungsgemeinschaft im Kampf für den Sozialismus mit strengen Anforderungen an die persönliche Lebensführung verstand. 1922 trat Rauschenplat parallel dazu der SPD bei, ab 1926 gehörte er nach dem Ausschluss der IJB-Mitglieder aus der SPD dem gleichfalls von Nelson geleiteten Internationalen Sozialistischen Kampfbund (ISK) an. Ab 1923 wirkte Rauschenplat als Lehrer für Volkswirtschaft und Öffentliches Recht am IJB-Landerziehungsheim Walkemühle bei Melsungen, daneben veröffentlichte er journalistische Arbeiten. Seine hauptberufliche Arbeit als Wirtschaftsredakteur des Parteiblattes "Der Funke" ab 1932 in Berlin endete im Februar 1933 mit dem Verbot der Zeitung durch die Nationalsozialisten. Um der Verhaftung zu entgehen, tauchte Rauschenplat in die Illegalität ab, wo er im Kampf gegen den NS-Terror erstmals den Namen "Fritz Eberhard" als Decknamen benutzte. Als Reichsleiter des ISK baute Eberhard ein Untergrund-Netzwerk auf. Die Aktivitäten umfassten Schulungen , Verbreitung von illegalen Schriften, Kontakte zur Widerstandsaktionen unterstützenden Internationalen Transportarbeiter-Föderation in Amsterdam und sogar die Planung eines Sprengstoffattentats auf Hitler. Bei Aufdeckung des Netzes durch die Gestapo 1937 gelang Eberhard die Flucht über Zürich und Paris nach London.

Im Exil in London trennte sich Eberhard wegen politischer Differenzen vom ISK und wurde Mitglied der Landesgruppe deutscher Gewerkschafter in Großbritannien. Er arbeitete publizistisch für ein zukünftiges Deutschland und betrieb u.a. zusammen mit Richard Löwenthal und Waldemar von Knoeringen 1940 bis 1942 den "Sender der Europäischen Revolution". Nach der Rückkehr nach Deutschland 1945 trat er wieder in die SPD ein und war bei denjenigen, die das öffentliche Leben in Stuttgart neu erweckten. 1947 wurde seine Namensänderung in "Fritz Eberhard" auch rechtlich anerkannt. Vom Juli 1945 bis Mai 1946 wirkte Eberhard als Programmberater des amerikanischen Senders "Radio Stuttgart". Vom November 1946 bis 1949 vertrat er die SPD im Landtag des damaligen Landes Württemberg-Baden. Im Januar 1947 wurde Eberhard von zum "Staatssekretär für die mit der Ausarbeitung eines Friedensvertrages zusammenhängenden Fragen" im Staatsministerium von Württemberg-Baden berufen, im April parallel dazu zum Leiter des "Deutschen Büros für Friedensfragen" beim Länderrat der amerikanischen Besatzungszone. Außerdem fand Eberhard auch noch Zeit, bis 1949 als Mitherausgeber der Monatszeitschrift "Stuttgarter Rundschau" zu fungieren. Im Oktober 1947 schloss er seine zweite Ehe mit Elisabetha Johanna Schaaf geschiedene Küstermeier.

Eberhards Engagement für den Wiederaufbau eines demokratischen Deutschland entsprach auch die Berufung in den Parlamentarischen Rat in Bonn 1948-1949, in dem Eberhard erhebliche Arbeit an völkerrechtlich und sozialpolitisch wichtigen Artikeln des Grundgesetzes leistete. Etwa zeitgleich mit der Gründung der Bundesrepublik endete Eberhards politische Karriere durch Niederlegung aller Ämter, da er im August 1949 zum Intendanten des Süddeutschen Rundfunks in Stuttgart gewählt wurde. Diese Funktion hatte er bis zu einer Wahlniederlage Ende 1958 inne. Eberhard setzte sich danach jedoch nicht zur Ruhe, sondern übernahm in einem völlig neuen Tätigkeitsabschnitt 1961 bis 1968 als Honorarprofessor die Leitung des Instituts für Publizistik an der Freien Universität Berlin. Er wirkte dabei an der Neuorientierung der Publizistikwissenschaft zu einer sozialwissenschaftlichen Fachdisziplin mit und bemühte sich, die Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Wissenschaft zu vertiefen. Noch im Alter von 84 Jahren zeigte Eberhard politisch Flagge, als er zusammen mit Helmut Gollwitzer im Juli 1981 in Berlin-Kreuzberg symbolisch in ein besetztes Haus einzog.

Ausgestattet mit zahlreichen Ehrungen starb Fritz Eberhard am 29.3.1982 in Berlin. 1997 wurde die "Fritz-Eberhard-Gesellschaft zur Förderung der Journalisten-Weiterbildung" gegründet.