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Wegbereiterinnen

Lore Agnes
	  © AdsD

Lore Agnes

1876-1953

Pazifistin und Sozialistin

Lore Agnes wurde 1876 in eine kinderreiche Bergarbeiterfamilie in Bochum hineingeboren. Der Vater starb früh und Lore musste sich als Dienstmädchen ihr Brot bald selbst verdienen und weit über ihre Kräfte arbeiten. Ihre einsamen Stunden im kalten Dachkämmerchen füllte sie mit Lesen aus. 1906 ging sie nach Düsseldorf und arbeitete an der Gründung des Verbandes der Hausangestellten mit. Mit Leidenschaft versuchte sie, die das Los der Dienstmädchen kannte, die Unterdrückten und Wehrlosen, die meist weder den Wert ihrer Arbeit, noch ihre Rechte kannten, zu organisieren. Früh schloss sie sich aus einer sozialistischen Überzeugung heraus der SPD an und arbeitete in den Kinderschutzkommissionen des Niederrheins sowie in der sich gerade formierenden Sozialdemokratischen Frauenbewegung mit. Mit Diskussionsbeiträgen beteiligte sie sich an allen größeren Frauenkonferenzen. Die Arbeiterwohlfahrt Düsseldorf ging wesentlich auf ihre Initiative zurück. Im inneren Richtungsstreit der SPD stand Lore Agnes auf dem linken Flügel. Ihre Vorbilder waren Clara Zetkin und Rosa Luxemburg, deren Thesen sie zu ihren eigenen machte. Als 1914 der Erste Weltkrieg seine Schatten warf, konnte sie es nicht fassen, dass es der Sozialistischen Internationale nicht gelang, das Ungeheuerliche zu verhindern. Nach einer Friedenskundgebung in Düsseldorf denunzierte der Oberbürgermeister Lore Agnes wegen ihrer engagierten Antikriegs-Rede als gefährliche Agitatorin und brachte sie so für einige Wochen ins Gefängnis. Sie blieb Pazifistin und verurteilte entschieden die Kriegspolitik der Mehrheit der SPD. 1917 schloss sie sich deshalb der neu gegründeten Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USPD) an. Bei ihrer Rückkehr von einer internationalen Frauentagung gegen den Krieg in Zürich wurde sie, da sie ohne Pass war, wiederum verhaftet und verurteilt. Nach der Gründung der Weimarer Republik war sie für die USPD Mitglied der Nationalversammlung und bis 1922 für die USPD und anschließend – nach deren Vereinigung mit der SPD – bis 1933 für die SPD Abgeordnete im Reichstag. Während der Zeit des Nationalsozialismus arbeitete sie im Untergrund, wurde 1933 inhaftiert und erst nachdem sie schwer krank geworden war, entlassen. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde sie erneut verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Ihren jüngsten Sohn verlor sie im Zweiten Weltkrieg. Als 1945 die SPD wieder gegründet wurde, war sie sofort dabei, fuhr zu Konferenzen, kassierte Beiträge und gehörte dem Düsseldorfer Stadtrat, dem Bezirksfrauenausschuss und den Bezirksvorständen von SPD und Arbeiterwohlfahrt an. Sie erkrankte während einer zentralen Frauentagung 1953 in Köln und starb wenige Tage später.

Text: Dr. Gisela Notz, Berlin

Lore Agnes im Online-Katalog der Bibliothek der FES