Neu erschlossene Quellen zur Geschichte des sozialdemokratischen Neubeginns in der DDR 1989/90 im AdsD -
Die Akten des Parteivorstands der SDP/SPD-DDR

 

Peter Gohle

1. Eckdaten der Geschichte der SDP/SPD-DDR 1989/90

Früher Entwurf eines Logos der SDP (Herbst 1989)

Am 7. Oktober 1989 gründeten die Pfarrer Markus Meckel 1 und Martin Gutzeit 2 sowie etwas über 40 weitere Personen, die ebenfalls ganz überwiegend aus dem Umfeld der evangelischen Kirche der DDR kamen, im Gemeindehaus von Schwante bei Oranienburg die Sozialdemokratische Partei der DDR (SDP)3. Dies geschah vor dem Hintergrund der tiefgreifenden, latenten ökonomischen, politischen und sozialen Krise der DDR, die im Sommer und Herbst 1989 in Gestalt der Massenflucht vor allem junger und qualifizierter Menschen durch den in Ungarn zunehmend durchlässigeren „Eisernen Vorhang“ sowie steigender Unruhe auf den Straßen der DDR – insbesondere in Leipzig und Dresden – manifest geworden war4. Das wäre nun im Kontext der zu diesem Zeitpunkt allgemein feststellbaren verbindlicheren Formierung und beginnenden Institutionalisierung der Opposition bzw. der Bürgerbewegung in der DDR5 zunächst nichts Außerordentliches gewesen, hätte die SDP-Gründung nicht einen besonderen und symbolträchtigen Zungenschlag gehabt6. Die Etablierung einer sozialdemokratischen Partei in der DDR griff den Machtanspruch der SED, der zu einem Gutteil auf der im April 1946 vollzogenen Zwangsvereinigung von SPD und KPD fußte, frontal an und stellte damit die Legitimität des SED-Regimes grundsätzlich in Frage. Zugleich unterschied sich die SDP von den anderen Neugründungen aus dem Umfeld der Bürgerbewegung, wie etwa dem Neuen Forum, durch den expliziten Anspruch, „Partei“ und eben nicht „Bewegung“ oder „Plattform“ zu sein. Im Herbst und Winter 1989/90 entwickelte sich diese zunächst überschaubare kleine Gruppe von Bürgerrechtlern schnell zu einem der Kristallisationspunkte und wichtigen politischen Akteure der Umwälzung in der DDR7. Die Formierung der SDP verlief freilich – nicht zuletzt aufgrund der miserablen Kommunikationsbedingungen in der DDR8 – auf der Vorstandsebene einerseits und an der Basis in den Bezirken und vor Ort andererseits in vielerlei Hinsicht voneinander autonom. Diese ersten und durchaus konfliktbeladenen Schritte zur tatsächlichen Parteibildung wurden Anfang Januar 1990 mit der Delegiertenkonferenz in Berlin und der symbolträchtigen Umbenennung der Partei in SPD abgeschlossen9.

 
Aufruf der Initiativgruppe "Sozialdemokratische Partei in der DDR", Informations- und Flugschriften, Juli / September 1989 (zum Vergrößern bitte anklicken)

Binnen dreier Monate hatte die „friedliche Revolution“ das SED-Regime beiseite gefegt, die vormalige Staatspartei in Agonie und partielle Auflösung gestürzt sowie die politische Teilhabe der Opposition und baldige freie Wahlen zur Volkskammer erstritten10. In einer Situation, in der alle politischen Akteure sich mühten, mit der galoppierenden Entwicklung Schritt zu halten, in der die alten Machthaber de facto nicht mehr in der Lage waren zu regieren und die Bürgerbewegung das noch nicht allein konnte oder wollte11, bildete der Runde Tisch das politische Forum zur Gestaltung des Übergangs und gleichzeitig das administrative Erprobungsfeld der Oppositionsgruppen12. Dieser Prozess mündete schließlich in die Beteiligung der verschiedenen Plattformen und entstehenden Parteien an der Übergangsregierung unter Hans Modrow13 (SED-PDS) Ende Januar 199014.

Die Ansetzung der Volkskammerwahl und der damit beginnende Wahlkampf führte zur Aufkündigung des ursprünglichen Oppositionsbündnisses durch die Ost-SPD15 und beschleunigte deren programmatische Festigung sowie die Organisationsbemühungen. Bei beiden Entwicklungen offenbarte sich der zunehmende Einfluss der West-SPD, zu der die Beziehungen, zumal im Hinblick auf die Logistik, nun immer fester geknüpft wurden16.

Mit der West-SPD im Rücken und ihrem ebenso charismatischen wie – was sich erst später zeigen sollte – zwiespältigen Spitzenkandidaten Manfred „Ibrahim“ Böhme17 galt die SPD-DDR im Frühjahr 1990 in allen Meinungsumfragen als die sichere Siegerin des kommenden Urnenganges18. Für einen kurzen Moment schien der – im Oktober 1989 noch durchaus hybride – Griff nach der Macht nicht nur möglich, sondern auch realistisch. Unter diesem Vorzeichen stand schließlich auch der im Februar 1990 in Leipzig abgehaltene Wahlparteitag19.

Nach der verlorenen Volkskammerwahl etablierte sich die SPD-DDR als zweite Kraft mit weitem Abstand hinter der gewendeten Blockpartei CDU im Parteiensystem der DDR, das sich im Großen und Ganzen nach westlichem Vorbild formierte. Der 18. März 1990 und die Zeit unmittelbar danach stellt freilich in vielerlei Hinsicht eine Zäsur in der noch jungen Geschichte der SPD-DDR dar. Zum einen stutzte das Wahlergebnis von 21,9 % die Partei auf ein – gemessen an den hochgespannten Erwartungen – durchaus dürftiges Mittelmaß zurück20. Gleichzeitig beraubte der durch Stasi-Verstrickungen verursachte Rücktritt Ibrahim Böhmes von allen Ämtern die Ost-SPD ihrer Galionsfigur21. Dadurch entstand nicht nur in der öffentlichen Wahrnehmung ein Führungsvakuum, das Markus Meckel als Interimsvorsitzender zu füllen versuchte22. Bei der schwierigen Suche nach einer neuen Rolle der Ost-SPD im politischen Gefüge der Noch-DDR taten sich tiefe innerparteiliche Gräben auf, die sich vor allem in der Diskussion um einen Eintritt in die Regierungskoalition manifestierten23. Zwar obsiegten hier bald die Pragmatiker um Meckel, Gutzeit und den Fraktionsvorsitzenden Richard Schröder24, die der Partei durch die Regierungsbeteiligung ein Mindestmaß an politischer Mitsprache in dem sich nun immer deutlicher abzeichnenden deutschen Einigungsprozess sichern und sie gleichzeitig vor einer in ihren Augen verhängnisvollen Nähe zur PDS auf den harten Oppositionsbänken bewahren wollten25. Es wurde freilich bald klar, dass die christdemokratisch geführte letzte DDR-Regierung unter Lothar de Maizière26 den Vorstellungen der Bundesregierung unter Helmut Kohl (CDU), die den politischen und institutionellen Prozess hin zur deutschen Einheit in weiten Teilen dominierte, recht umfassend würde entgegenkommen müssen27. Aus gesamtdeutscher Perspektive ergab sich für die SPD daraus der höchst problematische Spagat, einerseits in Ost-Berlin Regierungsverantwortung zu tragen und schmerzhafte Entscheidungen auch gegen den ursprünglichen Koalitionsvertrag mit vertreten zu müssen, andererseits aber in Bonn in der Opposition eigenständiges Profil zu zeigen28.

Insofern blieb die Regierungsarbeit der SPD auch angesichts des erneut enttäuschenden Ergebnisses der Kommunalwahlen in Mai 1990 im Fokus der Kritik des linken Parteiflügels, der dem Führungspersonal nicht nur Profilierungssucht, sondern auch immer wieder die Preisgabe sozialdemokratischen Kerngedankenguts vorwarf29. Diese Spannungen entluden sich nicht zuletzt im Juni 1990 auf dem Sonderparteitag in Halle30, wo mit der Wahl des erst im Januar 1990 vom Neuen Forum zur SPD gestoßenen stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Thierse31 zum Parteichef der Gründerkreis von der Basis einmal mehr einen Dämpfer versetzt bekam32.

Nach dem Bruch der Koalition33 im August 1990 galt es, sowohl die Volkskammerfraktion als auch die Partei auf die unmittelbar bevorstehende deutsche Einheit vorzubereiten. Für die Volkskammerfraktion bedeutete dies die Aushandlung und Verabschiedung des Wahlvertrags sowie die Auswahl sozialdemokratischer Abgeordneter für den gesamtdeutschen Bundestag34. Auf der Ebene des Parteivorstandes lag das Hauptaugenmerk der Arbeit in den letzten Wochen der DDR auf der organisatorischen Vorbereitung der Einheit der deutschen Sozialdemokratie in den dafür eingerichteten gemeinsamen Gremien. Besondere Probleme stellten hierbei die angemessene Repräsentation der bei weitem mitgliederschwächeren Ost-SPD in der Gesamtpartei sowie die Verknüpfung der in etlichen Aspekten unterschiedlichen politischen und innerparteilichen Kulturen dar35. Der Vereinigungsparteitag fand zunächst getrennt und dann im gemeinsamen Plenum Ende September 1990 in Berlin statt36.

Die anstehenden Landtagswahlen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR im Oktober und die ersten gesamtdeutschen Bundestagswahlen im Dezember 1990 erforderten schließlich in recht knapp bemessener Zeit sowohl die personelle, organisatorische und logistische Stabilisierung der Ost-Landesverbände37 als auch die politische und programmatische Integration der ostdeutschen Genossen in das Wahlkampfkonzept der SPD mit dem Kanzlerkandidaten Oskar Lafontaine38. Beides gelang aus vielerlei Gründen nur unzureichend, was sich nicht zuletzt in für die Sozialdemokratie überwiegend unbefriedigenden Wahlergebnissen niederschlug39.

2. Zur Organisationsgeschichte des Parteivorstands der SDP/SPD-DDR

Gründungsversammlung der SDP am 7. Oktober 1989 in Schwante / Oranienburg

Auf dem Gründungstreffen in Schwante am 7. Oktober 1989 wählte die Versammlung einen 16-köpfigen geschäftsführenden Vorstand40 mit Stephan Hilsberg41 als erstem Sprecher und Markus Meckel sowie Angelika Barbe42 als Stellvertreter/in. Geschäftsführer43 wurde Ibrahim Böhme und Schatzmeister Gerd Döhling44. Dem Vorstand gehörten des Weiteren Martin Gutzeit, Steffen Reiche45, Arndt Noack46, Konrad Elmer47, Simone Manz48, Stefan Finger49, Joachim Hoffmann50, Rainer Hartmann51, Reiner Rühle52, Frank Bogisch53 und Sabine Leger54 an. Das Gremium agierte in der Frühzeit zunächst in doppelter Hinsicht in fast luftleerem Raum: Kennzeichnend hierfür waren einerseits die oben schon erwähnten schlechten Kommunikations- und Infrastrukturbedingungen, andererseits aber auch eine zunehmend überbordende Arbeitsbelastung bei gleichzeitig rudimentärer Organisation und räumlicher Ausstattung. Der Vorstand tagte55 zunächst in den Räumlichkeiten der Evangelischen Studentengemeinde (ESG) Berlin bzw. der Elisabethkirche oder der Privatwohnung von Markus Meckel in der Nähe von Magdeburg. Symptomatisch für die Bedingungen der SDP-Vorstandsarbeit dieser Tage ist die hektische Betriebsamkeit der handvoll Mitglieder des Vorstands, wie sie in diversen Abhörprotokollen und Berichten

Gründungsversammlung der SDP am 7. Oktober 1989 in Schwante / Oranienburg

des MfS57 und Terminplänen des Vorstands offenbar wird. Manche hetzten buchstäblich durch die gesamte DDR, einerseits um den Kontakt zu SDP-Basisgruppen herzustellen und andererseits um eine Vielzahl von Veranstaltungen, Versammlungen oder nächtlichen Sitzungen zu bestreiten. Immerhin erhielt die SDP um die Jahreswende 1989/90 Räumlichkeiten der Nationalen Front in der Otto-Grotewohl-Straße als einstweilige Geschäftsstelle zugewiesen58. Ein recht plastisches Bild der Arbeitsumstände des Winters 1989/90 zeichnete Olaf R. Spittel, zeitweiliger Pressesprecher der SDP, in einem Memorandum von Januar 1990, in dem er dem Vorstand mit drastischen Worten ins Stammbuch schrieb:

Statut der SDP, Faltblatt, Herbst 1989, Seite 1

- Alle Vorstandsmitglieder müssen ausschließlich für ihre politische Arbeit zur Verfügung stehen, dies allerdings am gesamten Arbeitstag. Wir sind keine Feierabendpartei.
- Alle Vorstandsmitglieder sind im Regelfall in der Geschäftsstelle anwesend bzw. hinterlassen, wo sie erreichbar sind.
- In Wahlkampfzeiten muß morgens eine kurze Lagebesprechung stattfinden.
- Die Zeitdauer für Sitzungen wird drastisch verkürzt durch Disziplinierung und Konzentration auf das Wesentliche. Wer die dafür notwendige Selbstdisziplin nicht aufbringen kann, ist für eine Vorstandsarbeit nicht geeignet. Sinnvolle Methoden der Kommunikation sind zu erlernen.
- Nachtsitzungen unterbleiben.
- Freizeit und Zeit für die körperliche und psychische Regeneration muß garantiert sein. Gesundheit und das Wohl jedes Menschen als Forderung und sozialer Wert schließt auch uns selbst ein.
- Technische und Verwaltungsarbeit muß ausschließlich von Mitarbeitern bewältigt werden, die Profis im Bürobereich sind. Diese müssen schnellstens gefunden und eingestellt werden.
- Der gesundheitliche Raubbau und die permanente Selbstausbeutung aller "für eine gute Sache" muß sofort beendet werden. Anderenfalls wird die Qualität unserer Arbeit seriösen Anforderungen nicht genügen können und - wie momentan der Fall - zur Schlamperei und zum Dilettantismus führen. Nur in sinnvoll bemessener Arbeitszeit ist gute Arbeit zu leisten.
- Der Vorstand muß lernen, anfallende Probleme zur Lösung zu delegieren und nicht zu versuchen alles selbst zu lösen.
- Unser Bild in der Öffentlichkeit wird bislang noch dadurch geprägt, wir würden uns totarbeiten ‑ und werden dies künftig auch von anderen verlangen. Ebenso müssen dringend die Umgangsformen des Vorstandes verbessert werden. Sitzungen in dreckigen Räume in verqualmter Luft (welche Rücksichtslosigkeit gegen Nichtraucher und ein Hohn auf unsere Prinzipien der Ökologie und des Gesundheitsschutzes!) sind vielleicht für eine anarchosyndikalistische Splittergruppe möglich, nicht aber für eine sozialdemokratische Partei.
- Das äußere Erscheinungsbild einzelner Vorstandsmitglieder in der Öffentlichkeit ist katastrophal und parteischädigend. [...]
- Ich wage zu behaupten, daß nicht alle Sachgebiete im Vorstand bislang mit kompetenten Fachleuten besetzt sind, die regierungs- und in der Gesellschaft mehrheitsfähige Standpunkte glaubwürdig vertreten können. Auch die Kompetenz einiger als "Berater" der Partei auftretender Personen ist hier gemeint.“59

Wirkliche Besserung trat erst ein, als ab Januar die materielle, organisatorische und logistische Hilfe aus dem Westen langsam zu fließen begann60. Hierbei spielten sowohl die Einrichtung des Kontaktbüros von Gerhard Hirschfeld zunächst in West-Berlin, dann direkt beim Parteivorstand-Ost eine Rolle, als auch die Abordnung von erfahrenen Bürokräften aus Bonn, wie etwa Ute Dauß und Ursula Vollert61. Etliche Aspekte der Vorhaltungen Spittels machte auch Jürgen Itzfeld vom Büro Hirschfeld im Januar zum Thema einer entsprechenden Vorlage für den Vorstand62. Mit dem Umzug in die Rungestraße im Februar 199063 und die Straffung der Geschäftsführung geriet die Vorstandsarbeit langsam wenn schon nicht in ruhigeres Fahrwasser, so doch zumindest in strukturiertere Bahnen.

Bereits im Herbst 1989 hatte der Parteivorstand versucht, den steigenden politischen Anforderungen gerecht zu werden, indem er Ansprechpartner für verschiedene Politikbereiche benannte, um die sich Arbeitsgruppen formieren sollten – gleichsam Ansätze von Fachreferaten64. Diese Verantwortlichkeitsbereiche differenzierten sich bis Anfang März 1990 noch erheblich aus65:

1. Allgemeine Verantwortungsbereiche

I.

Wirtschaft

Frank Bogisch

II.

Finanzen, Währung

N.N.

III.

Landwirtschaft

Sabine Leger, Gottfried Timm, Rüdiger Natzius, Christine Rudolph

IV.

Ökologie

Energie

Christine Rudolph, Frank Bogisch

Johannes Gerlach

V.

Außenpolitik

Frank Bogisch, Frank Terpe, Karl August Kamilli, Ibrahim Böhme, Christoph Matschie, Martin Gutzeit, (?) Schellin, Johannes Gerlach, Markus Meckel

VI.

Sicherheitspolitik/Abrüstung

Johannes Gerlach, Edelbert Richter, Karl August Kamilli, (?) Kühn, Martin Gutzeit, Rüdiger Natzius, (?) Schellin, Markus Meckel

VII.

Entwicklungspolitik

Markus Meckel, Steffen Reiche, Christoph Matschie, Christine Lucyga, Susanne Seils, Rüdiger Natzius

VIII.

Sozialistische Internationale

Steffen Reiche, Ibrahim Böhme, Angelika Barbe, Rüdiger Natzius, Stefan Finger

IX.

Deutschlandfragen

Christine Rudolph, Karl August Kamilli, (?) Kühn, Martin Gutzeit, Steffen Reiche, Frank Terpe

X.

Innenpolitik

  • Verfassung
  • Innere Sicherheit
  • Verwaltung

Martin Gutzeit, (?) Schellin

Martin Gutzeit

N.N.

Martin Gutzeit, (?) Machalett, Ibrahim Böhme, Susanne Seils, Karl August Kamilli

XI.

Recht und Justiz

Susanne Seils

XII.

Wissenschaft, Hochschulpolitik

Christine Rudolph, (?) Becker, Konrad Elmer, Stephan Hilsberg, Frank Terpe

XIII.

Bildung und Erziehung

Angelika Barbe, Konrad Elmer

XIV.

Familie, Jugend, Kinder

  • Rentner, Ältere

Angelika Barbe, (?) Künast, Joachim Hoffmann

Joachim Hoffmann, Hinrich Kuessner, Angelika Barbe, Johannes Gerlach

XV.

Gleichstellung Mann/Frau

Angelika Barbe, Christine Lucyga, Joachim Hoffmann

XVI.

Ausländer

Aigali Dshunussow, Angelika Barbe, Christoph Matschie, Christine Lucyga, (?) Richter

XVII.

Sozialpolitik

  • Arbeit

Hinrich Kuessner, Simone Manz

(?) Machalett, Gottfried Timm, Karl August Kamilli

XVIII.

Gewerkschaften

Thomas Schmidt, (?) Richter

IXX.

Sport

(?) Becker

XX.

Kultur

Christoph Matschie, Marie-Elisabeth Lüdde, Ibrahim Böhme, Stephan Hilsberg

XXI.

Gesundheitspolitik

Simone Manz, (?) Künast

XXII.

Medienpolitik

(?) Becker

XXIII.

Parlamentarische Arbeit

Martin Gutzeit, Reinhard Höppner, Frank Terpe, (?) Schellin

XXIV.

Kommunalpolitik

(?) Kühn

XXV.

Städte- und Wohnungsbau,

Territorialplanung

Gottfried Timm, Sabine Leger

XXVI.

Religiöse Fragen

Steffen Reiche

2. Verantwortungsbereich Parteiarbeit

I.

Struktur

  • Kontakte Bezirke/Länder

Stephan Hilsberg, (?) Richter

Konrad Elmer, Stephan Hilsberg

II.

Innerparteiliche Statutfragen

Susanne Seils

III.

Sozialdemokratische Veteranen

Ibrahim Böhme

IV.

Presse - Öffentlichkeitsarbeit

Steffen Reiche

Diese Aufstellung ist jedoch nur eine exemplarische Momentaufnahme, denn es gab offenbar, wie u.a. aus den Auszeichnungen von Zuschriften66 hervorgeht, bei den jeweiligen Zuständigkeiten immer wieder Verschiebungen. Nach dem 18. März 1990 waren überdies viele hier genannte Personen durch ein Mandat in der Volkskammer67 anderweitig gebunden, sodass sie wohl der Vorstandsarbeit nicht mehr unmittelbar zur Verfügung standen.

Als Vorbilder für den Aufbau des Parteivorstandes dienten offensichtlich Muster-Organigramme und Personalpläne der West-SPD68. Es ist freilich aus den überlieferten Restakten nicht klar nachzuvollziehen, wie die Struktur schließlich genau definiert wurde. Wahrscheinlich ist, dass die Organisation, nicht zuletzt aufgrund einer gewissen Personalfluktuation und nicht immer klar abgegrenzter Kompetenzen69, immer ein wenig in Bewegung war.

Für die Geschäftsstelle in der Rungestraße lässt sich folgende Struktur nachweisen70: Hier sind zunächst die Büros des Parteivorsitzenden – in der Folge Böhme, Meckel und Thierse – sowie seiner Stellvertreter/innen – Kamilli, Meckel und Barbe - zu nennen. Jedes war laut Stellenplan vom Mai 199071 mit einem Referenten und einer Sekretärin ausgestattet. Die Büroorganisation des Vorsitzenden besorgte ab der Jahreswende 1989/90 Ursula Vollert72. Sie kam direkt vom SPD-Parteivorstand in Bonn, wo sie sich in den Büros von Ulrich Klose und Hans-Jochen Vogel ihre Sporen verdient hatte. Sie war, so Sturm, äußerst resolut und „galt als Geheimwaffe vom Rhein“73. Ihre Tätigkeit als IM des MfS seit 1973 wurde erst im Laufe der 1990er Jahre bekannt. Das Amt des Geschäftsführers mit seinen vielfältigen und überwölbenden Aufgaben bekleideten nacheinander Böhme, Hilsberg und schließlich Detlef von Schwerin. Der Stellenplan weist für das Büro des Geschäftsführers74 einen Referenten, zwei Sekretärinnen, zwei Justitiare sowie eine Sachbearbeiterin für die Mitgliederregistratur aus. Das Vorstandsbüro war mit einem Büroleiter, seinem persönlichen Mitarbeiter und einer Sekretärin besetzt. Im Vorstandsekretariat hatte Ute Dauß – ebenfalls ein „Westimport“ – u.a. die Terminplanung, die Protokollführung für Vorstand, Geschäftsführenden Ausschuss und Präsidium, die Führung der Korrespondenz des Geschäftsführers sowie diverse andere Koordinierungs- und Verwaltungsaufgaben zu erledigen75. Das Referat Politische Planung76 wurde von Christoph Matschie77 geleitet. Es beinhaltete – so zumindest die Planung von Mai 1990 – jeweils vier Referentenstellen und Sekretärinnen sowie einen zusätzlichen Mitarbeiter. Das Internationale Sekretariat, das v.a. für die Kontakte zu anderen sozialdemokratischen und sozialistischen Parteien sowie zur Sozialistischen Internationale zuständig war, wurde von Stefan Finger und Elke Windisch betreut. Ihnen war eine Sekretärin beigeordnet. Der Bereich Public Relations war viergeteilt in eine Pressestelle, die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, die Abteilung Wahlkampf und Organisation sowie das Referat Veranstaltungen und Kongresse78. In der Pressestelle waren insgesamt fünf Mitarbeiter tätig: der Pressesprecher, dessen Stellvertreter, ein zusätzlicher Mitarbeiter sowie zwei Sekretärinnen. Ihre Aufgabe war zunächst die Gestaltung der Pressearbeit nach außen, die Zusammenstellung von Pressespiegeln sowie Information und Dokumentation. Als ersten Pressesprecher der SDP hatte der Vorstand noch im Herbst 1989 Steffen Reiche benannt. Auf ihn folgten recht kurz hintereinander Anfang 1990 Olaf R. Spittel und Günter Krug. Schließlich bekleidete Jürgen Itzfeld diesen Posten. Der Bereich Öffentlichkeitsarbeit hatte insgesamt drei Mitarbeiter und wurde im Mai 1990 von Klaus Ballin geleitet. Für das Wahlkampfbüro, für das Uwe Walnsch verantwortlich zeichnete, waren insgesamt fünf Mitarbeiter vorgesehen. Detlef Behrendt schließlich stand dem Referat Veranstaltungen und Kongresse vor. Als erster Schatzmeister war im Oktober 1989 Gerd Döhling gewählt worden. Später übernahm das Amt Hinrich Kuessner79. Ihm waren insgesamt acht Mitarbeiter, ein Stellvertreter, eine Sekretärin, jeweils zwei Finanzbuchhalter und Revisoren sowie zwei Sachbearbeiter für die Personalverwaltung zugeteilt80. Das Büro des Gewerkschaftsbeauftragten war unter der Leitung von Thomas Schmidt81 mit insgesamt vier Mitarbeitern besetzt82. Hinzu kamen zu guter Letzt noch 13 Personen in der allgemeinen Verwaltung und im technischen Dienst83.

Von diesem relativ großen hauptamtlichen Apparat der Ost-SPD konnte nach der Parteivereinigung Ende September 1990 nur ein Teil übernommen werden84. Die Büros in der Rungestraße wurden Ende 1990 aufgelöst.

3. Zu Bestandsgeschichte, Erschließung, Bewertung und Provenienzbereinigungen

Gründungsurkunde der SDP, 7. Oktober 1989 (zum Vergrößern bitte anklicken)

Der Bestand wurde in mehreren Teilabgaben in den Jahren 1990 bis 1996 im Zuge und nach der Auflösung des Vorstandsbüros in der Rungestraße Berlin vom AdsD übernommen85. Der Gesamtumfang betrug ursprünglich rund 28 lfm., hiervon 18 lfm. in Aktenordnern und 10 lfm. loses und völlig ungeordnetes Schriftgut. Es handelte sich um Teile der Registratur des SDP/SPD-Parteivorstandes bzw. der Geschäftsstelle und einiger ihrer Organisationsteile aus der Zeit von Oktober 1989 bis November 1990. Hinzu kamen noch einige wenige Unterlagen aus der Gründungsphase von Juli bis Oktober 1989 u.a. aus dem Besitz von Peter Hilsberg, dem Pfarrer der Golgatha-Gemeinde Berlin und Vater von Stephan Hilsberg. Die Überlieferungsdichte ist leider uneinheitlich, was einerseits natürlich zuallererst den turbulenten Ereignissen und der rasanten Geschwindigkeit der politischen Entwicklung 1989/90 geschuldet ist. Andererseits aber haben wichtige Akteure der SDP/SPD-DDR ihre Ablagen nach der Auflösung des Vorstandsbüros im Zuge der Parteivereinigung und danach an sich genommen86. Insofern sind gut bis zufriedenstellend lediglich die Akten des Vorstandssekretariats, der Büros von Karl August Kamilli87, Thomas Schmidt und Gottfried Timm88 sowie des Büros des Geschäftsführers89, des Internationale Sekretariats, des Wahlkampfbüros und der Pressestelle überliefert. Nicht oder nur fragmentarisch im Bestand enthalten sind die Akten der übrigen Vorstandsbüros, etwa von Gründungsmitgliedern (Martin Gutzeit90, Angelika Barbe, Steffen Reiche, Frank Bogisch u.a.) oder die Ablagen der Büros der Parteivorsitzenden (Ibrahim Böhme91, Markus Meckel92 und Wolfgang Thierse93).

Der Bestand befand sich bei Beginn des Erschließungsprojektes in einem insgesamt desolaten Zustand. Bei der archivischen Bearbeitung war es insofern unumgänglich, Provenienzzusammenhänge zu rekonstruieren und erhebliche Umgruppierungen und Neuordnungen vorzunehmen. Die Provenienzanalyse wurde freilich durch nur rudimentäre aktenkundlich fassbare Bearbeitungsspuren erschwert. Für die genuinen Unterlagen des Vorstandes der SDP/SPD-DDR und seiner Organisationseinheiten ging es um eine möglichst vollständige Rekonstruktion der ursprünglichen Registratur, soweit es die Überlieferungslage zuließ, bei gleichzeitiger Vermeidung von inneren Redundanzen.

   
Vorläufige Mitgliedskarte der SDP, Herbst 1989

Die ursprüngliche Umfangsangabe von 28 lfm. war insbesondere durch die in den meisten Fällen weit unter Fassungsvermögen gefüllten Aktenordner irreführend. Das nach der Bewertung im Bestand verbleibende Schriftgut umfasst nach Kassation und Umbettung nun etwa 10 lfm. Hinzu kommen Abgaben von etwas mehr als 2 lfm.

Im ursprünglichen Bestand befand sich etwas mehr als 1 lfm. provenienzfremdes Material. Es handelt sich hierbei um Schriftgut des Berliner Büros bzw. des Kontaktbüros Gerhard Hirschfeld des SPD-Parteivorstandes (West) mit Bezug auf die SDP/SPD-DDR, das dem entsprechenden Bestand zugeschlagen wurde. Dubletten von Flugblättern und Kleinschriften der unterschiedlichen Organisationsebenen der Ost-SPD im Umfang von rund 0,1 lfm. sowie einige wenige Plakate wurden an die Flugblatt- bzw. Plakatsammlung, überzählige Exemplare von Veröffentlichungen, Druckschriften, Zeitungen etc. der Ost-SPD sowie sonstige graue Literatur, Zeitschriften und Zeitungen vor allem aus DDR-Provenienz im Umfang von rund 1 lfm. an die Bibliothek abgegeben.

Der Bestand unterliegt einer grundsätzlichen Schutzfrist von 20 Jahren, die jedoch für wissenschaftliche Zwecke auf Antrag verkürzt werden kann.

 


1 Markus Meckel; geb. 18.08.1952 in Müncheberg bei Frankfurt/Oder; ev. Pfarrer; 1990 kommissarischer Vorsitzender der Ost-SPD; 1990 MdV und Minister für Auswärtige Angelegenheiten im Kabinett de Maizière; seit 1990 MdB.

2 Martin Gutzeit; geb. 30.04.1952 in Cottbus; ev. Pfarrer; 1990 MdV und MdB; parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion; seit 1993 Berliner Landesbeauftragter für die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit der ehemaligen DDR.

3 Vgl. Gründungsurkunde v. 07.09.1989, Archiv der sozialen Demokratie (künftig: AdsD) SDP/SPD-DDR Vorstand, Bd. 2; zur Gründungsgeschichte und weiteren Entwicklung der SDP/SPD-DDR vgl. zusammenfassend u.a.: Gero Neugebauer: Die SDP/SPD in der DDR: Zur Geschichte und Entwicklung einer unvollendeten Partei, in: Oskar Niedermayer, Richard Stöss (Hg.): Parteien und Wähler im Umbruch. Parteiensystem und Wählerverhalten in der ehemaligen DDR und den neuen Bundesländern, Opladen 1994 sowie Wolfgang Gröf : "In der frischen Tradition des Herbstes 1989": die SDP/SPD in der DDR. Von der Gründung über die Volkskammerarbeit zur deutschen Einheit (= Beiträge aus dem Archiv der Sozialen Demokratie Bd. 1), 3. Aufl., Bonn 1996.

4 Vgl. hierzu etwa: Karsten Timmer: Vom Aufbruch zum Umbruch. Die Bürgerbewegung in der DDR (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft Bd. 142), Göttingen 2000, S. 79 ff.

5 Vgl. hierzu Ehrhart Neubert: Geschichte der Opposition in der DDR 1949 – 1989 (= Forschungen zur DDR-Gesellschaft), Bonn 2 1998, S. 825ff.

6 Zum Folgenden vgl. Daniel Friedrich Sturm: Uneinig in die Einheit. Die Sozialdemokratie und die Vereinigung Deutschlands (= Willy-Brandt-Studien), Bonn 2006, S. 122ff.

7 Vgl. ebd.

8 Vgl. Neugebauer, a.a.O., S. 81.

9 Vgl. Gröf, a.a.O., S. 17.f; Sturm, a.a.O., S. 262ff.

10 Vgl. Neubert, a.a.O., S. 825ff.

11 Vgl. Neugebauer, a.a.O., S. 82ff.

12 Zum Runden Tisch vgl. zusammenfassend: Wolfgang Jäger: Die Überwindung der Teilung (= Geschichte der deutschen Einheit Bd. 3), Stuttgart 1998, S. 369ff; Helmut Herles, Ewald Rose (Hg.): Vom Runden Tisch zum Parlament (= Bouvier Forum Bd. 5); Gröf, a.a.O., S. 22ff.

13 Hans Modrow; geb. 27.01.1928 in Jasenitz (Pommern); 1973 – 1989 Erster Sekretär der SED-Bezirksleitung Dresden; 1989/90 Vorsitzender des Ministerrats der DDR; 1990 MdB; 1999 – 2004 MdEP; Ehrenvorsitzender der PDS.

14 Vgl. Gröf, a.a.O., S. 25f.

15 Ansätze dafür zeigten sich schon auf der Delegiertenkonferenz Anfang Januar 1990. Vgl. Sturm, a.a.O., S. 263 & 267; Neugebauer, a.a.O., S. 82f.

16 Vgl. ebd. S. 269ff.

17 Manfred „Ibrahim“ Böhme; geb. 18.11.1944 in Leipzig; Gest. 22.11.1999 in Neustrelitz; Maurer und später Historiker und Theaterwissenschaftler; 1967 – 1976 Mitglied der SED; seit 1968 IM des MfS; 1990 Vorsitzender der Ost-SPD; 1990 MdV und zeitweiliger Fraktionsvorsitzender der SPD; 1990 Polizeibeauftragter des Magistrats von Berlin; 1992 Ausschluss aus der SPD. Zu Ibrahim Böhme vgl. Birgit Lahann: Genosse Judas. Die zwei Leben des Ibrahim Böhme, Reinbek bei Hamburg 1994.

18 Vgl. Gröf, a.a.O., S. 30, v.a. FN 35.

19 Vgl. hierzu: Sturm, a.a.O., S. 282ff.

20 Vgl. ebd., S. 311ff.

21 Vgl. ebd., S. 319ff.

22 Vgl. ebd., S. 329.

23 Vgl. ebd., S. 332ff; Neugebauer, a.a.O., S. 89f.

24 Richard Schröder; geb. 26.12.1943 in Frohburg (Sachsen); ev. Theologe; 1990 MdV und Fraktionsvorsitzender der SPD; 1990 MdB; seit 1991 Lehrtätigkeit an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin; seit 1993 Verfassungsrichter des Landes Brandenburg; seit 2001 Mitglied des Nationalen Ethikrates.

25 Vgl. Sturm, a.a.O., S. 334f.

26 Lothar de Maizière; geb. 02.03.1940 in Nordhausen; Musiker und später Rechtsanwalt; seit 1956 Mitglied der Ost-CDU und 1989/90 deren Vorsitzender; 1990 MdV und Ministerpräsident der DDR; 1990 – 1991 stellvertretender Vorsitzender der gesamtdeutschen CDU; 1990 – 1994 MdB.

27 Zum Wechselspiel der beiden deutschen Regierungen im Einigungsprozess und zu der Aushandlung der Staatsverträge vgl. Dieter Grosser: Das Wagnis der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion (= Geschichte der deutschen Einheit Bd. 2), Stuttgart 1998

28 Vgl. Neugebauer, a.a.O., S. 90f.

29 Vgl. Sturm, a.a.O., S. 337 & 342. V.a. Richard Schröder wurde bisweilen vorgehalten, „eine bessere CDU-Politik, als diese selbst zu vertreten“. Neugebauer, a.a.O., S. 93.

30 Vgl. ebd.; Neugebauer, a.a.O., S. 89ff.

31 Wolfgang Thierse; geb. 22.10.1943 in Breslau; Literatur- und Kulturwissenschaftler; 1989/90 zunächst Mitglied im Neuen Forum dann SPD; 1990 MdV und stellvertretender Fraktionsvorsitzender; 1990 Vorsitzender der Ost-SPD; seit 1990 MdB; 1998 – 2005 Präsident des Deutschen Bundestags.

32 Vgl. Sturm, a.a.O., S. 345ff.

33 Vgl. ebd. S. 352ff.

34 Vgl. Gröf, a.a.O., S. 49ff.

35 Vgl. Sturm, a.a.O., S. 377ff; Neugebauer, a.a.O., S. 93f.

36 Vgl. ebd., a.a.O., 381ff.

37 Vgl. Neugebauer, a.a.O., S. 93f.

38 Vgl. dazu insgesamt: Sturm, a.a.O., 355ff; Neugebauer, a.a.O., S. 93ff.

39 Vgl. Neugebauer, a.a.O., S. 93ff.

40 Vgl. Protokoll der Gründungsversammlung mit Ergänzung von Martin Gutzeit, AdsD Depositum Martin Gutzeit, Materialien zur Entstehung und Geschichte der SDP/SPD, Bd. 1.

41 Stephan Hilsberg; geb. 17.02.1956 in Müncheberg; Informatiker; 1989 Erster Sprecher der SDP; 1990 Geschäftsführer der Ost-SPD; 1990 MdV; seit 1990 MdB; 2000 – 2002 Parlamentarischer Staatssekretär.

42 Angelika Barbe; geb. 26.11.1951 in Brandenburg a. d. Havel; Biologin 1989/90 stellvertretende Vorsitzende der SDP bzw. Ost-SPD; 1990 MdV; 1990 – 1994 MdB; 1996 Übertritt zu CDU; seit 2000 Mitarbeiterin der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung.

43 Ende Oktober wurde Martin Gutzeit, vermutlich wegen der latent schlechten Erreichbarkeit von Ibrahim Böhme, zum stellvertretenden Geschäftsführer bestellt. Protokoll der Vorstandssitzung v. 29.10.1989, AdsD Depositum Martin Gutzeit, Materialien zur Entstehung und Geschichte der SDP/SPD, Bd. 2.

44 Gerd Döhling, geb. 1957; Bauleiter, 1988 Mitglied des Ökologiekreises Staßfurt; 1989/90 Schatzmeister der SDP/SPD.

45 Steffen Reiche; geb. 27.06.1960 in Potsdam; Tischler dann ev. Pfarrer; 1990 MdV; 1990 – 2005 MdL Brandenburg 1990 – 2000 Vorsitzender der SPD Brandenburg; 1994 – 1999 Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur und von 1999 – 2004 Minister für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg; seit 2005 MdB.

46 Arndt Noack; geb. 02.10.1951; 1989 ev. Studentenpfarrer in Greifswald; heute Pfarrer in Benz (Usedom).

47 Konrad Elmer; geb. 09.02.1949 in Bad Berka; ev. Pfarrer; Dozent für Philosophie und Theologie am Paulinum Berlin; 1990 MdV; Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Wissenschaft; 1990 – 1994 MdB.

48 Simone Manz, geb. 07.01.1961, Zahnärztin.

49 Stefan Finger, geb. 11.07.1963, 1989/90 Internationaler Sekretär der SDP/SPD-DDR.

50 Joachim Hoffmann, geb. 13.06.1959, Zahnarzt, Mitglied der Gruppe „Hoffnung für Nicaragua“ in Jena.

51 Rainer Hartmann; geb. 1953, ev. Pfarrer in Thüringen; Mitglied des Arbeitskreises Solidarische Kirche.

52 Reiner Rühle; geb. 1961; Vikar in Berlin; Mitglied der Initiative Frieden und Menschenrechte.

53 Frank Bogisch; geb. 05.05.1956 in Wittenberge; Ingenieur/Ausstellungstechniker; Mitglied der „Arche“ und der Initiative Frieden und Menschenrechte, 1990 MdV stellvertretender Fraktionsvorsitzender und wirtschaftspolitischer Sprecher; 2000 Unternehmer im Mansfelder Land.

54 Sabine Leger; geb. 22.05.1960 in Jena; Landschaftsarchitektin.

55 Vgl. Protokolle der Vorstandssitzungen im Oktober, AdsD Depositum Martin Gutzeit, Materialien zur Entstehung und Geschichte der SDP/SPD, Bd. 2.

57 Vgl. AdsD Depositum Martin Gutzeit, Materialien zur Entstehung und Geschichte der SDP/SPD, Bd. 2.

58 Vgl. Sturm, a.a.O, S. 268.

59 Memorandum Olaf R. Spittel v. 21.01.1990, AdsD Sozialdemokratische Partei in der DDR - SDP/SPD Parteivorstand 2/SDPA000270.

60 Vgl. Sturm, a.a.O., S. 272ff

61 Vgl. ebd. S. 166; vgl. auch Martin Gutzeit: Notizen zu einem Treffen mit Gerhard Hirschfeld am 28.12.1989, AdsD Depositum Martin Gutzeit, Materialien zur Entstehung und Geschichte der SDP/SPD, Bd. 4.

62 Vgl. Jürgen Itzfeld: Gedanken zur Rationalisierung der Vorstandsarbeit, AdsD SDP/SPD-DDR Vorstand, Bd. 55.

63 Zu den Büros in der Rungestr. vgl. AdsD Sozialdemokratische Partei in der DDR - SDP/SPD Parteivorstand 2/SDPA000149.

64„Vorträge bitte dem Vorstand schriftlich zugänglich machen: Ralf Börger zu Wirtschaftsfragen ansprechen, Kontaktadressen für Arbeitsgruppen: Angelika [Barbe]für Bildung und Erziehung sowie Frauen, Markus [Meckel] für Europa und dt. Frage, Stefan H. [ilsberg] für Grundwertegruppe, Lothar Pawlichak für Ökonomie (20. Nov.), Frank [Bogisch] für Ökologie und Ökonomie sowie Ökologie und Praxis, Ibrahim [Böhme] für Ausländerrecht, Stefan F. [inger] für Gesundheitswesen, Arndt [Noack] für Wohnungspolitik, Kultur noch ohne Anlaufpunkt, Sabine [Leger] für Land- und Forstwirtschaft.“ Protokoll der Vorstandssitzung v. 29.10.1989, AdsD Depositum Martin Gutzeit, Materialien zur Entstehung und Geschichte der SDP/SPD, Bd. 2.

65 Vgl. Anlage 1 zum Protokoll der Vorstandssitzung v. 02.03.1990, AdsD Sozialdemokratische Partei in der DDR - SDP/SPD Parteivorstand 2/SDPA000055.

66 Vgl. AdsD Sozialdemokratische Partei in der DDR - SDP/SPD Parteivorstand 2/SDPA000048.

67 Vgl. Volkskammer (10. Wahlperiode). Die Abgeordneten der Volkskammer nach den Wahlen vom 18. März 1990, Berlin 1990, AdsD Sozialdemokratische Partei in der DDR - SDP/SPD Parteivorstand 2/SDPA0000124.

68 Vgl. AdsD Sozialdemokratische Partei in der DDR - SDP/SPD Parteivorstand 2/SDPA000055.

69 Protokoll der Präsidiumssitzung v. 14.05.1990, AdsD Sozialdemokratische Partei in der DDR - SDP/SPD Parteivorstand 2/SDPA000061.

70 Vgl. u.a. Sozialdemokratische Partei in der DDR (Berlin, Rungestraße) <rekonstruiertes Organigramm> (o.D.), AdsD Registratur Handakt Parteivorstand-Ost; Vorlage zur Präsidiumssitzung am 04.05.1990, AdsD Sozialdemokratische Partei in der DDR - SDP/SPD Parteivorstand 2/SDPA000055.

71 Vorlage zur Präsidiumssitzung am 04.05.1990, AdsD SDP/SPD-DDR Vorstand, Bd. 55. Diese wurde vom Präsidium am 14.05.1990 einstimmig angenommen. Inwieweit dieser Beschluss tatsächlich voll umgesetzt wurde ist unklar. Der am 21.05.1990 vorgelegte Personalplan weist noch etliche Lücken auf. AdsD Sozialdemokratische Partei in der DDR - SDP/SPD Parteivorstand 2/SDPA000061.

72 Vgl. Martin Gutzeit: Notizen zu einem Treffen mit Gerhard Hirschfeld am 28.12.1989, AdsD Depositum Martin Gutzeit, Materialien zur Entstehung und Geschichte der SDP/SPD, Bd. 4.

73 Sturm, a.a.O., S. 166.

74 Dem Büro des Geschäftsführers war die Rechtstelle und die Mitgliederregistratur beigeordnet. Vgl. Vorlage zur Präsidiumssitzung am 04.05.1990, AdsD Sozialdemokratische Partei in der DDR - SDP/SPD Parteivorstand 2/SDPA000055.

75 Vgl. Vorläufige Aufgabenabgrenzung der hauptamtlichen Mitarbeiter des Vorstands (o.D.), AdsD Sozialdemokratische Partei in der DDR - SDP/SPD Parteivorstand 2/SDPA000055.

76 Vgl. Vorlage zur Präsidiumssitzung am 04.05.1990, AdsD Sozialdemokratische Partei in der DDR - SDP/SPD Parteivorstand 2/SDPA000055. Die Akten des Referats Politische Planung sind in dem im AdsD vorliegenden Depositum Christoph Matschie nicht enthalten.

77 Christoph Matschie; geb. 15.07.1961 in Mühlhausen; Mechaniker später ev. Theologe; 1989/90 Angehöriger des Zentralen Runden Tisches; 1990 – 2004 MdB; 1998 - 2002 Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit; 2002 – 2004 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung.

78 Vgl. Vorlage zur Präsidiumssitzung am 04.05.1990, AdsD Sozialdemokratische Partei in der DDR - SDP/SPD Parteivorstand 2/SDPA000055.

79 Hinrich Kuessner; geb. 29.04.1943 in Gerdauen (Ostpreußen); ev. Theologe; 1989 erst Neues Forum dann SDP;1990 MdV; 1990 – 1994 MdB.

80 Vgl. Vorlage zur Präsidiumssitzung am 04.05.1990, AdsD Sozialdemokratische Partei in der DDR - SDP/SPD Parteivorstand 2/SDPA000055.

81 Thomas Schmidt; geb. 16.03.1960 in Meiningen (Thüringen); Elektromonteur; 1990 Gewerkschaftsbeauftragter der Ost-SPD; Vorsitzender des AfA-Gründungsausschusses.

82 Vgl. Vorlage zur Präsidiumssitzung am 04.05.1990, AdsD Sozialdemokratische Partei in der DDR - SDP/SPD Parteivorstand 2/SDPA000055.

83 Vgl. ebd.

84 Vgl. Sturm, a.a.O., S. 380.

85 Vgl. AdsD Registratur Handakt Parteivorstand-Ost

86 Dabei ist freilich mit in Betracht zu ziehen, dass neben den der Partei ab Anfang 1990 zur Verfügung stehenden Büros für eine gewisse Zeit zumindest noch die Privatwohnungen der Protagonisten weiterhin als „Stützpunkte“ dienten und insofern viel Schriftgut den heimischen Schreibtisch gar nicht erst verließ. Vgl. Sturm, a.a.O., S. 268.

87 Karl August Kamilli; geb. 05.01.1945 in Hagenow; Geophysiker; 1990 MdV und MdB; Stellvertretender Vorsitzender der Ost-SPD; 1991 Beauftragter der sächsischen Staatsregierung für die Streitkräfte und den Abzug der GUS-Truppen; später Leiter der Stabsstelle Bürgeranliegen der sächsischen Staatskanzlei; bis 1993 im Bundesvorstand der SPD; 1994 Austritt aus der SPD; seit 2002 Mitglied der sogenannten „Schill-Partei“ (Partei Rechtsstaatlicher Offensive) in Sachsen.

88 Gottfried Timm; geb. 26.06.1956 in Hohenkirchen; ev. Theologe; 1990 MdV; seit 1990 MdL Mecklenburg-Vorpommern; 1990 – 1994 Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion; 1994 – 1996 Fraktionsvorsitzender; 1998 – 2006 Innenminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

89 Ergänzungen dazu befinden sich im AdsD in den Deposita von Stephan Hilsberg und Detlef von Schwerin.

90 Gutzeits Handakten sind integriert in der Materialsammlung zur Entstehung und Geschichte der SDP/SPD im Depositum Martin Gutzeit im AdsD. Es handelt sich hierbei um Schriftgut eigener Provenienz, das durch Aktenstücke unterschiedlicher Herkunft, u.a. aus den privaten Registraturen der SDP-Mitgründer Arndt Noack und Stephan Hilsberg sowie aus Unterlagen des MfS, angereichert worden ist. Das zentrale Manko dieser Überlieferung ist aber, dass sie nur in Kopie oder gar digitalen Abschriften im AdsD vorliegt, was den Quellenwert deutlich schmälert.

91 Der Nachlaß von Böhme lagert im Robert-Havemann-Archiv Berlin.

92 Markus Meckels Handakten lagern im Archiv der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Berlin.

93 Dessen Handakten befinden sich einigermaßen umfassend in dem Depositum Wolfgang Thierse im AdsD.