„Wagt weiter!“ Willy Brandt – Europäer und Staatsmann

Harry Scholz

Am 31. Januar 2007 wurde im repräsentativen Sitz der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Brüssel eine Ausstellung zur Europapolitik Willy Brandts und der SPD durch die Vorsitzende der Friedrich-Ebert-Stiftung, Anke Fuchs, und den Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Kurt Beck, eröffnet.

FES-Sitz in Brüssel, Rue du Taciturne 38 © AdsD

Anke Fuchs und Kurt Beck © AdsD
SPD-Parteivorsitzender Kurt Beck © AdsD

Anlässlich der deutschen EU-Präsidentschaft im ersten Halbjahr 2007 beleuchtet die Ausstellung unter dem Titel „Wagt weiter!“ Willy Brandt – Europäer und Staatsmann den sozialdemokratischen Beitrag für den schwierigen, aber letztlich erfolgreichen Weg zur europäischen Einigung.

Auditorium zur FES-Ausstellungseröffnung © AdsD

Auf 21 mitunter überformatigen Ausstellungstafeln und in drei Ausstellungsvitrinen mit Originalexponaten aus dem Willy-Brandt-Archiv (u.a. Friedensnobelpreis 1971, Terminkalender Willy Brandts von 1969, Korrespondenz von Willy Brandt mit Georges Pompidou und Harold Wilson) wird die historische Dimension des Europagedankens nachgezeichnet, der seinen Ursprung in den revolutionären Bewegungen Mitte des 19. Jh. und dem sich solidarisierenden europäischen Proletariat, bedingt durch die Niederschlagung der Pariser Commune 1871, nahm.

V.l.: Dieter Dowe, Michael Schneider, Ernst Stetter (Büroleiter der FES in Brüssel) und Anke Fuchs © AdsD

Vor dem Hintergrund der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts – dem Ersten Weltkrieg und seinen Folgen –, der Weimarer Zeit und dem vielversprechenden Neuanfang mit der Forderung nach der Schaffung der „Vereinigten Staaten von Europa“ sowie dessen brutalem Ende durch die NS-Herrschaft thematisiert die Ausstellung einerseits die sozialdemokratischen Europabezüge vor 1945 und andererseits die frühen Europaperspektiven im Denken des jungen Willy Brandt.

Textile Ausstellungstafel © AdsD
Blick ins Foyer, FES-Sitz in Brüssel © AdsD

Beginnend mit dem nicht einfachen europapolitischen Neubeginn der deutschen Sozialdemokratie in den 1950er Jahren hebt die Ausstellung in der Folge die besondere Bedeutung Willy Brandts im Hinblick auf eine neue bundesdeutsche Europapolitik für Ost und West hervor. Ihre wesentlichen Merkmale sind die „Politik der kleinen Schritte“ zur Ost-West-Annäherung, die „neue Ostpolitik“, die Stärkung Westeuropas durch den „Motor“ der deutsch-französischen Freundschaft mit der erfolgreichen EWG-Erweiterung, der beginnende KSZE-Prozess zur Überwindung der Spaltung Deutschlands und Europas und der Beginn einer sozialdemokratisch initiierten programmatischen Herausbildung einer „sozialpolitischen Dimension für Europa“ im Rahmen des Europäischen Parlaments.

V.l.: Ernst Stetter, Anke Fuchs, Roland Schmidt (Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der FES), Dieter Koniecki und Mario Bungert © AdsD

Ausgehend von den sozialdemokratischen Kanzlerschaften von Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerhard Schröder bis hin zur gegenwärtigen Regierungsverantwortung im Rahmen der Großen Koalition verdeutlicht die Ausstellung die bleibende Aufgabe für die deutsche Sozialdemokratie: „die Entwicklung einer starken sozialen Dimension Europas“ (SPD-Parteivorsitzender Kurt Beck in Brüssel, 2006).

V.l.: Anke Fuchs, Ernst Stetter und Kurt Beck © AdsD

V.l.: Ernst Stetter, Kurt Beck, Günter Verheugen (Vizepräsident der EU-Kommission), dahinter: Dieter und Dorothee Dowe © AdsD

Begleitend zur Ausstellung ist ein dreisprachiger Ausstellungskatalog (deutsch, englisch, französisch) im Hause der Friedrich-Ebert-Stiftung in Brüssel kostenfrei erhältlich.

Die Ausstellung selbst ist bis zum 30. Juni 2007 geöffnet und ist mit einer begleitenden Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Willy-Brandt-Forum“ im Veranstaltungskalender zur bundesdeutschen EU-Präsidentschaft aufgeführt.