Christoph Stamm
Verzeichnung des Helmut-Schmidt-Archivs für die Jahre 1946-1982 abgeschlossen

Besuch des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt im AdsD     © AdsD Das endgültige Findmittel für Archivalien im Bestand Helmut Schmidt mit Laufzeiten von 1946 bis 1982 steht nun nach jahrelanger, aus Mitteln des Deutschen Bundestages geförderter Ordnungs- und Verzeichnungsarbeit den Benutzern des Archivs der sozialen Demokratie zur Verfügung. Auf 2700 Seiten in acht Bänden sowie einem Band mit Personenregister sind 5815 archivalische Einheiten mit einem Umfang von ca. 185 lfm. erschlossen. Band 1 enthält außerdem eine Übersicht der wichtigsten biographischen Daten, um die inhaltliche Ein- und Zuordnung der jeweiligen Dokumente zu erleichtern. Inhaltsgleich mit dem Findbuch ist das Helmut-Schmidt-Archiv auch in der Archivdatenbank FAUST verzeichnet.

Vielgestaltig und inhaltsreich stellt sich das Helmut-Schmidt-Archiv des AdsD dar: Ein Protokoll der "Reichsvorstandssitzung" des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) vom 23. Oktober 1947, handschriftliche Notizen des Hamburger Innensenators Schmidt aus den Lagebesprechungen bei der Sturmflutkatastrophe im Februar 1962, eine Tabelle in der Handschrift Schmidts zur Ressortverteilung für das Kabinett der Großen Koalition von Ende November 1966 mit den Spuren mehrfacher Änderungen bei den Personalvorschlägen, Entwürfe für zentrale Reden im Bundestag oder vor der KSZE mit den persönlichen Korrekturen des Kanzlers Schmidt, Beratungsunterlagen für EG-Gipfelkonferenzen, Vermerke über Besprechungen mit ausländischen Regierungschefs, politisch-persönliche Korrespondenz, Protokolle von Koalitionsverhandlungen - der forschende Historiker wird in diesem Bestand für sehr unterschiedliche Fragestellungen aufschlussreiches Quellenmaterial finden.

Von den politischen Anfängen als Mitglied des SDS 1946 - 1949 (davon 1947 - 1948 als Bundesvorsitzender für die Britische Besatzungszone), Mitarbeiter der Hamburger Verwaltung 1949 - 1953 (zuletzt Leiter des Amtes für Verkehr), als Bundestagsabgeordneter (1953 - 1961 und 1965 - 1987), Innensenator in Hamburg (1961 - 1965), Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion (1967- 1969), Bundesminister der Verteidigung (1969 - 1972), Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen bzw. der Finanzen (1972 - 1974) und schließlich Bundeskanzler (1974 - 1982) und stellvertretender Vorsitzender der SPD (1968 - 1984) gehört Helmut Schmidt zu den Persönlichkeiten, die zweifellos die ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik entscheidend geprägt haben.

Die Dichte der historische Überlieferung zu den einzelnen Abschnitten von Schmidts politischer Karriere ist sehr unterschiedlich. Der Schwerpunkt liegt auf der Zeit als Bundeskanzler. Diese Akten machen, gemessen an der Zahl der Signaturen, etwa die Hälfte des im Findbuch verzeichneten Bestandes aus. Der Benutzer findet dort Unterlagen über alle Bereiche des politischen Tagesgeschäfts, aber auch tiefgehende Analysen der wirtschaftlichen, finanziellen, innen- und außenpolitischen Rahmenbedingungen der Bundesrepublik. Neben diesen, den Stationen der politischen Biographie entsprechenden Aktengruppen erstreckt sich die Aktengruppe "Allgemeine Korrespondenz" von 1949 bis 1982 fast über die gesamte Laufzeit des Bestandes.

Ein Großteil der Hauptaktengruppe "Bundeskanzler" stellt in Form von Fotokopien eine Doppelüberlieferung gegenüber derjenigen in der Obhut des Bundesarchivs dar. Für die Zwecke der Leitungsebene wurden offenbar von Originalakten in der Registratur Kopien angelegt, um sie für aktuelle Vorgänge schneller verfügbar zu halten.

Ein archivischer Sonderfall ist die noch zu Schmidts Zeit als Bundestagsabgeordneter begonnene, sehr umfangreiche Materialsammlung, die sich in den Aktengruppen "Namensarchiv" und insbesondere "Sacharchiv" wiederfindet. Hier liegen, sachthematisch geordnet, Unterlagen wie Presseausschnitte, Manuskripte, Broschüren, Sonderdrucke, Parlamentsdrucksachen, aber auch einzelne handschriftliche Notizen Schmidts zu Sitzungen und Terminen. Vor allem seine Tätigkeiten als Verkehrsexperte und Wehrexperte der SPD-Bundestagsfraktion haben in erster Linie in diesem Sacharchiv ihren Niederschlag gefunden und nicht in einer sonst üblichen Büroregistratur. Noch in der Kanzlerzeit hat Schmidt manche Hintergrundmaterialien dieser Sammlung zugewiesen.

Ergänzend sei darauf hingewiesen, dass 50 Faszikel aus den Akten Helmut Schmidts im Archiv der sozialen Demokratie, die aufgrund der Überlieferungsgeschichte aus dem SPD-Parteivorstand stammten, in den Großbestand "SPD-Parteivorstand" eingegangen sind, wo sie als Aktengruppe "Büro Helmut Schmidt" aufgeführt werden. In erster Linie handelt es sich um Korrespondenz und einzelne Sachakten aus den Jahren 1955 bis 1963, aber auch einige wenige Faszikel aus der Zeit bis 1969.

Für die Einsicht in das Helmut-Schmidt-Archiv ist grundsätzlich eine Genehmigung von Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt erforderlich, die über das Archiv der sozialen Demokratie eingeholt werden kann.

Der Gesamtbestand des Helmut-Schmidt-Archivs des AdsD ist nicht auf den Zeitraum bis zum Ende der Kanzlerschaft 1982, den das neue Findbuch absteckt, beschränkt. Zur Zeit sind für die folgenden Jahre, in denen der ehemalige Kanzler publizistisch, in verschiedenen Gremien und "hinter den Kulissen" tätig war, weitere ca. 123 lfm. Archivalien vorhanden. Diese werden in einem zweiten Schritt der Forschung in einigen Jahren zur Verfügung stehen.

Kontakt: Mail christoph.stamm@fes.de, Tel. 0228-883 252