Waldemar von Knoeringen
Bestand: 32,40 lfd.m.
Laufzeit: 1942 - 1985
Lebensdaten: * 6.10.1906 † 27.7.1971
Waldemar von Knoeringen wurde am 6.10.1906 in Rechetsberg, Kreis Weilheim geboren. Seine Eltern siedelten 1907 nach Aising bzw. Aisingerwies bei Rosenheim um, wo Knoeringen die Volks- und Handelsschule besuchte. Nach einer Lehre bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse Rosenheim-Land, die er 1922 abschloss, arbeitete er noch weitere fünf Jahre bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse Rosenheim. 1928 ging er nach München, um dort im Volksbüchereiwesen tätig zu sein und das Abitur nachzuholen.
Nach dem Tode des Vaters im Jahre 1926 trat Knoeringen in die SPD ein. In München schloss er sich unter dem Einfluß von Erhard Auer der sozialistischen Arbeiterjugend und dem Reichsbanner an.
Der Verhaftung durch die Nationalsozialisten entzog sich Waldemar von Knoeringen durch Flucht nach Österreich im März 1933. Nach dem Dollfuß-Putsch 1934 ging er zusammen mit seiner Frau in die Tschechoslowakei. Als Grenzsekretär des Exilparteivorstandes in Prag versorgte er unter dem Tarnnamen "Michel" die illegalen SPD-Gruppen in Südbayern mit Informations- und Propagandamaterial. Er schloss sich der linkssozialistischen Gruppe "Neu Beginnen" an.
Im Oktober 1938 floh Knoeringen nach Paris und bei Kriegsausbruch schließlich nach England. In England leitete er mit Unterstützung des Labour-Politikers Richard Crossmann vom 7.10.1940 - 30.4.1942 die unabhängige sozialistische Sendestation "Sender der Europäischen Revolution" (SER).
1943 - 1944 betreute Knoeringen deutsche Kriegsgefangene in Nordafrika und Italien. Im Sommer 1944 ging er nach England zurück, wo er die Kriegsgefangenensendungen der BBC organisierte und als Lehrer an der Kriegsgefangenenschule Wilton Park tätig war.
1946 kehrte Waldemar von Knoeringen nach Bayern zurück. Er wurde 1946 Mitglied der verfassungsgebenden Landesversammlung und Abgeordneter des Bayerischen Landtags, dem er bis 1970 angehörte. Von 1950 - 1958 war er Vorsitzender der Sozialdemokratischen Landtagsfraktion.
1947 wurde Knoeringen auf der Landeskonferenz von Landshut als Nachfolger von Wilhelm Hoegner zum Landesvorsitzenden der SPD in Bayern gewählt. Auf sein Betreiben hin verließ die SPD 1947 die Koalition mit der CSU; die erneuerte Koalitionsregierung 1950 fand seine Billigung. Nach den Landtagswahlen 1954 gelang es Knoeringen, SPD, BP, F.D.P. und BHE zu der sogenannten Viererkoalition zusammenzubringen.
1949 wurde Knoeringen in den ersten Bundestag gewählt, legte sein Mandat jedoch 1951 nieder. Er war Mitglied des Parteivorstandes der SPD seit 1948 und von 1958 - 1962 zusammen mit Herbert Wehner stellvertretender Parteivorsitzender. Im Juni 1963 trat er als bayerischer SPD-Landesvorsitzender zurück, um sich als Leiter der 1948 gegründeten Georg-von-Vollmar-Akademie in Kochel ganz der Kultur- und Bildungspolitik widmen zu können.
Der Bildungs- und Sozialpolitik galt Knoeringens Hauptinteresse. Zahlreiche Initiativen der SPD zu diesem Thema gehen auf ihn zurück.
1948 schuf er das erste Wohnungsbauprogramm der SPD, den "Aufbauplan A". 1952 gründete er die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Akademiker; er war Initiator und Kurator der Akademie für politische Bildung in Tutzing.
Im Bayerischen Landtag war er maßgeblich an dem Entwurf eines Lehrerbildungsgesetzes beteiligt; ebenso an der Erstellung eines Bedarfsplans für Wissenschaft und Bildung, des sogenannten Ruckerplans.
Auf seine Initiative verabschiedete der Münchner Parteitag 1956 eine Entschließung zu den Gefahren und Möglichkeiten der "zweiten industriellen Revolution" - die "Entschließung 100". 1957 legte Knoeringen den Entwurf eines Verwaltungsabkommens zwischen Bund und Ländern zur Errichtung eines Wissenschaftsrates vor; 1959 den Entwurf eines Staatsvertrages über die Koordinierung der deutschen Kulturpolitik und die Errichtung eines Kultur- bzw. Bildungsrates.
Immer wieder hat Knoeringen darauf hingewiesen, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Politik sei. Viele Jahre verfolgte er die Idee der Errichtung eines wissenschaftlichen Büros beim Parteivorstand, als Kontaktstelle zu Wissenschaft und Forschung.
Er setzte sich mit einer anthroposophischen Orientierung der Politik auseinander; einer Politik, die den Menschen wiederentdeckt und in den Mittelpunkt stellt.
Sein Anliegen, die demokratische Willensbildung in der Gesellschaft zu stärken und zu fördern, kommen in den Initiativen des Landesverbands Bayern "Mehr Gerechtigkeit" und den "Gesprächen mit jedermann" zum Ausdruck.
Auf dem Dortmunder Parteitag 1966 legte Knoeringen die Denkschrift "Mobilisierung der Demokratie" vor, die er zusammen mit einer Gruppe junger Akademiker, u.a. Peter Glotz, verfasst hatte. Dieses Memorandum wurde als Kritik an der Parteiführung, besonders an Herbert Wehner verstanden.
Waldemar von Knoeringen starb am 2. Juli 1971.
Der Nachlass Waldemar von Knoeringen kam 1977 über die Erbengemeinschaft der Frau des Verstorbenen, Juliane von Knoeringen, in das Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Damit wurde dem noch zu Lebzeiten von Knoeringen geäußerten Wunsch entsprochen, den gesamten schriftlichen Nachlass zum Zwecke der fachkundigen Verwahrung und Erschließung dem AdsD zur Verfügung zu stellen. Weitere Teile gelangten später über den Landesverband Bayern, die Georg-von Vollmar-Akademie in Kochel, seine langjährige Sekretärin Agnes Sturhan und über Hartmut Mehringer in das Archiv der sozialen Demokratie. Der Nachlass wurde nach der Übernahme völlig neu geordnet. Dabei wurden die Unterlagen den verschiedenen Funktionen des Nachlassers zugeordnet, die Tätigkeit und Aufgaben in unterschiedlicher Dichte dokumentieren. Besonders hervorzuheben sind die Aktengruppen "Allgemeine Korrespondenz", "Politisches Exil, Widerstand gegen die NS-Diktatur und Nachkriegszeit" und "Sozialdemokratische Partei Deutschlands". Sehr gut belegt sind Knoeringens Initiativen zur Gesellschafts- und Bildungspolitik. Ebenso seine Aktivitäten im Bildungspolitischen Ausschuss beim Parteivorstand. Die Altregistraturen der Gesellschafts- und Bildungspolitischen Initiativen wurden zum größten Teil beibehalten. Einen großen Teil des Bestandes bilden die von Knoeringen zu einzelnen Themen erstellten Dokumentationen. Zahllose Buchexzerpte zeigen, daß Knoeringen ein ausgesprochener Vielleser war. Zeitliche Lücken im Nachlass erklären sich durch den Verbleib eines Teils der Akten in den Beständen des Landesverbandes Bayern und der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag. Bei der Beschreibung der einzelnen Mappen wurden die Unterlagen durch Titelbildung, formale Kriterien und Angaben über die Laufzeit erfasst. Durch den "Betr."-Vermerk wurden die Akten inhaltlich erschlossen. Bei der Verzeichnung der Korrespondenz wurden die Korrespondenzpartner aufgeführt und die Inhalte im "Betr."-Vermerk erfasst. Die Namen der Korrespondenzpartner und die im Text erwähnten Personennamen können über das Register erschlossen werden. Ein Teil der Ordnungsarbeiten wurden von Maria Lückerath-Yates durchgeführt.
- Persönliche Unterlagen
- Allgemeine Korrespondenz
- Politisches Exil, Widerstand gegen die NS-Diktatur und Nachkriegszeit: Politisches Exil, Widerstand gegen die NS-Diktatur und Nachkriegszeit, allgemein / "Sender der Europäischen Revolution" (SER) / German Letters
- Abgeordnetentätigkeit: Deutscher Bundestag / Bayerischer Landtag; Bayerischer Landtag, allgemein; Parlamentsreform / Verbindungen mit den Ausschüssen des Bayerischen Landtags / Mitgliedschaften in Ausschüssen des Bayerischen Landtags / Mitglieder des Bayerischen Landtags, der Regierung, der Fraktionen und der Ausschüsse / Wahlkreis Rosenheim / Amtsvergehen von Mitglieder der Exekutive / Fragen der Verwaltungsvereinfachung und der Gesetzesflut / "Bedarfsplan für die Förderung der wissenschaftlichen Forschung und Lehre, des wissenschaftlichen und technischen Nachwuchses und dessen vorbereitende Ausbildungsstufe in Bayern" (Rucker-Plan) / "Abkommen zwischen Bund und Ländern über die Errichtung eines Wissenschaftsrates" / Wohnungsprobleme der Forstarbeiter in Ruhpolding / SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag, Vorsitzender der Landtagsfraktion: SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag, allgemein; Rechenschafts- und Tätigkeitsberichte der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag; Sitzungen der SPD-Fraktion und des Fraktionsvorstandes im Bayerischen Landtag; Verbindungen mit der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag; Verbindungen zum Parteivorstand der SPD; Verbindungen mit den Arbeitskreisen und Ausschüssen der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag; Verbindungen mit den Referenten der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag; Mitgliedschaften in den Arbeitskreisen der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag; Angelegenheit Arno Behrisch - Hans Brey / Materialsammlung zu bildungspolitischen Fragen
- Sozialdemokratische Partei Deutschlands: Stellvertretender Parteivorsitzender, Parteipräsidium und Parteivorstand: Stellvertretender Parteivorsitzender, Parteipräsidium und Parteivorstand, allgemein; Sitzungen des Parteivorstandes; Sitzungen des Parteipräsidiums; SPD-Parteitage, Kongresse und Veranstaltungen; Ausgehende Post und Vermerke Büro Stellvertretender Parteivorsitzender Waldemar von Knoeringen; Kontakte zu Mitgliedern des Parteipräsidiums; Verbindungen Büro Stellvertretender Parteivorsitzender Waldemar von Knoeringen mit den Referaten und Büros des Erich-Ollenhauer-Hauses; Verbindungen mit den zentralen Arbeitsgemeinschaften und Vereinigungen (Bundesebene); Verbindungen Büro Stellvertretender Parteivorsitzender Waldemar von Knoeringen mit dem Landesverband Bayern; Kontakte mit Mitgliedern des Deutschen Bundestages; Verbindungen zu regionalen Parteigliederungen; Kontakte zu Gewerkschaften, Organisationen, Institutionen etc.; Mitgliedschaften in Ausschüssen beim Parteivorstand; Bildungs- und Gesellschaftspolitische Initiativen Waldemar von Knoeringens; Materialien und Unterlagen zur Bildungs- und Kulturpolitik der SPD; Materialien und Unterlagen zu einzelnen Themen / Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Landesverband Bayern - Landesvorsitzender der SPD in Bayern, Mitglied des Landesvorstandes: Landesverband Bayern, allgemein; Geschichte der bayerischen SPD; Statuten, Finanzen; Mitglieder, Parteiausschlüsse; Landesparteitage, Kongresse und Veranstaltungen; Landesvorstand, allgemein: Sitzungen des Landesvorstandes; Ausgehende Post, Vermerke, Rundschreiben; Personalangelegenheiten; Verbindungen zum Parteivorstand der SPD; Verbindungen zu einzelnen Referaten des Parteivorstandes der SPD; Verbindungen zur bayerischen Landesvertretung in Bonn (Berichte Heinz von Dessauer, Waldemar von Knoeringen); Verbindungen zur SPD-Fraktion im Wirtschaftsrat; Kontakte zur SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag; Verbindungen zu den bayerischen Abgeordneten der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag; Verbindungen zu den einzelnen Referaten des Landesverbands Bayern; Verbindungen zu den zentralen Arbeitsgemeinschaften, Arbeitskreisen und Ausschüssen; Kontakte zu regionalen Parteigliederungen und SPD-Landtagsfraktionen; Verbindungen zu Organisationen, Gewerkschaften, Institutionen, Verwaltungen etc.; Mitgliedschaften in Ausschüssen, Arbeitskreisen und Referaten des Landesverbands Bayern; Landesausschuß, allgemein; Sitzungen des Landsausschusses; Bildungs- und Gesellschaftspolitische Initiativen Waldemar von Knoeringens; Handakten und Unterlagen zu einzelnen Themen
- Wahlen
- Mitgliedschaften des Nachlassers in Institutionen, Gesellschaften, Kuratorien etc.
- Prozesse
- Kongresse und Reisen
- Materialien zur Tagespolitik und Zeitgeschichte
- Sammlungen
- Publikationen des Nachlassers
- Publikationen Dritter
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Waldemar von Knoeringen im Online-KatalogBibliothek der FES
