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Gustav Heinemann

Gustav Heinemann

Bestand: 95,40 lfd.m.
Laufzeit: 1730 - 1978

Lebensdaten: * 23.7.1899 † 7.7.1976

Gustav Walter Heinemann wurde am 23.7.1899 in Schwelm geboren. Sein Vater Otto Heinemann (1864-1944) war der Sohn eines Metzgermeisters aus dem hessischen Eschwege, seine Mutter Johanna (1975 - 1962) eine von sechs Töchtern des Dachdeckermeisters Gustav Walter in Barmen. 1900 zogen die Eltern Gustav Heinemanns in die Ruhrgebietsstadt Essen. Der Vater wurde Angestellter (später Leiter) des Büros für Arbeiterangelegenheiten bei der Firma Krupp. 1917 machte Gustav Heinemann das sog. Notabitur und wurde als Soldat zu einem Artillerieregiment in Münster (Westf.) eingezogen. Wegen einer schweren Erkrankung (Aufenthalt im Lazarett) wurde der Richtkanonier Gustav Heinemann nicht mehr an der Front eingesetzt. Kurz nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches nahm er 1918 das Studium in Münster i.W. auf, studierte dann bis 1922 an weiteren Universitäten (München, Göttingen, Berlin, besonders Marburg) u.a. Rechts- und Staatswissenschaft, Nationalökonomie und Geschichte. 1922 promovierte er in Marburg zum Dr. der Staatswissenschaften (Dr. phil., seine zweite Promotion zum Dr. jur. erfolgte 1929 an der Universität Münster i.W.). Während seiner Studienzeit sympathisierte Gustav Heinemann politisch mit der liberalen, während der Revolutionstage entstandenen Deutschen Demokratischen Partei (DDP), für die er Wahlveranstaltungen organisierte und als Redner auftrat.

Während des Kapp-Putsches 1920 stellten republikanische Studenten eine demokratisch zuverlässige "Volkskompanie" auf, der sich Heinemann und sein Freund Ernst Lemmer (1898 - 1970) anschlossen. Aus Marburger Studententagen datiert übrigens auch seine Freundschaft mit dem späteren Linkssozialisten Viktor Agartz (1897 - 1964) und dem bekannten, eher konservativ-liberalen Nationalökonomen Wilhelm Röpke (1899 - 1966). Nach Beendigung seiner juristischen Referendarzeit trat Gustav Heinemann 1926 in die Praxis von Viktor Niemeyer ein, der zu jener Zeit ein bekannter Strafverteidiger in Essen war. Im selben Jahr heiratete er Hilda Ordemann (1996 - 1979), die Tochter eines Bremer Getreidekaufmanns. 1927 wurde Tochter Uta [ Heute: Uta Ranke-Heinemann] , 1928 Tochter Christa [ Heute: Christa Delius] , 1933 Tochter Barbara [ Heute: Barbara Wichelhaus] und 1936 Sohn Peter geboren. Ab 1928 arbeitete Heinemann neben seiner (gelegentlichen) Rechtsanwaltstätigkeit als Prokurist und Justitiar der Rheinischen Stahlwerke (ab 1936 als deren Vorstandsmitglied). Die Bekanntschaft mit dem Essener Pfarrer Friedrich Graeber (1884 - 1953) veranlaßte Gustav Heinemann, der nach seinen eigenen Angaben der Kirche entfremdet war, sein Leben wieder am Christentum zu orientieren. 1930 trat er dem Christlich-Sozialen Volksdienst bei, einer kleinen (protestantischen) Partei, die im politischen Leben der Weimarer Republik keine große Bedeutung hatte. Zu den Reichstagswahlen, die 1933 nach der sog. Machtergreifung und dem Reichstagsbrand stattfanden, äußerte sich Heinemann allerdings später: "Bei der letzten, noch einigermaßen freien Reichstagswahl im März 1933 gaben wir unsere Stimmen der Sozialdemokratischen Partei, durch die allein eine Gegenwehr gegen die braune Flut noch möglich erschien. Die bürgerlichen Parteien waren schon ohne Widerstandskraft oder gar Komplizen der NSDAP."

Als das NS-Regime nach der "Machtergreifung" die Bewegung der "Deutschen Christen" (unter dem antisemitischen Reichsbischof Ludwig Müller) favorisierte, formierte sich bei den Protestanten die "Bekennende Kirche" als Gegenbewegung. Im Mai 1934 fand die erste Tagung der Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche in Wuppertal-Barmen statt, an der Gustav Heinemann - er war an seinem 34. Geburtstag zum Presbyter der evangelischen Kirchengemeinde Essen-Altstadt gewählt worden - teilnahm und an deren Erklärung (trotz vorsichtiger, sich auf Kirchenangelegenheiten beschränkender Formulierungen, eine Kampfansage an das NS-Regime) er mitwirkte. Nach der Barmer Tagung wurde Heinemann in das leitende Organ der Bekennenden Kirche des Rheinlandes (Bruderrat) berufen. Auf einer BK-Tagung in Essen 1935 lernte er übrigens den evangelischen Theologen und damaligen "Hilfsprediger" der Bekennenden Kirche Helmut Gollwitzer (1908 - ) kennen, der dann später sowohl religiös als auch politisch Einfluß auf ihn ausüben sollte. Die Bekennende Kirche führte den Kirchenkampf gegen die "Deutschen Christen", die Hilfstruppen Hitlers in der Kirche, quasi legal und in der Öffentlichkeit. Halbwegs vom NS-Regime geduldet wurde die BK, weil sie sich ausschließlich auf kirchliche Fragen beschränkte (dabei allerdings energisch gegen die NS-Machtansprüche auftretend) und sich mit Stellungsnahmen in allgemeinen politischen Fragen eher zurückhielt. 1938/39 legte Gustav Heinemann - der seit 1937 Vorsitzender des Essener Christlichen Vereins Junger Männer (CVJM) war - alle Ämter in der Bekennenden Kirche nieder. Heinemann selbst darüber: "Grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten über die Art des Kampfes gegen die Deutschen Christen veranlaßten mich, 1938 aus dem rheinischen Bruderrat auszuscheiden. Der Bekennenden Kirche blieb ich aktiv verbunden." [ Vergl. Schriftliche Fassung der "Tonbandgespräche" Heinemanns 1974-1975 mit Helmut Gollwitzer, Diether Posser und Manfred Wichelhaus in Mappe 037a.] Heinemann-Biograph Werner Koch schrieb in diesem Zusammenhang: "Sicherlich ist auch dieser Rücktritt Ausdruck einer Resignation. Sie hat aber im Falle Heinemanns ihren Grund nicht in einem Zweifel am Glauben der Kirche, auch nicht in allgemeiner Kampfesmüdigkeit oder gar in so etwas wie 'Feigheit vor dem Feind'; sie bezieht sich hingegen ... allein darauf, daß es ihm nicht gelungen ist, das taktische Verhalten der BK gegenüber dem NS-Staat zu ändern." [ Vergl. Werner Koch: Heinemann im Dritten Reich. Ein Christ lebt für morgen. Wuppertal 1972, S. 155]

Heinemann hatte 1933 einen Lehrauftrag für Berg- und Wirtschaftsrecht an der juristischen Fakultät der Universität Köln übernommen, den er bis 1939 ausführte. Daß er nicht Mitglied der NSDAP war noch werden wollte, stand wohl einer akademischen Laufbahn im Wege. Seine - intern bekannte - Gegnerschaft zum NS-Regime verhinderte ebenfalls seinen weiteren Aufstieg innerhalb der Rheinischen Stahlwerke. Als Bergwerksdirektor der Rheinischen Stahlwerke (mit gelegentlicher Tätigkeit als Rechtsanwalt in der Niemeyer-Praxis) erlebte Gustav Heinemann das Kriegsende in Essen. Seit Mitte 1945 gehörte Heinemann der Leitung der Evangelischen Kirche im Rheinland an. Als sich im August 1945 in Treysa (Hessen) Theologen und Laien zu einer "Konferenz der evangelischen Kirchenführer" trafen, wurde er in Abwesenheit in den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland gewählt. Als Ratsmitglied nahm er im Oktober 1945 an der EKD-Tagung in Stuttgart teil, deren Schulderklärung von Heinemann mitformuliert und getragen wurde ("Wir bekennen vor Gott, daß wir eben diesen Dienst im Kirchenkampf mit viel Schwachheit taten, daß wir nicht tapfer bekannt haben, nicht treuer gebetet haben, nicht brennender geliebt haben; das ist es, was wir selbst als unsere Schuld empfinden!") 1949, auf der ersten Synode der EKD wurde Heinemann zum Präses gewählt.

In Essen hatte Heinemann 1945 zu den Gründern der CDU gehört. Im Oktober 1946, nachdem die Christdemokraten in Essen bei den Gemeindewahlen der britischen Zone die Mehrheit errungen hatten, wurde Gustav Heinemann Oberbürgermeister der Stadt Essen. Er behielt dieses Amt bis zum Herbst 1949. 1947/48 war er Justizminister im Kabinett von Karl Arnold (diese nordrhein-westfälische Regierung wurde von CDU, SPD, KPD und Zentrum getragen). Bei der bekannten Sozialisierungsdebatte des NRW-Landtags warnte Heinemann die parlamentarische Linke vor überhasteten Verstaatlichungsmaßnahmen. Dem NRW-Landtag gehörte er von 1947 - 1950 als CDU-Abgeordneter an. Konrad Adenauer berief ihn 1949 - sozusagen als Stellvertreter des protestantischen Flügels der CDU - als Innenminister in die erste Bundesregierung [ Heinemanns Tätigkeit als Essener Oberbürgermeister, als CDU-Landtagsabgeordneter, als NRW-Justizminister und als Bundesinnenminister sind sowohl im Nachlaß 1 wie auch im Nachlaß 2 nur durch wenige Schriftstücke belegt.] . Sein Konflikt mit Adenauer wegen dessen Angebot an die Westmächte betr. Wiederaufrüstung Westdeutschlands und wegen der nach Ansicht Heinemanns falschen Wiedervereinigungspolitik darf hier als bekannt vorausgesetzt werden. Der Konflikt führte im Oktober 1950 zum Rücktritt Heinemanns als Bundesinnenminister. Innerhalb der CDU wurde Gustav Heinemann nahegelegt, sich jeder Kritik an Adenauer zu enthalten.

Im November 1951 gründete Heinemann - um die Aufrüstungs- und Westintegrationspläne der Regierung zu bekämpfen - zusammen mit anderen politischen Freunden (u.a. Helene Wessel und Adolf Scheu) die überparteiliche "Notgemeinschaft für den Frieden Europas". Anfang November 1952 trat Heinemann aus der CDU aus. Am 29./30.11. erfolgte die Gründung der Gesamtdeutschen Volkspartei (GVP), an der sich u.a. Gustav Heinemann, Helene Wessen, Adolf Scheu, Diether Posser und Robert Scholl beteiligten. Mit der Gründung einer eigenständigen Partei hofften sie, einen größeren Einfluß auf die bundesrepublikanische Politik ausüben zu können. Im Vordergrund der GVP-Programmatik stand die außenpolitische Zielsetzung, im besonderen natürlich die Überwindung der Spaltung Deutschlands. Bei den Bundestagswahlen vom September 1953 konnte die GVP allerdings gerade 1,2 % der Stimmen für sich gewinnen.

In Essen hatte Heinemann zusammen mit Diether Posser eine selbständige Rechtsanwaltspraxis gegründet. Die Rheinstahl AG hatte sich geweigert, ihre Zusage einzulösen, ihn nach einer eventuellen Rückkehr aus Bonn (hier Rücktritt als Bundesinnenminister) wieder in seine alte Funktion als Vorstandsmitglied einzusetzen und ihn mit einer Pension abgefunden. In der Anwaltspraxis Heinemann und Posser spielte die Politik eine nicht unbedeutende Rolle. 1955 wurde Heinemann, als Neutralist und "fellow traveller" in konservativen Kreisen verrufen ("Trojanische Pferd des Kommunismus"), als Präses der Synode der EKD abgelöst, allerdings als ordentliches Mitglied in den Rat der EKD gewählt.

Nach mehreren Mißerfolgen bei Landtagswahlen beschloß der außerordentliche Bundesparteitag der GVP am 19.5.1957 die Selbstauflösung der Partei und empfahl den Mitgliedern den Übertritt zur Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. SPD-Mitglieder wurden so u.a. Gustav Heinemann, Helene Wessel, Adolf Scheu, Diether Posser, Johannes Rau. Im selben Jahr wurde Heinemann sozialdemokratischer Bundestagsabgeordneter. In zwei großen, in der Öffentlichkeit Aufsehen erregenden Bundestagsreden (Januar und März 1958) nutzte er die Gelegenheit, aus seiner Sicht mit der von K. Adenauer seit 1950 (dem Jahr des Rücktritts Heinemanns als Innenminister) betriebenen Politik "abzurechnen". Unabhängig von der politischen Wertung: Beide Reden stellen Höhepunkte der parlamentarischen Tätigkeit Heinemanns sowie des deutschen Parlamentarismus überhaupt dar. Aufgrund seiner Tätigkeit im Bundestag (u.a. gehörte er den Bundestagsausschüssen für auswärtige Angelegenheiten und für gesamtdeutsche und Berliner Fragen an) war Heinemann bald einer der bekanntesten sozialdemokratischen Parlamentarier der Bundesrepublik. 1958 übernahm er eine Funktion im Arbeitsausschuß "Kampf dem Atomtod"; an den Beratungen zu dem neuen Grundsatzprogramm der SPD, das auf dem außerordentlichen sozialdemokratischen Parteitag in Bad Godesberg im November 1959 angenommen wurde, nahm er maßgeblichen, wenn auch hier nicht dokumentierten Anteil. Dem Parteivorstand der SPD gehörte Gustav Heinemann von 1958 - 1969 an.

Bei der Bundestagswahl 1965 hatten zwar die Wähler mehrheitlich die CDU/CSU/F.D.P.-Koalition unter dem Bundeskanzler Ludwig Erhard bestätigt. Doch die wirtschaftliche Rezession, die Haushaltsschwierigkeiten im Bund und schließlich der Rücktritt der F.D.P.-Minister führten Ende 1966 zur Bildung einer Regierung der Großen Koalition unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU), der u.a. die Sozialdemokraten Willy Brandt als Bundesaußenminister und Vizekanzler und Gustav Heinemann als Bundesjustizminister angehörten. In den 28 Monaten, in denen Heinemann Justizminister war, verwirklichte er u.a. die Reform des Rechts der nichtehelichen Kinder und die Strafrechtsreform-Veränderungen die er seit längerem angestrebt und für überfällig angesehen hatte. Als auf Rudi Dutschke, einen der Führer der Außerparlamentarischen Opposition, im April 1968 ein Attentat verübt wurde, erlebte die Bundesrepublik riesige Protestdemonstrationen und auch gewalttätige Ausschreitungen. In einer bekanntgewordenen Rede ging Heinemann als Bundesjustizminister im Fernsehen Ostern 1968 auf die Ereignisse ein, kündigte Maßnahmen von Justiz und Polizei gegen eventuelle weitere Ausschreitungen an, bat aber auch gleichzeitig die Bevölkerung um Verständnis für die Rebellion, indem er nach deren eigentlichen Ursachen fragte.

Als Bundesjustizminister setzte sich Heinemann weiterhin für die Aufhebung der Verjährung von NS-Verbrechen ein und strebte eine Reform des politischen Strafrechts an, das zu großen Teilen während der Zeit und unter dem Einfluß des Kalten Krieges entstanden war. 1968, gegen Ende der Amtszeit von Heinrich Lübke (CDU), beschloß die SPD, Gustav Heinemann als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten vorzuschlagen. Die F.D.P. war bereit, ihre Wahlmänner und Wahlfrauen in der Bundesversammlung für Heinemann stimmen zu lassen. Am 5. März 1969 wurde Heinemann in Berlin zum Bundespräsidenten gewählt.

Er war nach Friedrich Ebert (1871 - 1925) der zweite deutsche Präsident, der aus der Sozialdemokratie kam. Der von Gustav Heinemann im Zusammenhang mit seiner Wahl zum Bundespräsidenten angedeutete "Machtwechsel" vollzog sich dann tatsächlich nach den Bundestagswahlen vom September 1969, als SPD und F.D.P. die Regierung der sog. Sozialliberalen Koalition bildeten. Am 22.10.1969 konnte Heinemann den Ministern des Brandt-Kabinetts die Ernennungsurkunden überreichen.

Über die Art der Amtsführung Heinemanns und die herausragenden politischen Ereignisses, die in Heinemanns Präsidentenzeit fielen, braucht in dem Kontext des Nachlasses nichts gesagt zu werden. [ Entgegen anderslautenden Gerüchten und darauf basierenden Anfragen muß an dieser Stelle nochmals betont werden, daß sich im Heinemann-Nachlaß keine offiziellen Schriftstücke, gar Staatsdokumente, befinden, die aus Heinemanns Tätigkeit als Bundespräsident entstanden sind.] Am 13. November 1973 teilte Gustav Heinemann Willy Brandt u.a. mit, daß er nicht mehr erneut als Bundespräsident kandidieren werde: "Am 30. Juni 1974 endet meine Amtszeit als Bundespräsident. Kurz darauf werde ich 75 Jahre alt. Für weitere fünf Jahre kann ich den Erfordernissen meines derzeitigen, gern versehenen Amtes nicht gerecht werden." [ Vergl. Konzept des Briefes an W. Brandt u.a. in Mappe 0204.] Willy Brandt antwortete: "Sie wissen, daß ich es begrüßt hätte, wenn Sie weitere fünf Jahre für das Amt des Staatsoberhauptes, dem Sie durch Ihre Persönlichkeit und Ihre Arbeit neue Dimensionen gegeben haben, zur Verfügung gestanden hätten. Aber ich respektiere die Motive Ihres Entschlusses, für die nächste Amtsperiode nicht mehr zu kandidieren. Aus ihnen spricht das Selbstverständnis des verantwortungsbewußten Demokraten." [ Vergl. Mappe 063]

Nach Beendigung seiner Amtszeit als Bundespräsident (1974) unternahm Heinemann - er wohnte inzwischen wieder in Essen - Anstrengungen, in die Tagespolitik zurückzukehren. Eine ernsthafte Erkrankung - nicht allerdings die in diesem Zusammenhang von manchen in der Öffentlichkeit geübte Kritik - unterbrach diese Anstrengungen. Gustav Heinemann starb am 7. Juli 1976 in seiner Heimatstadt Essen.

Zu dem im folgenden beschriebenen Nachlaß Gustav W. Heinemann, Teil 2:

Etwa 1971 beschloß der damalige Bundespräsident Gustav Heinemann, ein Depositum seiner schriftlichen Unterlagen betr. u.a. seine politische und berufliche Tätigkeit im Archiv der sozialen Demokratie (AdsD) der Friedrich-Ebert-Stiftung zu errichten. Der Zugang der entsprechenden Dokumente u.ä. erfolgte in mehreren Einzellieferungen, die letzte Lieferung 1981, also fünf Jahre nach Heinemanns Tod. Noch zu Lebzeiten Heinemanns wurde aus bestimmten Gründen, die außerhalb des Archivs lagen, entschieden, ohne Rücksicht auf weitere Zugänge die bis dahin eingegangenen Dokumente zu einem "Block" (später Nachlaß Gustav W. Heinemann, Teil 1) zusammenzufassen, zu ordnen und zu verzeichnen. Alle weiteren Zugänge sollten zu einem zweiten "Block" (später Nachlaß Gustav W. Heinemann, Teil 2, genannt) zusammengefaß werden.

Nachlaß Gustav W. Heinemann, Teil 1, enthält Materialien, deren Entstehungszeit vor 1969 liegt. Nachlaß Gustav W. Heinemann, Teil 2, dessen Verzeichnung hier vorgelegt wird, sollte Materialien umfassen, deren Entstehungszeit nach 1969 liegt. Es stellte sich aber heraus, daß in den späteren Lieferungen auch eine beträchtliche Anzahl von Unterlagen aus der Zeit davor vorhanden waren, so daß sich "Überschneidungen" und Ergänzungen zu dem Nachlaß Gustav W. Heinemann, Teil 1, ergeben. Besonders hiervon betroffen sind die Rubriken: Persönliche Dokumente und Erinnerungsstücke; Persönliche Korrespondenz; Publizistische Tätigkeit; Außenpolitik/Wiedervereinigung; Fernsehrat des ZDF; FIBAG-Ausschuß; Justiz/Rechtswesen; Kirchliche Angelegenheiten/Theologie/Kirchliche Periodika; Langenbrahm Steinkohlenbergbau AG; Nationalsozialismus; Notgemeinschaft für den Frieden Europas/Gesamtdeutsche Volkspartei (GVP); SPD; CDU/CSU; Friedrich-Ebert-Stiftung; Rechtsanwaltspraxis und Notariat; Rheinische Stahlwerke AG; Rüstung/Militär; Staatsgerichtshof Bremen; Wirtschafts- und Sozialpolitik u.ä., Periodika, Bücher und Broschüren.

Der hier verzeichnete Nachlaß Gustav W. Heinemann, Teil 2, hat - nach der endgültigen Ordnung - einen Umfang von 62,63 lfm. Videoaufzeichnungen und Fotos, die sich im Nachlaß befanden, wurden herausgenommen und in die entsprechenden AdsD-Sammlungen eingefügt. Die Grundordnung dieses Nachlaßteils entspricht mehr dem Prinzip einer Dokumentation, zum einen weil eine solche Dokumentationsordnung einigen Nachlaßlieferungen zugrunde lag, zum anderen weil unter der Form der Dokumentation die heterogenen Teile am besten übersichtlich zusammengefügt werden konnten. Um Verwechslungen mit dem Nachlaß Gustav W. Heinemann, Teil 1, auszuschließen, sind allen Mappensignaturen dieses Nachlaßteiles eine 0 vorangestellt [ Zu zitieren wäre folgendermaßen (Beispiel): Promotionsurkunde von Gustav Heinemann zum Dr. rer.pol. Marburg 1922, in: Nachlaß Gustav W. Heinemann, Teil 2, Mappe 025.] .

Bei den Rubriken Persönliche Dokumente und Erinnerungsstücke, Publizistische Tätigkeit, Periodika und Bücher etc. sowie im Anhang werden Einzelstückverzeichnungen vorgenommen. Im Gegensatz zum Nachlaß Gustav W. Heinemann, Teil 1, in der die sog. Allgemeine Korrespondenz einen sehr großen Umfang hat, umfaßt hier die sog. Persönliche Korrespondenz nur 28 Mappen. Weitere Korrespondenz findet sich auch unter den verschiedenen Rubriken.

Über die Einsicht in den Nachlaß Gustav W. Heinemann und eventuelle Kopier- und Veröffentlichungsgenehmigungen entscheidet ein noch vom Nachlasser bestimmtes Gremium, die Genehmigung ist über das AdsD einzuholen.

Gustav Heinemann Chronik

Gustav Heinemann im Online-Katalog Bibliothek der FES