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Sozialakademie

Sozialakademie
Dortmund

Bestand: 96,00 lfd.m.
Laufzeit: 1946 - 1999
(Stand: 30.6.2003)

Zur Organisationsgeschichte

Was verbindet Antje Huber mit Kurt Gscheidle? Oder Erik Nölting mit Alfred Herrhausen? Nur zum Teil Mandat, Amt und politische Karriere. Gemeinsam ist allen jedoch das Studium bzw. der Lehrauftrag an der Sozialakademie in Dortmund (SAD).
Die ursprüngliche Idee zu Gründung der Sozialakademie ging von Alfred Gundlach aus, Bildungssekretär des DGB-Ortsausschusses Dortmund, der bereits 1946 einen "Gewerkschaftlichen Arbeitskreis für junge Leute" ins Leben gerufen hatte. Nach Gesprächen zwischen Dortmunder Gewerkschaftern und Wissenschaftlern der britischen Zone mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung, der Dortmunder Stadtverwaltung und der Sozialforschungsstelle der Universität Münster konnte die Sozialakademie bereits am 10. Juni 1947 mit einem Festakt im Theater am Rheinlanddamm aus der Taufe gehoben werden. Träger der SAD waren das Land Nordrhein-Westfalen, die Stadt Dortmund und der DGB.
Am 3. November des selben Jahres wurde der Lehrbetrieb in einem ersten Studiengang mit den Fächern Volkswirtschaft und Soziologie, Wirtschafts- und Sozialpolitik, Betriebswirtschaft, Rechtswissenschaft (Sozialrecht), Gewerkschaftstheorie, Geschichte und Praxis der Gewerkschaftsbewegung sowie medizinische Arbeitswissenschaft und Sozialpsychologie in den angemieteten Räumen des Max-Planck-Instituts aufgenommen.
Die damit zweitälteste Akademie für ArbeiterInnen (Akademie der Arbeit in Frankfurt: 1921; Hochschule für Wirtschaft und Politik in Hamburg: 1949) wirkte in den folgenden 50 Jahren mit dem Ziel, "Personen vornehmlich aus dem Kreis der Arbeitnehmer" laut Satzungsauftrag "im Rahmen eines speziellen sozialwissenschaftlichen Studiums zu unabhängigem Urteil und zu selbständiger Tätigkeit in Arbeitswelt, Wirtschaft und Politik zu befähigen".
Erster Akademieleiter wurde Dr. Otto Neuloh, vormaliger Abteilungsleiter der Sozialforschungsstelle an der Universität Münster mit Sitz in Dortmund, zum stellv. Leiter wurde Alfred Gundlach berufen. Wegen seiner Verdienste um die Entstehung der Sozialakademie wurde nach seinem Tode im Jahre 1952 das von der Stadt Dortmund neu errichtete Akademiegebäude nach ihm benannt. Ab 1948 nahm jeder Studiengang der SAD an einer Studienfahrt bzw. an internationalen Ferienkursen teil; im Jahre 1953 schließlich konnte der volle Vorlesungsbetrieb im eigenen Gebäude mit Internatsunterbringung stattfinden. Aber erst im Jahre 1954 erhielt die SAD ihren rechtlichen Status als wissenschaftliche Akademie des Landes Nordrhein-Westfalen und eine Satzung. 1958 dann wurde erstmalig eine Internationale Tagung abgehalten und zum integrierten Bestandteil aller künftigen Lehrgänge.
Mit umfassenden Umbauten des angeschlossenen Internates der Akademie wurde 1971 den inzwischen geänderten Bedürfnissen des Studiums Rechnung getragen. Durch das Gesamthochschulentwicklungsgesetz vom 18. Mai 1972 (§ 33) wurde die SAD dann in den Verbund mit der Gesamthochschule Dortmund aufgenommen; 1998 wurde sie letztendlich in die Universität Dortmund integriert.
Die schriftlichen Quellen zur Geschichte der Sozialakademie erweitern seit einiger Zeit das Sammelspektrum des AdsD. Sie werden durch das Depositum Ludwig Bußmann (1975 bis 2000 Dozent sowie ab 1978 mit zwei Unterbrechungen auch Akademieleiter) und Akten der "Gesellschaft der Freunde und Förderer der Sozialakademie" ergänzt. Dadurch wurde erstmalig die nahezu geschlossene Überlieferung einer Arbeiterakademie unter archivwissenschaftlichen Gesichtspunkten selektiert, archivisch gesichert und der Forschung und interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Zum Bestand

Der Archivbestand der Sozialakademie Dortmund wurde im April 2002 in das Archiv der sozialen Demokratie übernommen.
Einen umfänglichen Teil bilden hierin die Unterlagen der einzelnen Studiengänge, die vom 1. Studienjahr 1947 bis zum 48. Studiengang im Jahre 1995 nahezu vollständig erhalten sind. Unterlagen zu Studienfahrten und internationalen Ferienkursen, die vor allem in der Frühzeit der Akademie den Aspekt der internationalen Verständigung im bildungspolitischen Konzept der Sozialakademie ausmachten, sind bereits ab 1948 überliefert. Zu den im Jahre 1958 initiierten internationalen Tagungen sind Quellen ab 1960 erhalten.
Aus der Provenienz der Leitungsorgane sind Niederschriften von Kuratoriumssitzungen ab 1948 (durchgängig dann ab 1955) bis einschließlich 1990 überliefert. Protokolle von Dozenten- bzw. Akademiekonferenzen setzen 1957 ein und liegen bis 1988 vor; danach nur noch vereinzelt.
Des Weiteren existiert allgemeiner Schriftverkehr und Sachakten in unterschiedlicher Dichte, teilweise schon ab 1947. Referenten- und Projektakten überwiegend aus späterer Zeit konnten bei der Akquise ebenfalls gesichert werden. Auch die Tätigkeit der Studienreformkommission in den 80er Jahren ist im Bestand der Sozialakademie gut dokumentiert.
Daneben liegt auch vereinzelt Sammlungsgut vor, wie beispielsweise Fotos, Baupläne und Publikationen der Sozialakademie.
Der überwiegend geordnete und in weiten Teilen dicht überlieferte Bestand umfaßt 96,00 lfd.m. Aktengut mit einer Gesamtlaufzeit von 1946 bis 1999.