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Einzelstücke

Schmähschrift zur Eröffnung des Reichstages am 24.2.1867

Schmähschrift zur ReichstagseröffnungBei dem vorliegenden Original aus der Sammlung Flugblätter und Flugschriften des AdsD handelt es sich um eine Schmähschrift, die auf den 24.2.1867 datiert ist und die erste Sitzung des "großen Reichstages" im Norddeutschen Bund zum Anlass hat. Der Norddeutsche Bund bestand aus Preußen und weiteren 22 Kleinstaaten. Vorhergegangen war der sogenannte "Deutsche Krieg" von 1866, in dem Österreich von Preußen besiegt wurde und der Annexion mehrer deutscher Staaten durch Preußen zustimmen musste. Otto Fürst von Bismarck, der die Einheit Deutschlands vorantrieb, erreichte durch Zugeständnisse an das besiegte Österreich, dass es der Auflösung des bis dahin bestehenden Deutschen Bundes zustimmte. Der Deutsche Bund, der nach dem Zusammenbruch des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation 1806 am 8. Juni 1815 gegründet worden war, bestand aus 37 deutschen Fürstenstaaten und vier freien Städten. Es war eine lose Staatenverbindung ohne gemeinsames Oberhaupt. Dadurch waren viele Entscheidungen vom Verhalten der beiden Großmächte Preußen und Österreich abhängig. Der Norddeutschen Bund hingegen war ein Bundesstaat. Die Vormachtstellung dieser Föderation lag eindeutig bei Preußen. Keine Entscheidung konnte gegen den Willen des großen Königreichs getroffen werden. Staatsoberhaupt war der Preußenkönig Wilhelm I. Bismarck hatte die Verfassung des Norddeutschen Bundes so gestaltet, dass neben dem großen Einfluss des preußischen Königs auch seine politische Stellung als Bundeskanzler gefestigt wurde. Die politische Macht lag hauptsächlich in seinen Händen, solange er das Vertrauen des Königs besaß - und die Beschlüsse des Königs waren erst gültig, wenn der Kanzler sie gegenzeichnete. Darüber hinaus war Bismarck zugleich preußischer Ministerpräsident und Vertreter Preußens im Bundesrat. Dass praktisch die gesamte politische Macht des Norddeutschen Bundes in den Händen Bismarcks und Wilhelms I. lag, rief natürlich Kritik hervor.

Der vorliegende Handzettel ist in zeitgenössischer deutscher Kurrent handgeschrieben. Diese Schmähschrift steht in der Tradition der Pasquillen aus der Reformationszeit. Dort wurden bereits Schmähschriften unter Verwendung des "Vater Unser" gestaltet. Deutlich wird, dass neben der Schmähung des preußischen Königs auch die Politik Bismarcks abgelehnt wird.

Nach dem Sieg über Frankreich im Deutsch-Französischen Krieg wurde unter dem diplomatischen Bemühungen Bismarcks 1871 das Deutsche Reich gegründet und der preußische König Wilhelm I. unter der gleichen Namen zum Kaiser gekrönt.