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Historische Wanderausstellungen

Widerstand 1933-1945 - Sozialdemokraten und Gewerkschafter gegen Hitler
Vorwort

Widerstand wollen wir gewiss nicht als spezifisch sozialdemokratisch einstufen. Der Maßstab für Widerstand ist mehr als Partei, er ist Menschlichkeit. Widerstand gegen Terrorherrschaft war zuallererst in menschlichen Grundwerten verankert.

Und gerade weil dies so ist, brauchen sich deutsche Sozialdemokraten – die selbst gelitten oder das Leid anderer begriffen und in sich aufgenommen haben – durch arrogante Belehrungen in Sachen Freiheit nicht beleidigen zu lassen. Im Kampf um die Freiheitsrechte der vielen einzelnen war die junge Sozialdemokratie schon zu Bebels Zeiten quicklebendig., während die Vorgänger konservativer Gruppierungen noch im politischen Winterschlaf lagen. Freiheit gegen Sozialdemokratie ausspielen zu wollen, ist geschichtswidrig, antieuropäisch und unanständig dazu.

Tatsache bleibt jedenfalls, dass seit 1933 deutsche Arbeiter unterschiedlichen Standorts und Antifaschisten verschiedener Couleur schwer gelitten haben. Und dass viele andere sich doch nicht haben davon abhalten lassen, immer wieder schwerste Risiken auf sich zu nehmen.

Darunter waren Sozialdemokraten in großer Zahl. Dessen wollen wir uns wieder stärker bewusst sein. Denn das war ein großer Dienst nicht nur an guter sozialdemokratischer Tradition, sondern an Deutschland selbst und an Europa. Der sogenannte Nationalsozialismus war nicht nur Knechtschaft, sondern auch nationaler Verrat: Mit dem Untergang der Freiheit wurden Deutschland und die Einheit unseres Vaterlandes zerstört.

„Wir deutschen Sozialdemokraten“ hatte Otto Wels im März 1933 ausgerufen, „bekennen uns in dieser geschichtlichen Stunde feierlich zu den Grundsätzen der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit, der Freiheit und des Sozialismus.“ – In diesem äußersten Punkt , in ihrem Verhältnis zur Diktatur, war und ist die SPD nicht zu erschüttern, hat sie nie Konzessionen gemacht. Welche anderen politische Gruppierung in Deutschland könnte dies so von sich sagen?

Berechtigt ist der Hinweis auf die wirtschaftliche Krise als Nährboden des Nazismus. Gleiches Gewicht hat die Tatsache, dass bei uns in Deutschland die demokratische Revolution nicht zum Durchbruch gekommen war. Hinzu kamen dann auch Schwächen der eigenen Bewegung, die vielleicht nicht alle verfügbaren Mittel ergriff, um das Abgleiten in die Naziherrschaft zu verhindern.

Unter denen, die „dagegen“ waren, herrschten damals durchweg Verständnis, Kameradschaft, Hilfsbereitschaft. Dies galt auch im Verhältnis zwischen Sozialdemokraten, Kommunisten und verfolgten Christen. Ich wäre der letzte, der die unermesslichen Blutopfer kommunistischer Arbeiter und Funktionäre geringachten wollte. Aber die SPD wehrt sich nachdrücklich gegen jeden Monopolanspruch auf Widerstand.

Es gilt daher die eigene Tradition des sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Widerstands Wachzuhalten. Seine Erfahrungen müssen weitergetragen werden. Diese Ausstellung kann dazu einen Beitrag leisten.

Willy Brandt