Das Layout dieser Seite wird mit CSS umgesetzt. Wenn Sie diesen Hinweis sehen, kann Ihr Browser CSS nicht darstellen.
Die Seite bleibt trotzdem voll funktionsfähig.
Hier finden Sie einen standard-konformen Browser: www.mozilla.org.

Historische Wanderausstellungen

Willy Brandt - Ein politisches Leben 1913-1992
Einleitung

Nach dem Tod Willy Brandts (18. Dezember 1913 - 8. Oktober 1992) erklärte die SPD: "Willy Brandt war die letzte große Gründergestalt der zweiten deutschen Demokratie. Verfolgt, verfemt, geächtet von einem Regime der Unmenschlichkeit, hat er die Geschichte seines Volkes durchlitten. Ohne Ressentiments, ohne Bitterkeit und ohne Haß. Er hat statt dessen aus der Erfahrung der Unmenschlichkeit, der Unfreiheit und der Ungerechtigkeit den neuen deutschen Staat mit demokratischer und sozialer Leidenschaft mitgestaltet. Einer, der sein Land immer geliebt hat, ohne es über andere Vaterländer zu erheben, ein Patriot im besten Sinne des Wortes." Und im weiteren: "Er war der erste sozialdemokratische Kanzler, der seine Partei nach schmerzvollen Jahren der Opposition zur Regierungsfähigkeit brachte. Er war über 23 Jahre Vorsitzender der traditionsreichsten und größten deutschen Partei. Er war 16 Jahre lang Präsident der Sozialistischen Internationale, ein Repräsentant einer freiheitlichen Sozialdemokratie, einer, der die traditionsreiche deutsche Arbeiterbewegung mit den liberalen und aufgeklärten Schichten des Bürgertums versöhnte. Einer, der mit einem Charisma wie wohl kein anderer in dieser Republik alte und vor allem auch junge Menschen in seinen Bann zu ziehen vermochte, einer, der menschlich war und blieb, auch in persönlich schweren Stunden."

Rudolf Augstein ist der Überzeugung, daß seit Konrad Adenauers Tod kein Deutscher seine Landsleute mit seinem Sterben so tief bewegt habe wie Willy Brandt: "Er war einer der ganz Großen im Land, gehörte in die Reihe der Wallenstein, Fridericus, Freiherr vom Stein, Bismarck, Bebel, Schumacher, Adenauer, Wehner." Selbst die politischen Gegner von einst zollten Brandt "über Parteigrenzen hinaus" großen Respekt. Seine Verdienste um Deutschland und den Frieden in der Welt sichern ihm einen Platz in der Geschichte. Diese Ausstellung soll den Internationalisten und Patrioten Willy Brandt ehren - ohne daß ständig mit dem pädagogischen Zeigefinger auf seine politischen Leistungen hingewiesen wird. Die Ausstellung versteht sich vielmehr schlicht als eine Bildgeschichte, die einen anschaulichen Zugang zur Person Brandts ermöglichen soll.

Eine Ausstellung verfügt nicht über die Mittel einer biographischen Darstellung bzw. einer wissenschaftlichen Einzeluntersuchung. Dies ist eine Binsenwahrheit, die von den meisten akzeptiert, aber deren Tragweite oft nicht bedacht wird: Eine Bildgeschichte kann nicht mit feinen Nuancierungen erzählt werden. Sie ist notgedrungen holzschnittartig; vieles muß weggelassen werden, was "eigentlich" auch wesentlich ist. Vieles läßt sich nicht bebildern. Eine Reihe von Aspekten der politischen Tätigkeit Willy Brandts mußte aus den dargelegten Gründen unberücksichtigt bleiben. Auch werden sich viele Mitarbeiter, Weggefährten und Freunde Brandts in dieser Bildgeschichte vermissen - nicht, weil die Ausstellungsmacher der Ansicht waren, sie hätten keine Bedeutung für Brandt gehabt, sondern weil dem Umfang einer Ausstellung enge Grenzen gesetzt sind, wenn sie nicht die Besucher überfordern soll. Mit dieser Bemerkung bitten wir die Betroffenen um Nachsicht und Verständnis.

Bei den Texten zu den Exponaten haben sich die Ausstellungsmacher bewußt zurückgenommen, um die Besucher nicht mit ihrem eigenen Urteil, sondern - wo immer es möglich war - mit den Worten Brandts zu konfrontieren.

"Er war einer von uns", hatte ein norwegischer Widerstandskämpfer auf einer Berliner Trauerkundgebung für Willy Brandt am Vorabend des Staatsakts zu Recht gesagt. Aber auch andere "Vereinnahmungen" sind zu beobachten: Sie bestehen darin, Widersprüche zwischen dem Patrioten und dem Internationalisten Brandt zu konstruieren oder gar einen Bruch des langjährigen SPD-Vorsitzenden mit seiner Partei zu suggerieren. Bei den Recherchen zu dieser Ausstellung hat sich gezeigt, daß solche Formen der Vereinnahmung geradezu grotesk sind.

Obwohl das Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung auf seine reichen Bestände zur Geschichte der Arbeiterbewegung und Willy Brandts zurückgreifen konnte, wäre die Ausstellung ohne die freundliche Mithilfe anderer Archive und Personen so nicht denkbar gewesen. Ein Blick auf die Quellennachweise wird den Besucher bzw. Leser davon überzeugen. Nicht allen kann an dieser Stelle gedankt werden. Besonderer Dank allerdings gebührt: Landesbildstelle Berlin (Bildarchiv, Landesfilm- und Tonarchiv), "Berliner Stimme" (Konrad Beck), August-Bebel-Institut, Berlin, Franz-Neumann-Archiv, Berlin (Helga Ernst), RIAS, Berlin (Manfred Rexin), Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (Bundesbildstelle), Bonn, Deutsches Rundfunkarchiv, Frankfurt a. M. (Walter Roller), Elisabeth Armbrust, Hamburg, Deutsche Wochenschau GmbH, Filmarchiv, Hamburg (Wilfried Wedde), Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck, Archiv der Hansestadt Lübeck, Gymnasium Johanneum zu Lübeck, Arbeiderbevegelsens Arkiv og Bibliotek, Oslo, Einhart Lorenz, Oslo, Arbetarrörelsens Arkiv och Bibliotek, Stockholm, Stiftung Bruno Kreisky Archiv, Wien. Dank gebührt ferner allen in- und ausländischen Zeitungen, die uns Originalausgaben mit Berichten über den Tod Willy Brandts zur Verfügung gestellt haben. Wir danken zudem Hans Schaufler (AdsD), der an dem Zustandekommen der beiden Bildplatten wesentlich beteiligt war, und Isabella Magee, die uns bei der schriftlichen Übertragung von Fernseh- und Tonbandinterviews Willy Brandts und bei den Schreibarbeiten zu diesem Katalog sehr behilflich war.

Unser herzlicher Dank gilt last but not least Walter Kreutzberg und Desiree Gensrich, die die graphische Gestaltung von Ausstellung und Katalog übernommen haben.

Werner Krause (Archiv der sozialen Demokratie), Mario Bungert (AdsD), Michael Oberstadt (AdsD), Bernd Raschke (AdsD), Hartwig Schlaberg (AdsD), Wolfgang Stärcke (AdsD)