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FES / AdsD / Ausstellungen / Ausstellungseröffnungen

Eröffnung von Ausstellungen aus dem AdsD

"...unsere normalen Beziehungen haben den Charakter der Besonderheit...".
Willy Brandt, die Bundesrepublik Deutschland und Israel

Wanderausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung für Israel

Mitgliedsausweis Willy Brandts der „Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin“,Nr. 679 vom 8. Juli 1952Willy Brandt verabscheut bereits als 16-jähriger die antisemitische Propaganda der Nazis. Im Exil stehen im Mittelpunkt seiner politischen Arbeit der Kampf gegen die rassistische Diktatur des NS-Verbrecherregimes und Planungen für eine gerechte Nachkriegsordnung, in der die Juden eine selbstbestimmte Zukunft finden sollen. In seinen Publikationen in dieser Zeit (1944) „Efter segern" und „Zur Nachkriegspolitik" der deutschen Sozialisten unterstreicht Willy Brandt das Recht der Juden zur völlig gleichberechtigten Reintegration in ihre Heimatländer sowie das Recht zur Wiederkonstituierung als Nation, zur Schaffung eines Staates Israel. Zusammen mit Vertretern des schwedischen Hechaluz, deren Hauptaufgabe die Organisierung von Alijah und Hachschara – die Einwanderung nach Palästina und deren Vorbereitung durch landwirtschaftliche Ausbildung - ist, entwirft Willy Brandt entsprechende Resolutionen, die weltweit über Stützpunkte des Hechaluz in verschiedenen Sprachen veröffentlicht werden. Auch nach dem Krieg setzt sich Willy Brandt schon früh für jüdische Belange in seinem Wirkungskreis Berlin ein.

Ausgehend von der Verantwortung für die deutsche Geschichte spricht er vom Wunsch nach intensiven Beziehungen mit Israel, verbunden mit der Förderung eines friedlichen Ausgleichs zwischen den Völkern im Nahen Osten.
Im Mittelpunkt der Kanzlerschaft Willy Brandts stehen innere Reformen sowie die Einigung Gesamteuropas und Gewaltverzicht, Entspannung und Aussöhnung gegenüber dem Osten. Sein Kniefall am Ghetto-Denkmal in Warschau am 7. Dezember 1970 gilt in aller Welt noch heute als Symbol für die deutsche Bereitschaft, die Last der Geschichte anzunehmen und eine aktive Entspannungspolitik einzuleiten. Dafür erhält Brandt 1971 den Friedensnobelpreis.
Während seiner bundespolitischen Regierungsteilhabe als Außenminister in der Großen Koalition 1966-1969 und seiner Kanzlerschaft 1969-1974, die von anti-israelischen Gewaltakten (Flugzeugentführungen nach Jordanien 1970 und Libyen 1972, Olympia-Attentat 1972) und kriegerischen Auseinandersetzungen (Sechstagekrieg 1967, Jom-Kippur-Krieg 1973) überschattet ist, entwickelt Willy Brandt erste konkrete friedenspolitische Überlegungen für den Nahen Osten.
Unter der Maxime „unsere normalen Beziehungen haben den Charakter der Besonderheit“ intensiviert Brandt das Verhältnis zu Israel und versucht einen Beitrag zur Lösung des Nahost-Problems zu leisten. Konkrete Friedensinitiativen für den Nahen Osten, beispielsweise zur Unterstützung des Friedensprozesses von Camp David 1979 , stößt Willy Brandt mehrfach im Rahmen seiner Präsidentschaft für die Sozialistische Internationale (SI) an.

Bis zu seinem Tod 1992 versucht Brandt auszuloten, auf welche Weise das Existenzrecht Israels mit dem Selbstbestimmungsrecht des palästinensischen Volkes in Einklang gebracht werden kann.
Die besondere Verbundenheit Willy Brandts mit Israel, die sein Freund Shimon Peres als „tiefe Beziehung zum jüdischen Volk und zum Staat Israel“ und als „fast religiös“ bezeichnet, spiegelt sich in seiner Korrespondenz mit führenden israelischen Politikern, wie Golda Meir , Shimon Peres und Yitzhak Rabin wieder.

Das Leitmotiv Willy Brandts „Nicht nur Spannungen – auch Entspannungen übertragen sich. Nicht nur der Unfrieden, auch der Friedenswille kann ansteckend sein“, welches seine Ostpolitik zur Aussöhnung mit den Staaten des Ostens prägte und letztlich zur friedlichen, grenzüberschreitenden Lösung des Ost-West-Konflikts, zur deutschen und europäischen Einheit maßgeblich beitrug, kann eine exemplarische Perspektive auch zur Lösung des Nahost-Konflikts aufzeigen.
In diesem Sinne will die vom Willy-Brandt-Archiv des AdsD erstellte Wanderausstellung „ ' ... unsere normalen Beziehungen haben den Charakter der Besonderheit ...' Willy Brandt, die Bundesrepublik Deutschland und Israel" wirken. Sie umfasst 33 Ausstellungstafeln mit mehr als 150 Exponaten und dokumentiert so wichtige Stationen in Brandts Leben, wie seine Israelbesuche 1960, 1973 und 1985 sowie seine SI-Friedensinitiativen 1978 und 1979 für den Nahen Osten.

Die Wanderausstellung wurde am 10. November im Cameri-Theater in Tel Aviv eröffnet. Sie wird im Zeitraum von zwei Jahren in ganz Israel zu sehen sein.