Die Projekte der FES in Kolumbien erstellen Studien zu aktuellen Diskussionen, entwickeln Konzepte zur Lösung von entwicklungspolitischen Problemen, bieten Beratung bei der Umsetzung von Vorschlägen und Programmen an, und koordinieren die Umsetzung in ausgewählten Beispielen auch selbst. Die Fort- und Weiterbildung von Führungspersonal sozialer und staatlicher Einrichtungen ergänzt diese Tätigkeit. Veröffentlichungen machen wichtige Ergebnisse der Forschungsstudien und der Fachdebatten einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich.
Vor dem Hintergrund des Globalisierungsprozesses hat die FES auch in ihr Programm in Kolumbien die Erfahrung mit abgestimmtem bzw. vernetztem Handeln zwischen den FES-Büros in der Andenregion einfliessen lassen.
Zu den dabei behandelten Themen gehörten bisher vor allem Fragen einer integrierten territorialen Entwicklung innerhalb und zwischen diesen Ländern, der Abbau der sozialen Disparitäten zwischen den Gesellschaftsschichten und die Förderung gesellschaftlicher Partizipation (einschließlich der indigenen Völker).
In Kolumbien ist die Zusammenarbeit mit Regierungsstellen, mit Gewerkschaften, mit Nicht-Staatlichen Organisationen und der sozialwissenschaftlichen Forschung an den genannten Fragen gleichbedeutend mit dem Versuch, eine neue politische Kultur zu fördern. Denn die Unzulänglichkeiten der dominanten politische Kultur und der begrenzt demokratischen Beziehung zwischen Staat und Gesellschaft hängen wesentlich damit zusammen, daß es keine Bindeglieder zwischen dem Staat und der Gesellschaft gibt, die diese Vermittlungsaufgabe leisten. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten nimmt die FES eine solche Mittlerrolle war.
Neue soziale Umgangsformen als konstituierendes Element einer neuen politischen Kultur können sowohl am Beispiel der Mitgestaltung der Umweltpolitik als auch in der gemeinsamen Reflektion über die Rolle der Medien in der Gesellschaft eingeübt werden und ebenso in der praktischen Gewerkschaftsarbeit und der Förderung eines neuen Verhältnisses zwischen den Sozialpartnern und zwischen diesen und dem Staat.
Ähnliches gilt für die Dezentralisierungs-Politik. Sie bietet in Kolumbien die Chance, auf lokaler und regionaler Ebene neue Formen der Konzertation und der Zusammenarbeit zwischen Staat und Gesellschaft einzuüben. Die FES hat hier in der Vergangenheit in beiden Projekten wertvolle Erfahrungen gesammelt, die dafür verwendet werden können, staatliche und private Akteure für eine gemeinsame Entwicklungspolitik an einen Tisch zu bekommen.
Es gibt allerdings gerade in Kolumbien einige gesellschaftspolitisch sehr wichtige Themen, die eine ausländische Institution, wie die FES nur mit gebotener Zurückhaltung bearbeiten kann. Dazu gehören die ungelösten Fragen der Drogenpolitik und der ungebrochene Einfluß krimineller, paramilitärischer und anderer destabilisierender Kräfte im Lande. Die FES hat sich in den letzten Jahren auch diesen Fragestellungen besonders unter dem Gesichtspunkt der Verletzung der Menschenrechte geöffnet.
Im Zuge des sich verschärfenden Konflikes innerkolumbianischer Gewaltakteure, gewinnen der informierende und auf reformerischen Konsens gerichtete gesellschaftliche Dialog und die Festigung der Zivilgesellschaft wie auch der staatlichen Autorität an Bedeutung. Dies soll der kolumbianischen Bevölkerung eine höhere Partizipation an den nötigen Transformationsprozessen und insbesondere am Friedensprozess des Landes erleichtern und ist daher zu einem wichtigen Parameter der FES - Arbeit in Kolumbien geworden.
In diesem Kontext stellen die Reform des politischen Systems, Diskussion ökologischer Probleme (Kolumbien hat die zweit höchste Biodiversität der Welt), regionale Konfliktursachen, Rolle der Massenmedien in den gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen, Programme zur Bekämpfung der Armut und Arbeitslosigkeit, Gewerkschaftskooperation und Außenbeziehungen Kolumbiens traditionelle Arbeitsfelder FESCOLs dar.
Speziell zu dem schroffen Gegensatz zwischen einer über lange Jahre stabilen Wirtschaftsentwicklung und der immer tieferen sozialen Spaltung der Gesellschaft hat auch das wirtschafts- und sozialpolitische Projekt SEDECOM gearbeitet - mit dem Ziel, die Entwicklungsmöglichkeiten kleinerer Unternehmen zu verbessern. Inzwischen ist aus SEDECOM eine eigenständige und unabhängige Beratungsgesellschaft geworden, mit der eine partnerschaftliche Zusammenarbeit bei gemeinsamen Projekten (Lokale Wirtschaftsförderung, Nachhaltige Entwickung der Amazonasregion) existiert.
Von der gesellschaftlichen Bedeutung dieser Themen und offenen Fragen leitet die FES ihr übergeordnetes Handlungsziel und damit ihr mittelfristiges Engagement in Kolumbien ab: einen Beitrag zur Entwicklung einer neuen politischen Kultur zu leisten, um die Durchsetzung der Menschenrechte ebenso zu erleichtern wie die Konsolidierung einer nachhaltigen Entwicklungspolitik auf lokaler und nationaler Ebene und zu diesem Zweck die Organisation der Zivilgesellschaft als Gegenmacht.