Fluchtursachen

Eine Welt in Bewegung

Flucht und Migration prägen das 21. Jahrhundert. Der Klimawandel, der die Heimat ganzer Bevölkerungsteile zerstört, genau wie Umweltverschmutzung, Naturkatastrophen und gewaltsame Konflikte oder die immer größer werdende Kluft zwischen Gewinner_innen und Verlierer_innen der Globalisierung – die Gründe für Flucht und Migration sind vielfältig und die Grenze zwischen beidem fließend. Die starre Unterscheidung von Migration und Flucht wird den bereits heute komplexen Problemlagen nicht mehr gerecht. Entsprechend problematisch ist es, Migrant_innen in Kriegs-, Wirtschafts-, Armuts- oder Klimaflüchtlinge einzuteilen.

Die armen Länder nehmen die meisten Geflüchteten auf

Während die Zahl der internationalen Migrant_innen konstant ansteigt, sind die Zahlen der Geflüchteten und Binnenvertriebenen in den letzten Jahren regelrecht explodiert. Bisher ist Europa weder das primäre Ziel dieser Menschen, noch trägt es die Hauptlast oder nimmt die meisten von ihnen auf. Nur haben Politik und Öffentlichkeit in Europa und Deutschland das weltweite Ausmaß von Flucht und Vertreibung lange Zeit verdrängt.

Kurzfristige Lösungen gibt es nicht

Statt langfristige Lösungen anzudenken, setzt die Politik in Europa nach wie vor eher darauf, Migration zu verhindern, statt sie zu gestalten. Politische Maßnahmen, die schnelle Lösungen versprechen, sind oft nicht nachhaltig. In den Fokus rücken müssen die zentralen Ursachen von Konflikten und die Gründe, aus denen Menschen ihre Heimat verlassen.

Europa muss sich seiner (Mit-)Verantwortung stellen

Ein Verständnis über die historische, politische sowie ökonomische Mitverantwortung Deutschlands und Europas bei der Bekämpfung von Fluchtursachen und erzwungener Migration ist zentral. Ob bei der Ausgestaltung von Handelsverträgen, dem Verhalten Transnationaler Konzerne, bei Klima-, Agrar- oder Rohstoffpolitik bis hin zu Waffenexporten: Europa muss sich seiner Verantwortung stellen und Flucht und Migration als das behandeln, was es ist – ein globales Phänomen, das nicht erst an den EU-Außengrenzen relevant wird.

Reihen & Formate

Fluchtursachen made in Europe

Im Juli 2016 startete die FES die Veranstaltungsreihe „Fluchtursachen made in Europe?“, deren Ziel es ist, das Verständnis von Fluchtursachen zu erweitern und die historische, politische sowie ökonomische Mitverantwortung Deutschlands und Europas für die Verminderung von Ursachen von erzwungener Migration mit in die Debatte einzubeziehen. Dazu gehören die Ausgestaltung von Handelsverträgen und die weitere Einschränkung von Regulierungs- und Handlungsfähigkeiten von Staaten ebenso wie die Exportstrategien von beispielsweise Geflügelproduzenten, das Verhalten Transnationaler Konzerne, CO2-Emmissionen oder Waffenexporte. Handels-, Steuer-, Fischerei-, Agrar-, Rohstoff- und Klimapolitik sollten daher auf Treiberfaktoren für erzwungene Migration beleuchtet werden. 

Migration historisch und geographisch verstehen

Migration war immer schon Teil der Menschheitsgeschichte, sie ist der Normalfall.

Die meisten Flüchtlinge wollen nicht nach Deutschland, sie bleiben im Heimatland oder fliehen in andere Entwicklungsländer. Die FES möchte daher die Debatte um „Südperspektiven“ ergänzen und Vergleiche mit anderen Ländern in der Debatte um Migration, Asyl und Integration ziehen. Dies geschieht durch die Produktion von Videos vor Ort, die in politischen Bildungsveranstaltungen und im Internet genutzt werden können. Weiterhin ist eine Wanderausstellung für Bildungs- und Kultureinrichtungen geplant.

Begegnung durch Geschichten

Weiterhin sind wir der Überzeugung, dass wir zu oft über „die“ reden, statt mit den Menschen selbst zu sprechen, die Deutschland im letzten Jahr erreicht haben. Dadurch entwickeln wir Vorurteile, die selten der Realität entsprechen. Deswegen versucht die FES, durch Kamingespräche und Filmabende Begegnungen zwischen Geflüchteten und der interessierten Öffentlichkeit zu initiieren, auch um Vorurteile abzubauen. Die nach Deutschland geflohenen Menschen haben Schicksale und verbinden Emotionen mit ihrer Flucht. Ihre Geschichten zu verstehen, könnte es uns erleichtern, ihre Aufnahme und Integration zu verbessern.


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