Lateinamerikanische Grüße zum Jahreswechsel

 
 
 
 
Das Bild zeigt Christbaumkugeln
von adlerschmidt

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

das Jahr 2025 neigt sich dem Ende. Für Lateinamerika und die Karibik war es ein bewegtes Jahr: Wahlen in Ecuador und Bolivien haben die politische Landkarte zugunsten konservativer Kräfte verändert. Im Dezember wurden auch in Chile und Honduras die progressiven Regierungen von Gabriel Boric und Xiomara Castro von der rechten Opposition abgelöst – auch wenn der Wahlausgang in Honduras zum jetzigen Zeitpunkt noch umstritten ist. Überschattet war das Jahr aber vor allem von dem Wechsel im Weißen Haus. Unter der neuen Regierung Donald Trumps wurde die Entwicklungsagentur USAID geschlossen, was vielen Projekten zur Stärkung von wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung sowie integralen Ansätzen zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität in der Region die Finanzierung entzog. Der radikale Kurswechsel im Umgang mit Migrant_innen in den USA traf die Gesellschaften in Lateinamerika und der Karibik ebenfalls hart. Teils illegale Abschiebungen verbunden mit einer Militarisierung und Grenzschließungen erhöhten den Druck auf die Regierungen der Länder, wie z.B. Mexiko, Rückkehrer_innen in Gesellschaft und Arbeitsmarkt zu reintegrieren. Der rücksichtslos geführte Kampf gegen den Drogenhandel verletzt internationales Recht und Menschenrechte. 

Andererseits hat Brasilien sich unter Präsident Lula auf internationalem Parkett als starker Partner für den Multilateralismus gezeigt: Nach der G20 Präsidentschaft im Vorjahr hatte das Land in diesem Jahr die Präsidentschaft der Staatengruppe der BRICS inne und richtete die internationale Klimakonferenz in Belem aus, bei der seit mehreren Jahren erstmals wieder zivilgesellschaftliche Akteure angemessenen Raum bekamen. Sollte das - nicht unumstrittene - EU Mercosur Handelsabkommen am 20. Dezember wie geplant unterzeichnet werden, wäre das der krönende Abschluss eines Jahres, in dem Brasilien seine Rolle als Regionalmacht mit Verve unterstrichen hat.

Die FES hat all diese Entwicklungen 2025 durch Analysen, Dialogveranstaltungen und Fortbildungen in unterschiedlichen Formaten in Berlin und auf dem Kontinent begleitet: Junge politische Nachwuchskräfte trafen sich im Rahmen des Projekts Manifestate im Mai in Brasilien, Partner aus progressiven Parteien im Rahmen des Foro Progresista de Partidos Politicos (FPPP) im August in Mexiko, um über die Rolle Lateinamerikas in der gegenwärtigen geopolitischen Lage zu reflektieren und progressive Programmatiken zu diskutieren. Die Ergebnisse der letztjährigen regionalen Jugendstudie „Juventudes – Asignatura Pendiente“ wurden genutzt, um Parteien und Gewerkschaften zu beraten und die Partizipation junger Menschen zu stärken. Der Dialog über „Transiciones Justas“ im Kontext der Sozialökologischen Transformation wurde mit Gewerkschaften und Politik vor allem im Vorlauf der COP in Brasilien diskutiert.

Mit Barbara Hendricks, Reiner Hoffmann und Rolf Mützenich durfte die FES in diesem Jahr drei Mitglieder des Vorstands der Stiftung in verschiedenen Ländern der Region empfangen und das 60jährige Jubiläum der Stiftung in Costa Rica sowie das 40jährige Bestehen in Uruguay feiern. Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch des neu gewählten Parteivorsitzenden der PT aus Brasilien, Edinho da Silva in Berlin, um den Dialog zwischen progressiven Kräften dies- und jenseits des Atlantiks zu fördern. Angesichts des Erstarkens rechtsextremer Kräfte in unseren Gesellschaften ist dieser Austausch über gemeinsame Strategien notwendiger denn je, um Demokratie und Wohlstand für alle zusichern. Dies sind nur einige der Highlights unserer diesjährigen Arbeit in den 14 Auslandsbüros von Chile bis Mexiko.

Auch im kommenden Jahr wird die FES nach Kräften dazu beitragen, für soziale Gerechtigkeit, faire Arbeitsbedingungen und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung einzutreten.

Wir bedanken uns für Ihr Interesse an unserer Arbeit und hoffen, dass Sie uns weiterhin begleiten.

Das Referat Lateinamerika und Karibik wünscht Ihnen

¡Feliz Navidad! Feliz Natal!