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Anfang Januar übernahm der rechtsextreme Präsident Jair Bolsonaro mit seinem Kabinett – bestehend aus Militärs, evangelikalen Fundamentalist_innen und Großgrundbesitzer_innen – die Regierungsmacht in Brasilien. Seitdem erlebt das Land eine beispiellose politische Wende: die Rodungen im Amazonas sind massiv angestiegen, die Budgets für Bildung und Gesundheit wurden gekürzt, ebenso die Renten, das Arbeitsministerium wurde aufgelöst und grundlegende politische sowie soziale Rechte werden zur Disposition gestellt. Zudem sind Afro-Brasilianer_innen, Indigene, Frauen und LGBTIQ-Personen täglich den Folgen offener Hetze aus dem Regierungslager und seinen Anhänger_innen ausgesetzt. Auch die Angriffe auf Repräsentant_innen der sozialen Bewegungen und Gewerkschaften nehmen stark zu. Die neoliberalen Politiken der brasilianischen Regierung und die damit einhergehende Prekarisierung aller Lebensbereiche stellen die Gewerkschaften und andere soziale Akteure vor große Herausforderungen.
Im Fachgespräch werden wir mit unseren brasilianischen Gästen die soziale und politische Situation in Brasilien beleuchten. In einer kleinen Gruppe von Brasilien-Expert_innen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft möchten wir uns dafür zu den folgenden Fragestellungen austauschen:
- Welche Auswirkungen haben die unter Temer begonnenen und unter Bolsonaro verschärften Kürzungen in der Sozial-, Gesundheits- und Bildungspolitik für die Brasilianer_innen?
- Inwiefern sind Frauen, Arbeiter_innen, Afro-Brasilianer_innen, Indigene und andere marginalisierte Gruppen besonders von den Kürzungen der Sozialprogramme sowie der Renten- und Steuerreformen betroffen?
- Wie wirken sich der erzkonservative Diskurs der Regierung sowie die Abschaffung der Gleichstellungs- und Antirassismuspolitik auf die gesellschaftlichen Beziehungen in Brasilien aus?
- Welche Formen des Widerstands leisten die brasilianischen Gewerkschaften und soziale Bewegungen?
Aufgrund der aktuellen Entwicklungen ist es unseren Gästen außerdem ein besonderes Anliegen über die Rodungen, Ausweitung des Agrobusiness und Gewalt gegen Indigene im Amazonas zu berichten.
Unsere Gäste:
- Carmen Helena Ferreira Foro / Vizepräsidentin des Gewerkschaftsdachverbandes CUT
- Junéia Martins Batista / Vorstandsmitglied der CUT, zuständig für Frauen und Genderpolitik
- Marilane Teixeira / Universitätsprofessorin für Ökonomie am Zentrum für Gewerkschaftsstudien und Arbeitsökonomie der Universität Campinas (Cesit/Unicamp)
Das Fachgespräch soll eine Vertiefung der in der öffentlichen Veranstaltung („Ohne Rechte? Ohne Uns!“ 10.09. um 19 Uhr im Refugio Berlin, mehr Informationen hier) behandelten Themen ermöglichen, die Teilnahme ist aber keine Voraussetzung. Simultanübersetzung Portugiesisch-Deutsch wird angeboten.
12. September 2019 | 16:00-18:00 Uhr | Haus 2 | Raum 1.01
Friedrich-Ebert-Stiftung, Hiroshimastr. 28, 10785 Berlin
Wir bitten um eine Anmeldung zum Fachgespräch bis zum 09.09.19 unter info.lak@fes.de.
Mit freundlichen Grüßen
Valeska Hesse
Leiterin des Referats Lateinamerika und Karibik
Friedrich-Ebert-Stiftung