Neues FES diskurs
Helfer oder doch Fachkräfte?
Migrantische Beschäftigte im deutschen Hochbau
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vergangene Woche haben die ersten Streiks im Bauhauptgewerbe begonnen. Sie folgen auf die Ablehnung des Schlichterspruchs in den Tarifverhandlungen durch die Arbeitgeberseite kurz nach dem ersten Mai.
Damit ist das Bauhauptgewerbe, das in Deutschland insgesamt rund 900.000 Menschen beschäftigt, ins Licht der medialen und politischen Öffentlichkeit gerückt.
Weitgehend im Schatten stehen die Menschen, mit denen sich das vorliegende neue FES diskurs beschäftigt: „Helfer oder doch Fachkräfte?“, das fragen Michael Baumgarten und Alexandru Firus vom PECO-Institut gemeinsam mit Linda Beck von der Universität Göttingen. Sie richten den Blick auf den Hochbau, einen der Hauptbestandteile des Bauhauptgewerbes, das wiederum einen großen Teilbereich der gesamten Bauwirtschaft ausmacht.
Hier hat sich der Anteil an Beschäftigten, die Helfer-Tätigkeiten ausführen, über die letzten Jahre stark erhöht und der Fachkräfteanteil ist gesunken. Gleichzeitig wird auch hier von Arbeitgeberseite seit Jahren ein Fachkräftemangel beklagt und die fachlichen Anforderungen an die Arbeit haben sich nicht abgeschwächt.
Wie also passt das zusammen?
Anhand von Arbeitsmarktdaten sowie Interviews mit Beschäftigten und Branchenexpert_innen zeigen die Autor_innen, dass so mancher Beschäftigter im Hochbau, der als Helfer eingestellt und bezahlt wird, doch eigentlich fachliche Tätigkeiten ausführt.
Sie arbeiten außerdem eindrücklich heraus, welch zentrale Rolle die Arbeitsmigration, insbesondere aus Südost- und Osteuropa, in dieser Branche mittlerweile spielt.
Starke Informalisierungsprozesse, immer komplexere Nachunternehmensstrukturen und viele Beschäftigte, die ihre Rechte und Möglichkeiten nicht kennen oder durchsetzen können, schaffen ein Umfeld, in dem es einfach ist, Beschäftigte um den ihnen eigentlich zustehenden Lohn zu bringen.
Diese Entwicklung muss als Teil eines Erosionsprozesses der Sozialpartnerschaft in dieser Branche verstanden werden. Dieser fand Ende 2021 seinen bisherigen Höhepunkt mit der Nichtverlängerung des bis dahin bestehenden allgemeinverbindlichen Mindestlohntarifvertrags für das Bauhauptgewerbe durch die Arbeitgeberseite und scheint aktuell, mit der Ablehnung des Schlichterspruchs für die laufenden Tarifverhandlungen seine Fortsetzung zu finden.
Unser FES diskurs zeigt deutlich, dass es höchste Zeit ist, die tarifliche Durchdringung der Baubranche (aber auch anderer Branchen) der deutschen Wirtschaft wieder zu stärken und weiteren Informalisierungstendenzen entschieden entgegenzuwirken.
Einige sinnvolle Vorschläge, wie beispielsweise eine Tariftreueregelung bei Auftragsvergaben des Bundes, werden politisch bereits diskutiert und stehen auf der Agenda der Bundesregierung. Sie müssen nun zügig umgesetzt werden.
Wir wünschen eine interessante Lektüre und viele Erkenntnisse, die zum Handeln anregen!
Mit besten Grüßen
Susan Javad und Vanicha Weirauch, FES