07.12.2017

Refugees (welcome). Ein Rückblick.

Der Kurzfilm blickt zurück auf zwei Jahre Einwanderung von Geflüchteten. Wir sprachen mit der Regisseurin Josephine Kuthning.

Bild: von Tomas Miller 

Sie haben für die FES einen Film über die Diskussionen rund um die Flüchtlingspolitik gedreht und dabei viele Bürgerinnen und Bürger in Berlin interviewt. Wie haben Sie die aktuelle Stimmung erlebt?

Ich bin durch die Interviews auf sehr unterschiedliche Menschen mit sehr gegensätzlichen Standpunkten  getroffen. Dabei wurde ich auch mit vielen besorgten oder fremdenfeindlichen Meinungen konfrontiert, womit ich nicht gerechnet habe. In den tiefergehenden Gesprächen war es spannend festzustellen,  dass die Interviewten, die direkten Kontakt mit Geflüchteten hatten, weniger Angst und Vorurteile mit sich tragen als die, die sich nur über Medien oder das persönliche Umfeld informiert haben.

Ihr Film setzt einige Meilensteine der Diskussion über Geflüchtete. Warum haben Sie sich für diese entschieden und gab es noch andere, die Sie am Ende nicht im Film untergebracht haben?

Mir ist es besonders schwergefallen, in einem Film von wenigen Minuten eine so breite und  emotionsgeladene Thematik umfassend und objektiv abzubilden. Ich habe mich letztendlich für die Meilensteine entschieden, die in den vergangenen zwei Jahren eine große Repräsentanz in den Medien hatten.  Die Zuschauer und Zuschauerinnen verknüpfen mit diesen Ereignissen starke Emotionen und haben durch sie eine persönliche Meinung zum Thema entwickelt. Was dabei keinen Platz im Film finden konnte, war eine detaillierte Ausarbeitung der einzelnen Schwerpunkte. Dadurch wirkt ein Stimmungsumschwung im Film schneller erzählt als er in der Realität mit all seinen Feinheiten stattgefunden hat.

Der Film geht auch darauf ein, dass die Diskussionen über Flucht, Migration und Integration begleitet worden ist vom Aufstieg einer rechtspopulistischen Bewegung. Wie sehr hat das Ihrer Meinung nach das öffentliche Klima beeinflusst?

Das öffentliche Klima ist durch den Aufstieg der rechtspopulistischen Bewegung noch zwiespältiger geworden. Das ist viel deutlicher zu spüren, weil sich Menschen plötzlich für oder gegen Geflüchtete öffentlich positionieren, ehrlicher und radikaler als je zuvor.

Wie sehen Sie selbst die Entwicklung der öffentlichen Meinung zum Thema Flucht, Migration, Integration?

Mit dem Sommer 2015 und der Flüchtlingsdebatte sind auch Migration und Integration wieder in das öffentliche Interesse gerückt. Sowohl mit positiven als auch mit negativen Konnotationen. Ich spüre zurzeit eine immer stärker werdende Kluft zwischen den Standpunkten der Menschen. Dieser Zustand  führt hoffentlich dazu, dass wir noch mehr miteinander diskutieren und auf eine gemeinsame, lösungsorientierte Entwicklung zusteuern.

 

Josephine Kuthning ist studierte Journalistin und realisiert als selbständige Autorin und Regisseurin zahlreiche Produktionen für Web und TV. Zu ihren Projekten zählen preisgekrönte Formate für öffentlich-rechtliche und private Fernsehsender. Zudem entwickelt und produziert sie Filme für Bundesministerien, Stiftungen und Unternehmen. Für die Friedrich-Ebert-Stiftung ist sie seit mehreren Jahren in  Deutschland und der Welt  unterwegs, um Interviews zu führen oder bewegende Dokumentationen zu produzieren.

Den Film Refugees (welcome) – wie die Flüchtlingsdebatte Deutschland bewegt finden Sie auch auf unserem FES-Youtube-Kanal.

Schlagworte: FMI Newsletter 12/2017

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