Mittwoch, 25.09.19 19:00 - Frankfurt

Rückblick: Risse in der Republik - Friedrich Ebert als Reichspräsident


Terminexport im ICS-Format

Diskussionsveranstaltung am 25.09.2019 in Frankfurt

Bild: FES Header Ebert 25.09.19 von FES Hessen

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Vor welchen Herausforderungen steht die (soziale) Demokratie heute? Was sind Parallelen zu den Zeiten Eberts, wo liegen Unterschiede? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung „Risse in der Republik – Friedrich Ebert als Reichspräsident“ am Mittwoch, 25. September 2019 in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Frankfurt.

 

Drei Referent_innen diskutierten aus unterschiedlichen Perspektiven: Prof. Dr. Walter Mühlhausen, Historiker und Geschäftsführer der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg, Edelgard Bulmahn, Bundesministerin für Bildung und Forschung a.D., sowie Kaweh Mansoori, Vorsitzender des SPD-Bezirks Hessen-Süd. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Eberhard Pausch, Studienleiter für Religion und Politik bei der Evangelischen Akademie in Frankfurt.

 

In seiner Begrüßung hob Simon Schüler, Referent im Landesbüro Hessen der Friedrich Ebert Stiftung, die Bedeutsamkeit einer Veranstaltung zu diesem Themenkomplex hervor. Wie immer bei historischen Veranstaltungen gehe es darum, Lehren für die Gegenwart und Zukunft zu ziehen, indem Parallelen und Unterschiede herausgearbeitet werden.

Zunächst startete Prof. Dr. Walter Mühlhausen mit einem historischen Input. Er betonte, dass beide Aspekte wichtigen seien: sowohl der historische Rückblick als auch der Blick in die Zukunft. Dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert fiel, so Mühlhausen, eine Schlüsselrolle in der deutschen Geschichte zu. Ebert hatte in der Revolution das erreicht, was er in diesen Monaten für notwendig und möglich hielt: die parlamentarische Demokratie.

„Wir haben die Demokratie zum Siege geführt, wir haben die Republik zum Siege geführt und tragen sie heute. Das ist ein Erfolg, dessen müssen wir uns alle täglich und stündlich bewusst sein.“ (Rede in Kiel, 04.09.1922)

 

Die neue Republik sollte allen Bevölkerungsteilen die Möglichkeit zur Mitgestaltung geben. Dies sei Eberts Verständnis von Demokratie, die Gleichberechtigung aller Menschen seine Vorstellung ihrer Ausgestaltung gewesen. Nach dem historisch-politischen Input, stellte Dr. Eberhard Pausch relevante Fragen zum Thema - für welche wesentlichen  Leistungen Ebert in der Revolutionszeit und auch in seiner Zeit als Reichspräsident verantwortlich ist, welchen Idealen er sich verpflichtet sah und welche „Risse“ beziehungsweise Herausforderungen es heute in der Bundesrepublik gebe. In der Diskussion wurde mit einem sehr engagierten und fachkundigen Publikum konkreter über die politische Umsetzung der Ansätze Eberts gesprochen.

Demokratie und Sozialismus seien für ihn für Ebert kein Widerspruch gewesen, so Mühlhausen. Er habe sich allerdings immer als Teil und nicht als Gegenpol der Reichsregierung verstanden und daher auch ihm unliebsame Kompromisse mitgetragen - für ihn war die Einigkeit der Regierung Leitgedanke. Ihm deshalb Verrat vorzuwerfen, wie historisch oft geschehen, wurde in der Diskussion jedoch mehrheitlich zurückgewiesen.

 

Edelgard Bulmahn schloss sich ihrem Vorredner an und betonte, dass die spürbare Verbesserung der Lebensverhältnisse von arbeitenden Klassen Eberts Zielsetzung gewesen sei und er hier auch wichtige Erfolge vorzuweisen habe. Nach heutigen Lehren und Parallelen gefragt, sah Kaweh Mansoori sah die größte Herausforderung darin, dass viele Bürger_innen bequem geworden seien und den Bestand der demokratischen Ordnung nicht mehr aktiv genug vorantrieben. Demokratische Zustände seien allerdings keine Selbstverständlichkeit. Als in enormer Unterschied zur Regierungszeit Eberts wurde der Zeitfaktor ausgemacht: Ebert strebte nach schnellen handlungsfähigen demokratischen Reformen. Ein Blick in die Gegenwart zeige jedoch, dass dieses Streben nach schnellen Entscheidungen in Diskussions- und Aushandlungsprozessen häufig nicht gegeben ist.

Zum Schluss betonten die Referent_innen noch einmal die großen Verdienste Eberts für die Demokratie in Deutschland und dass seither trotz aller Bedenken positive Entwicklungen zu verzeichnen seien. Die Diskussion ermöglichte 100 Jahre nach Friedrich Eberts Wahl zum Reichspräsidenten eine ausgewogene Würdigung des Wirkens Friedrich Eberts und regte zum Nachdenken über aktuelle Bezüge an.

 

Autorin: Rukiye Tekin, Praktikantin

Kontakt für Rückfragen zur Veranstaltung: Simon Schüler

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