Das Handwerk wird digital

Bedeutung für Betriebe, Beschäftigte und Marktstrukturen

Bild: von Tyler Olson / Shutterstock.com


Wirtschaft 4.0 – auch das Handwerk ist betroffen

Die digitale Revolution ändert die Art und Weise wie wir leben und wirtschaften. Unter dem Schlagwort Industrie 4.0 werden vor allem die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Produktion diskutiert. Dabei sind längst nicht ausschließlich die Fabriken und großen Unternehmen betroffen.

Auch Handwerksbetriebe werden vom digitalen Wandel erfasst. Dies findet jedoch nur wenig Beachtung – obwohl dem Handwerk eine hohe volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung zukommt. Ungefähr 5,5 Millionen Menschen sind hier beschäftigt, circa 360.000 Lehrlinge erhalten eine Ausbildung. Das Handwerk stellt einen wesentlichen Teil der mittelständischen Betriebe. In ländlichen, strukturschwachen Regionen ist es häufig der wichtigste Wirtschaftsfaktor.

Die Digitalisierung verändert Arbeitswelt und Geschäftsmodelle

Zwar erreicht die Digitalisierung von Tätigkeiten und Prozessen im Handwerk nicht das gleiche Maß wie in der Industrie. Das liegt daran, dass in Handwerksbetrieben immer noch sehr individualisiert gearbeitet wird. Doch auch hier sind die Auswirkungen spürbar. Digitale Produkte und Werkzeuge führen zu anderen Arbeitsprozessen und Wertschöpfungsketten. Kommunikationsstrukturen und Organisationsweisen wandeln sich, ebenso Tätigkeitsprofile und erforderliche Qualifikationen.

Außerdem sind die Wirkungen von neuen Geschäftsmodellen und Märkten - etwa im Hinblick auf digitale Plattformen - beim Handwerk spürbar. So können einerseits neue Absatzwege erschlossen werden, andererseits entsteht neue Konkurrenz. Beispielsweise dann, wenn sich nicht-handwerkliche Anbieter Zugang zu traditionell handwerklich dominierten Märkten verschaffen.

Unterstützung bei der Entwicklung einer betrieblichen Digitalisierungsstrategie erforderlich

Wenngleich sich das Handwerk - in Teilen sogar stark - durch die Digitalisierung verändern wird, ist eine Verdrängung insgesamt nicht zu befürchten. Denn viele Handwerksleistungen sind mit hohem Beratungsbedarf verbunden. Vertriebene Produkte, selbst die mit hohem Digitalisierungsanteil, müssen vor Ort bei der Kundschaft installiert, repariert oder gewartet werden. Gleichwohl muss sich jeder einzelne Betrieb als anpassungs- und wandlungsfähig erweisen.

Handwerksunternehmen stehen vor der Aufgabe, Produkte und Dienstleistungen für die digitalen Gewohnheiten und Wünsche von morgen zu entwickeln und neue Organisationsweisen, neue Absatzwege und Geschäftsmodelle zu erproben. Bei der Entwicklung ihrer Digitalisierungsstrategie sollten die Betriebe beraten und unterstützt werden.

Im Bereich der Personal-  und Kompetenzentwicklung gilt es, die Aus- und Weiterbildung so anzupassen, dass digitale Kompetenzen gestärkt werden. Zudem sollte das Thema gute Arbeit in der Digitalisierung weiter vorangetrieben werden, damit das Handwerk für Nachwuchskräfte attraktiv bleibt.

Ansprechpartner in der FES: Dr. Robert Philipps

 

Arbeitseinheit: Wirtschafts- und Sozialpolitik

Dürig, Wolfgang; Weingarten, Jörg

Das Handwerk wird digital

Bedeutung für Betriebe, Beschäftigte und Marktstrukturen
Bonn, 2019

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