Internationale Arbeit

11.04.2018

Gegensätze überbrücken und zum Gespräch finden - Die FES in Venezuela

Die schwierigen politischen Rahmenbedingungen bestimmen die inhaltliche Arbeit der FES in Caracas tagtäglich. Die Versorgungskrise im Land hingegen erfordert ein besonderes Maß an Engagement und Energie aller Kolleg_innen.

Aber es sind gerade die politischen Herausforderungen, die unserer Aufgabe, “Demokratie und soziale Gerechtigkeit zu fördern“, einen Sinn geben. 1973 unter dem Namen ILDIS (Instituto Latinoamericano de Investigaciones Sociales) gegründet, stellt die FES in Venezuela der instabilen Entwicklung des Landes einen langfristig angelegten Beratungsansatz entgegen. Denn für die nachhaltige Verankerung einer demokratischen Kultur werden solide Institutionen, sozial ausgewogene Politikkonzepte und eine gleichberechtigte Beteiligung der Bevölkerung gebraucht. In dem mit Rohstoffreichtum verwöhnten Land wurde jahrzehntelang eine Politik der kurzfristigen Erfolgserlebnisse zu Lasten nachhaltiger Entwicklungsstrategien und demokratisch gefestigter Institutionen bevorzugt. Doch die politische und soziale Krise erfordert konkrete Vorschläge für einen Kurswechsel. Wir arbeiten daher mit Expert_innen, setzen auf Dialog und den Nachwuchs in politischen und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Am Herzen liegen uns explizit soziale sowie ökologische Aspekte und die Geschlechtergerechtigkeit. Gerade bei der Förderung eines demokratisch legitimierten und funktionsfähigen Rechtsstaates ist das Zusammenspiel von fortschrittlichen, demokratischen Parteien und zivilgesellschaftlichen Organisationen gefragt, um die extreme politische Polarisierung aufzuweichen.

Je schwieriger die Lage, desto stärker die Nachfrage nach unserem Angebot: Im „Observatorio de Economía“ erarbeiten angesehene Akademiker_innen, engagierte Politiker_innen und interessierte Journalist_innen Lösungsvorschläge für die gravierende Strukturkrise. Die Ergebnisse werden dann über Seminare oder Publikationen in die öffentliche Debatte eingeführt. Ein ähnliches Vorgehen finden wir beim schwierigen Thema der öffentlichen Sicherheit. Ziel ist es auch hier, vorhandene Vorurteile abzubauen und eine Basis für fortschrittliche Politikreformen zu schaffen.

Der gute Ruf des Landesbüros und die Erfahrung des Büroteams sind von Vorteil, wenn es gilt, die inhaltlichen Herausforderungen zu meistern und sensible Ansprechpartner_innen für die Arbeit zu interessieren. Dabei sind die administrativen und logistischen Probleme nicht zu unterschätzen, und Notlagen wie in der defizitären medizinischen Versorgung stellen auch für alle Mitarbeiter_innen und deren Familien eine besondere Herausforderung dar. Doch trotz aller Widrigkeiten strahlt unser Büroteam den Enthusiasmus und Tatendrang aus, den es braucht, um in dieser schwierigen Situation für eine lebendige Demokratie zu werben

Arbeitseinheit: Stimmen aus Lateinamerika und der Karibik


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