Internationale Arbeit

23.11.2017

Forum Medien und Entwicklung 2017 - „Power Shifts. Media Freedom and the Internet“

Das diesjährige FoME-Symposium widmete sich dem Internet sowie seiner Auswirkung auf Medien und Journalismus. Wie geht man mit dem Spagat zwischen Regulierung und Sanktion im Internet einerseits und freier Meinungsäußerung andererseits um?

Im Rahmen des Netzwerks Forum Medien und Entwicklung (FoME) wirkte die Friedrich-Ebert-Stiftung am alljährlichen FoME-Symposium mit, das bereits zum zwölften Mal zum Zweck des Austauschs zu medienrelevanten Fragestellungen zwischen Fachexpert_innen der Medienentwicklung, Journalist_innen und Wissenschaftler_innen stattfand. Das FoME-Netzwerk vereint zahlreiche deutsche Organisationen, die im Bereich der Medienentwicklung und Entwicklungskommunikation tätig sind. Sie eint das Ziel, Grundrechte wie die freie Meinungsäußerung und die Pressefreiheit weltweit zu stärken und sich für unabhängige und vielfältige Medien als elementaren Bestandteil von partizipativen Demokratien einzusetzen.

Das diesjährige Symposium mit dem Titel „Power Shifts. Media Freedom and the Internet“ widmete sich dem Internet sowie seiner Auswirkung auf Medien und Journalismus. Nachrichten können heutzutage überall auf der Welt online produziert, verbreitet und nahezu jederzeit abgerufen werden. Die Grenzen zwischen Journalist_innen und Nutzern, die ein Ereignis auf Facebook oder Youtube übertragen, schwinden – mit Auswirkungen auf die Anwendung ethischer Standards der Berichterstattung, der Weitergabe von sensitiven Informationen sowie dem Schutz von Persönlichkeitsrechten. Gleichzeitig wachsen die Möglichkeiten, Menschen weltweit durch die immens beschleunigte Verbreitung von Desinformation und Falschmeldungen negativ zu beeinflussen. Durch die Abschaltung des Internets versuchen nicht nur autoritäre Regierungen immer öfter, den Fluss von Informationen zu kontrollieren.

All dies verdeutlicht, warum sich zivilgesellschaftliche Akteure, Journalist_innen und Medienschaffende intensiv mit der Frage der Regulierung und Gestaltung des Internets auseinandersetzen müssen. Denn: Das Internet zu regulieren, bedeutet auch, Medien und Journalismus zu regulieren.

Internet Shutdowns – wenn plötzlich das Internet abgeschaltet wird

Im letzten Jahrzehnt ist der wachsende Trend zu beobachten, dass Regierungen in Entwicklungsländern - oft lokal oder regional begrenzt – das Internet abschalten. Dies kann aus vielfachen Gründen geschehen: um die Verbreitung von Informationen zu verhindern, Proteste an ihrer Ausbreitung zu hindern, oder Schüler_innen am Schummeln während einer Prüfung abzuhalten. Da sich zivilgesellschaftliche Akteure oftmals der sozialen Medien bedienen, um auf Missstände hinzuweisen und Kritik zu äußern, werden dadurch die Möglichkeiten beschnitten, effektiv auf Politikgestaltung einzuwirken. Auf dem afrikanischen Kontinent gab es Anfang 2017 mit der 93 Tage andauernden Abschaltung des Internets in der anglophonen Region Kameruns einen prominenten – wenn auch bei Weitem nicht den einzigen – Fall. Insgesamt wurde in diesem Jahr in mehr als neun Ländern Subsahara-Afrikas das Internet abgestellt, teilweise mehrfach und über längere Zeiträume. Neben der grafischen Darstellung und Analyse einzelner Fälle von Internet Shutdowns und dem sich verstärkenden globalen Trend wurden während des Symposiums Lösungsansätze diskutiert und Empfehlungen für alle beteiligten Akteure wie Regierungen, Telekommunikationsfirmen und Internetprovidern, zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie Endverbraucher formuliert.

  • Bild: von FES/KAS 
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„Fake News“ aus der Perspektive des globalen Südens

Nicht zuletzt seit den US-Präsidentschaftswahlen 2016 ist der Begriff „Fake News“ in aller Munde. Allerdings ist die Diskreditierung von Medien und einzelnen Journalist_innen mitnichten ein neues Phänomen, sondern vielmehr ein altbewährtes Mittel etlicher Regierungen auch in Entwicklungsländern. Daher wurden auf dem Symposium explizit die Stimmen des globalen Südens zu diesem Thema, das nicht erst seit Donald Trump in vielen Ländern akut ist, gehört. wie beispielweise in Kenia während der Wahlen im August versucht wurde, Hassrede und Falschmeldungen, die potenziell zu ethnisch motivierter Gewalt führen können, einzudämmen. Das Problem alleine dadurch anzugehen, indem soziale Medien rechtlich zur Löschung von vermeintlichen Falschmeldungen verpflichtet werden, wurde hingegen von den Podiumsteilnehmer_innen aufgrund der möglichen negativen Auswirkungen auf die freie Meinungsäußerung abgelehnt. Vielmehr sehen sie die Notwendigkeit, digitale Bildung und Medienkompetenz insbesondere im globalen Süden zu fördern, um „Fake News“ entgegen zu wirken.

Weiterführende Informationen und Audiomitschnitte des Symposiums finden Sie unter: http://fome.info/events/symposium-2017

  • Bild: von FES 
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Arbeitseinheit: Demokratie- und Medienförderung


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