Regionalbüro Regensburg

29.10.2020

Wie Corona Behinderung behindert

Unter diesem Titel thematisiert die digitale Veranstaltungsreihe des Regensburger Regionalbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung die Probleme von Menschen mit Behinderung in Zeiten der Pandemie.

Bild: Brandt Sibylle

Bild: Miles Paul Ottmar

Bild: Teaser Corona Behinderung von AdobeStock_343399858

Die Veranstaltungsreihe macht deutlich, dass sich viele Menschen mit Behinderung in der Coronakrise von der Politik zurückgelassen und übergangen fühlen. Gründe dafür sind neben fehlender finanzieller Unterstützung die weitverbreitete Nichtbeachtung von spezifischen Bedürfnissen von Menschen mit Behinderung.

Am 30. Juli 2020 fand der erste Teil der Reihe im Rahmen eines digitalen Fachgesprächs statt. Sibylle Brandt, Inklusionsbotschafterin der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. (ISL), Ottmar Miles-Paul, Sprecher der LIGA Selbstvertretung und Stephan Neumann, Stv. Landesvorsitzender der Berliner Arbeitsgemeinschaft Selbst Aktiv in der SPD diskutierten u.a. über die Erfahrungen von Menschen mit Behinderung in der ersten Phase der Coronakrise in Deutschland und sprachen notwendige politische Maßnahmen an.

Am 29. Oktober 2020 folgte der zweite Teil mit dem Untertitel „Politische Partizipation von Menschen mit Behinderung in Zeiten von Corona - und danach“ statt. Der Fokus lag auf den unmittelbaren Auswirkungen der Coronakrise auf Kommunen, Verbänden und Selbsthilfegruppen. In zwei Workshops mit Sibylle Brandt und Ottmar Miles-Paul konnten sich die Teilnehmenden intensiv austauschen. Mit dabei waren über zwanzig Vertreter_innen aus verschiedenen Behindertenverbänden, Behindertenbeauftragte sowie Betroffene aus der gesamten Bundesrepublik.

Die Herausforderungen sind immens: Von der Contergan geschädigten Dame, die ihre Assistenzen während des ersten Lockdowns nicht beschäftigen durfte, von gehörlosen Menschen, die keinen Zugriff auf Gebärdendolmetscher erhalten und durch die allgemeine Maskenpflicht nicht mehr Lippenlesen können, bis hin zu den vielen Menschen mit Behinderungen, die nicht mehr umfänglich versorgt und sozial betreut werden können - um nur einige Beispiele zu nennen. Darüber hinaus wurde immer wieder auf die psychischen Belastungen anhaltender sozialer Isolierung und Einsamkeit der Menschen hingewiesen, deren Langzeitfolgen noch gar nicht abzuschätzen sind.

Die Teilnehmenden fordern deshalb wiederholt, Menschen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen stärker bei politischen Entscheidungen zu berücksichtigen bzw. sie von Anfang an aktiv in die Entscheidungsprozesse miteinzubinden. So stellen die Folgen der Pandemie die rund 18 Millionen Menschen mit Behinderungen in Deutschland vor noch größere Herausforderungen als sonst. Als konkrete Bereiche sind neben der Gewährleistung von Pflege, Assistenz und Betreuung der Betroffenen auch die nun zusätzlich eingeschränkte Mobilität und Kommunikationswege zu nennen.

Folgende politische Forderungen wurden formuliert:

  • Schnelle und unkomplizierte finanzielle Förderungen
  • Umfangreiche Vernetzung Betroffener durch digitale Stammtische, Aktionsgruppen und eine verstärkte gesellschaftspolitische Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Behinderung.
  • Die Kommunen müssen Verantwortung für Hilfen, wie Einkaufsbegleitung oder -hilfe, Assistenzhundeausführdienst, Betreuung psychisch kranker Menschen leisten. Dies kann nicht hauptsächlich von Ehrenamtlichen geschultert werden.

Die Veranstaltungsreihe zeigte eindrücklich, wie groß der Gesprächsbedarf seitens der Betroffenen, ihrer Angehörigen und der Mitarbeiter_innen sozialer und öffentlicher Einrichtungen ist. Der virtuelle Veranstaltungsraum bot dabei einen niedrigschwelligen Zugang für Teilnehmer_innen aus dem ganzen Bundesgebiet und zeigte auf, welch neue Potentiale sich aus der verstärkten Digitalisierung im Zuge der Pandemie ergeben.

Die Veranstaltungsreihe soll Anfang 2021 fortgeführt werden. Geplant ist, zukünftig auch Politiker_innen in den Diskurs miteinzubinden.

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