Referat Lateinamerika und Karibik

12.10.2017

Die FES in der Karibik stellt sich vor: Wo andere Urlaub machen

Die Dominikanische Republik und Kuba sind vielen als Urlaubsinseln bekannt, Kuba zudem noch als Land der Revolution bärtiger Guerrilleros, die bis heute der USA und dem Kapitalismus trotzen. Beide Länder, zusammen etwa halb so groß wie Deutschland und mit einer Bevölkerung von 22 Millionen, sind aber nicht nur sehr verschieden, auch ihre Realitäten unterscheiden sich von den gängigen Stereotypen der Urlaubsindustrie, die letztes Jahr zehn Millionen Menschen in die spanischsprachige Karibik brachte.

Nur wenige ausländische Organisationen sind in Kuba präsent, und auch die FES hat auf Kuba kein Büro. Trotzdem arbeiten wir seit über 20 Jahren mit kubanischen Partnerorganisationen vor Ort. Planung, Organisation und Kontaktpflege erfolgen durch unser Büro in Santo Domingo in der Dominikanischen Republik. Die FES schafft in Kuba vor allem Räume zur gesellschaftspolitischen Diskussion. Hierfür arbeiten wir mit den wichtigsten kubanischen wissenschaftlichen Instituten zusammen und unterhalten Beziehungen zur Kommunistischen Partei sowie dem Gewerkschaftsdachverband CTC. Besondere Bedeutung hat dabei das „sozialpolitische Seminar“, eine Initiative, mit der die Umsetzung der Richtlinien zur sogenannten Aktualisierung des Wirtschafts- und Sozialmodells Kubas aus sozialpolitischer Sicht analysiert wird.

Denn ein halbes Jahrhundert US-Embargopolitik sowie die aktuellen wirtschaftlichen Reformen haben Folgen, die die sozialen Errungenschaften des Landes immer stärker in Frage stellen. Kuba steht vor zahlreichen Herausforderungen, für die auch die Erfahrungen der Anderen eine erhebliche Rolle spielen. Die FES organisiert daher einen internationalen Informations- und Erfahrungsaustausch für kubanische Fachkräfte zu diversen Themen, von der Stadterhaltung über Sozialpolitik bis hin zu Fragen der Wirtschaftsplanung, wie etwa dieses Jahr in Uruguay, Deutschland und bei der EU in Brüssel.

Auch die Dominikanische Republik ist kein Paradies aus Palmen und Strand. Das Wachstumsmodell hat Ungleichheit und Exklusion konsolidiert und zu einer Machtkonzentration in den Händen Weniger geführt. Ein stabil niedriges Lohnniveau hat die Einkommenskonzentration begünstigt und die Investitionen in Tourismus, Freihandelszonen und Bausektor befördert. Korruption und Straflosigkeit haben nun seit Anfang dieses Jahres Hunderttausende auf die Straße getrieben. Eine neue Protestbewegung v. a. junger Menschen artikuliert unter dem Namen „grüner Marsch“ die Empörung und fordert grundlegende strukturelle Reformen des politischen Systems, der Verwaltung und Justiz. Nicht wenige Verantwortliche der Bewegung sind Absolventinnen und Absolventen des politischen Nachwuchsförderungsprogramms Agentes de Cambio, das die FES in der Dominikanischen Republik und in allen Ländern Zentralamerikas durchführt. Das Jahresprogramm hat die Ausbildung und Vernetzung junger progressiver Kräfte aus Politik, sozialen Bewegungen und Gewerkschaften zum Ziel, ist landesweit bekannt und bekommt jedes Jahr hunderte von Bewerbungen. Parallel werden Ableger auch für junge Menschen aus Gewerkschaften und progressiven Parteien angeboten.

Allgemein mangelt es zudem im korporatistischen politischen System daran, die Analyse der Probleme mit politischen Lösungsvorschlägen im öffentlichen Raum und einem progressiven Projekt zu verknüpfen. Die FES hat mit ihrem Format des wirtschafts- und sozialpolitischen Forums erhebliche mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen können. Mehrmals im Jahr werden mit bekannten Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft solche gesellschaftspolitisch wichtigen Themen aufgegriffen wie eben die Verbindung zwischen Korruption und Politik oder die Zukunft der Protestbewegung. Außerdem werden progressive Entscheidungsträger_innen und Organisationen u. a. bei der Entwicklung von Programmen und Inhalten unterstützt wie z. B. die Parlamentskommission für Umwelt bei der Erarbeitung eines Gesetzes, das auf das Pariser Klimaschutzabkommen adequat reagiert.

Wie auch in anderen Ländern Lateinamerikas versucht die FES – mit ihrem achtköpfigen Team in Santo Domingo und fast 100 verschiedenen Aktivitäten in beiden Ländern dieses Jahr – eine progressive gesellschaftspolitische Entwicklung durch Debattenformate, Ausbildungsprogramme und Erfahrungsaustausch voranzubringen.

Mehr zur Arbeit der FES in der Karibik finden Sie auf der spanisch-, englisch- und französischsprachigen Bürowebseite.

Arbeitseinheit: Stimmen aus Lateinamerika und der Karibik


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    Bild: von FES 

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