Frieden und Sicherheit

Bild: Call for Peace during Kenya elections 2017 von AFP, Tony Karumba 

Gewaltsame Konflikte sind afrikaweit eine wesentliche politische und gesellschaftliche Herausforderung. Dabei ist ihnen neben unterschiedlichen Konfliktkonstellationen gemeinsam, dass schlechte Regierungsführung und ihre Begleiterscheinungen von Korruption bis fehlender sozio-ökonomischer Partizipation zentrale Ursache der Unsicherheit darstellen. Die schlechte Regierungsführung geht ihrerseits in hohem Maße mit dem Verlust von Legitimität und Autorität einher und begünstigt Gewalt und Folgekonflikte. Gleichzeitig hat die Natur der Konflikte sich grundlegend verändert: So kommt es nicht mehr nur primär zu vermeintlich ethno-politischen Auseinandersetzungen oder Verteilungskämpfen im Hinblick auf Macht und Ressourcen, sondern auch zu transnationaler terroristischer Gewalt im Zusammenspiel mit organisierter Kriminalität, was die staatliche Ordnung noch zusätzlich untergräbt.

Die Ausgestaltung der Afrikanischen Friedens- und Sicherheitsarchitektur (APSA) nimmt vor diesem Hintergrund der anhaltenden Bedrohung von Frieden und Sicherheit auf dem afrikanischen Kontinent sowie in den europäisch-afrikanischen Beziehungen eine zentrale Rolle ein. Dennoch lässt die APSA auch viele Fragen offen. So ist weder das Zusammenspiel von Afrikanischer Union (AU) und Regional Economic Communities (RECs) zufriedenstellend geklärt noch die Frage, wie sich die finanzielle Abhängigkeit Afrikas hinsichtlich der Operationalisierung der APSA verringern lässt. Grundsätzlich wird eine langfristige Sicherung von Frieden und Entwicklung nicht möglich sein ohne einen politischen Dialog über gute Regierungsführung und demokratische Entwicklung afrikanischer Staaten. Neben Ressourcenknappheit und Klimawandel, die auf globaler Ebene zu den Ursachen von Krisen und Konflikten gehören, führen ungerechte Verteilung und fehlende Perspektiven für die meist junge Bevölkerung am politischen und wirtschaftlichen System zu partizipieren, zum Autoritäts- und Legitimationsverlust staatlicher Organe. Sie bringen eine Vielzahl sicherheitspolitischer Herausforderungen wie transnationale organisierte Kriminalität, islamistische Terrorgruppen oder anhaltende Instabilität mit sich, die sich nicht alleine mit militärischen Mitteln lösen lassen.

Der Ansatz der FES zielt vor diesem Hintergrund auf die Etablierung eines erweiterten Sicherheitsbegriffs, und zwar auch in den inner-afrikanischen und in den europäisch-afrikanischen Dialogen, die oft von akuten Krisensituationen und kurzfristigen Sicherheitsinteressen dominiert sind. Dabei soll die Stimme Afrikas im globalen Diskurs zu kollektiver Sicherheit und Krisenprävention durch thematische Sensibilisierung, Aufbau von Expertise und Schaffung von Plattformen, in und außerhalb Afrikas, verstärkt werden und zu einem partnerschaftlichen Dialog beitragen. Gerade im Hinblick auf den europäisch-afrikanischen Dialog ist es dringend geboten, auch jenseits der sicherheitspolitischen Debatte gemeinsame entwicklungspolitische Interessen und Prioritäten zu identifizieren, um Lösungsansätze für globale Herausforderungen einvernehmlich zu entwickeln.

Arbeitslinien zu Themen im Bereich Frieden und Sicherheit spielen in allen subregionalen Ebenen der FES-Arbeit in Afrika seit Jahren eine wichtige Rolle: so gibt es beispielsweise in Ostafrika eine regionale Arbeitslinie zur Transparenz der außen- und sicherheitspolitischen Orientierung der Staaten in der Region, im südlichen Afrika regelmäßige regionale Sicherheitsdialoge und Arbeitsansätze zur Reform des Sicherheitssektors als Schlüsselsektor in demokratischen Transitionsprozessen und auch im westlichen Afrika einen Schwerpunkt im Bereich Frieden und Sicherheit. Darüber hinaus gibt es in mehreren nationalen Projekten sicherheitspolitisch relevante Arbeitsansätze, u.a. in Äthiopien, Mosambik, Simbabwe, Côte d‘Ivoire, Guinea, Kamerun, Mali und Nigeria. Seit Juli 2016 koordiniert das Kompetenzzentrum Frieden und Sicherheit in Dakar die kontinentweite Arbeit.

Publikationen zum Thema

Keita, Naffet

Agreement for peace and reconciliation in Mali resulting from the Algiers process

Between euphoria and scepticism: traces of peace
Dakar-Fann

Publikation herunterladen (740 KB, PDF-File)


Ebiede, Tarila Marclint

Instabilité dans le Delta du niger

programme post-amnistie et consolidation de la paix
Dakar-Fann

Publikation herunterladen (490 KB, PDF-File)


Brockmeier, Sarah; Rotmann, Philipp

Changing security governance

Lessons for external support from Southeast Asia, Southern Africa, and Latin America
Berlin

Publikation herunterladen (360 KB, PDF-File)


Blackings, Mairi John

Why peace fails: The case of South Sudan's Agreement on the Resolution of the Conflict in South Sudan

Dakar-Fann

Publikation herunterladen (1,5 MB PDF-File)


Ismail, Olawale; Kifle, Alagaw Ababu

New collective security arrangements in the Sahel

A comparative study of the MNJTF and G-5 Sahel
Dakar-Fann

Publikation herunterladen (2 MB, PDF-File)


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